Kreis Lörrach Der Borkenkäfer macht sich breit

Die Oberbadische, 17.05.2018 16:52 Uhr

Buchdrucker und Kupferstecher heißen die Borkenkäfer, die derzeit bei den Forstleuten die Alarmglocken schrillen lassen. Bedingt durch das vom Tief „Burglind“ verursachte Sturmholz und die warm-trockene Witterung im April, besteht die akute Gefahr einer Massenvermehrung der bekannten Forstschädlinge, die geschwächte Bäume absterben lassen können.

Kreis Lörrach. Um dies zu begrenzen, arbeiten Forstbetriebe mit Hochdruck an der Aufarbeitung und Abfuhr des befallenen Holzes, wie das Landratsamt Lörrach in einer Mitteilung von gestern schreibt. Trotzdem muss davon ausgegangen werden, dass flächig verbreitet eine große Zahl von Jungkäfern unter der Rinde überwintert hat und jetzt ausfliegt.

Der Fachbereich Waldwirtschaft des Landratsamtes Lörrach appelliert daher an alle Waldbesitzer, dringend Maßnahmen zu ergreifen: Falls noch nicht geschehen, sollten Sturmholz und das bereits im vergangenen Jahr vom Käfer befallene Nadelholz schnellstmöglich aufgearbeitet werden.

Ab sofort bis etwa Ende September müssen potenziell gefährdete Bestände im ein- bis zweiwöchigen Turnus auf Befall kontrolliert werden. Frischer Stehendbefall zeigt sich durch braunes Bohrmehl sowie verstärkten Harzfluss.

Bei Befall muss das Holz innerhalb von zwei bis maximal fünf Wochen aus dem Wald abtransportiert oder durch Entrinden beziehungsweise Hacken unschädlich gemacht werden. Sofern sich Privatwaldbesitzer nicht in der Lage sehen, die nötigen Maßnahmen eigenständig auszuführen, bieten Forstbezirke und Revierleiter ihre Unterstützung an.

Entscheidend für die Fortpflanzung der Borkenkäfer ist neben der Temperatur ab etwa 16 Grad Celsius die Verfügbarkeit von bruttauglichem Material.

Für ein enormes Potenzial hat vor allem das Sturmtief „Burglind“ gesorgt, bei dem am 3. Januar kreisweit mehr als 30 000 Kubikmeter Sturmholz umgeworfen wurden.

Forstbetriebe arbeiten gegen die Zeit

Die überwiegende Menge nimmt dabei laut der Mitteilung die als Flachwurzler besonders windanfällige Fichte ein, die im Landkreis Lörrach auf etwa 31 Prozent der Waldfläche zu finden ist. Entsprechend gefürchtet sind die wirtschaftlichen Schäden, die durch die Fichtenborkenkäfer verursacht werden können. Unter günstigen Bedingungen kann es bei drei Folgegenerationen jährlich zu einer explosionsartigen Massenvermehrung der Käfer kommen, wobei ein Pärchen bis zu 100 000 Nachkommen pro Jahr produzieren kann. Ob es dazu kommt, hängt neben dem Witterungsverlauf der kommenden Wochen davon ab, ob das bruttaugliche und befallene Holz rasch genug aufgearbeitet werden kann.

Äußere Umstände erschweren die Arbeit der Forstbetriebe: Während die Böden in den tieferen Lagen zu Beginn des Jahres nach anhaltenden Regenfällen noch so durchnässt waren, dass sie lange nicht befahrbar waren, verhinderte in den Hochlagen der Schnee den Zugang zum Sturmholz. Aktuelle Informationen finden Interessierte auf der Internetseite der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg unter www.fva-bw.de.