Kreis Lörrach Deponie fit für die Zukunft machen

Michael Werndorff
 Foto: Fotos: Michael Werndorff

Lagerflächen sind endlich: Das gilt auch für die Kreismülldeponie Scheinberg, die mit Blick auf das verfüllbare Volumen noch eine Restlaufzeit von acht Jahren aufweist. Mit dem zukünftigen Abschnitt IIIc soll die Deponie fit für die nächsten vier bis fünf Jahrzehnte gemacht werden, wie beim Jahrespressegespräch zu erfahren war. Zudem soll bald eine moderne Schlackenaufbereitungsanlage ihren Dienst aufnehmen.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Erfreulich: Im vergangenen Jahr hat der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft 44 Prozent weniger Abfälle in die Deponie eingebracht. Konkret wurden rund 68 Tonnen beziehungsweise 28 000 Kubikmeter verbaut. Es verbleibt ein Restvolumen von 353 000 Kubikmeter, verwies Leiterin Silke Bienroth auf die deutlich geringeren Anlieferungen von Erdaushub (minus 77 Prozent) und Bauschutt (minus 26 Prozent). Ursache hierfür sei eine veränderte Baustrategie und ein vom Gesetzgeber verändertes Annahmeverfahren. So bestehe eine Pflicht zur Verwertungsprüfung, was laut Bienroth bei den Bürgern aber nicht auf Begeisterung stößt. Neben Unternehmen müssten nämlich auch Private den Nachweis erbringen, dass eine Verwertung geprüft wurde. Und: „Wir wollen das Bauschutt-Recycling forcieren“, lautete Bienroths Botschaft. Kurzum: Nur nicht verwertbares Material dürfe deponiert werden. Ab einer gewissen Aushubmenge müssen Bauherren künftig schon vor Erteilung der Baugenehmigung ein Verwertungskonzept vorlegen. Das wiederum entlaste die kommunale Abfallwirtschaft als Deponiebetreiber, erklärte die Leiterin des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft.

Gaserfassungsanlage

Insgesamt habe es im vergangenen Jahr keine besonderen Vorkommnisse gegeben, bilanzierten Bienroth, Landrätin Marion Dammann sowie Deponieleiter Majed Kalash, Stellvertreter Franz Pfefferle, Simone Wilkens (Technische Kontrolle) und Norbert Kiefer (Deponieführung). Der Umbau der Gaserfassung und Installation der Schwachgasanlage sei abgeschlossen. Die Anlage wurde vergangenen Sommer in Betrieb genommen und leiste einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz. „Die Anlage hat zu einer messbaren Verbesserung geführt, und wir hoffen, dass wir das Maximale rausholen können“, legte Bienroth dar. Denn: Methan sei 20 mal klimaschädlicher als Kohlenstoffdioxid.

Darüber hinaus wurden erste Sanierungsmaßnahmen am Entwässerungssystem umgesetzt. Weitere Schritte stehen für 2022/23 auf der Agenda.

Metalle recyclen

Zwar gab es keine besonderen Vorkommnisse, mit Blick auf die neue Schlackenaufbereitungsanlage sprach Landrätin Marion Dammann aber von einem besonderen Ereignis. Die Schlacke, die bei der Verbrennung des Mülls in der KVA Basel übrig bleibt, wird auf der Deponie Scheinberg aufbereitet.

Im vergangenen Jahr waren es 13 000 Tonnen, aus denen Eisen und Nichteisen-Metalle zurückgewonnen wurden. Wegen gesetzlicher Vorgaben der Schweiz hat der Eigenbetrieb in eine neue Anlage investiert, die um einen zweiten Abscheider sowie um einen Brecher erweitert wurde. Die 1,5 Millionen Euro teure Anlage wurde von der Nationalen Klimaschutzinitiative mit 500 000 Euro gefördert.

Erweiterung geplant

Um die Deponie fit für die Zukunft zu machen und die Entsorgungssicherheit zu gewährleisten, soll die Deponie Scheinberg an ihrer Südseite um den Bereich IIIc erweitert werden. Wo jetzt noch ein Wäldchen steht, sollen zukünftig Abfälle deponiert werden.

Durch den Ausbau können dort weitere 1,75 Millionen Kubikmeter deponiert und die Laufzeit auf 40 bis 50 Jahre verlängert werden, wie weiter zu erfahren war. Der Kreistagsbeschluss hierzu fiel im Jahr 2020, ebenso die Vergabe der Planung. Eine FFH-Vorprüfung sowie Verträglichkeitsprüfung sind für Juli und der Genehmigungsantrag Planfeststellungsverfahren für Anfang nächsten Jahres vorgesehen. Eine öffentliche Informationsveranstaltung soll nächsten Januar stattfinden. Dabei sollen auch die Anwohner zu Wort kommen. Eine Anhörung der umliegenden Gemeinden erfolgt im Verfahren durch die öffentliche Auslegung. Im Jahr 2025 soll mit dem Bau begonnen werden, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant.

Wie Bienroth auf Nachfrage mitteilte, werde der Ausbau für die Bürger erst in der Zukunft gebührenrelevant.

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