Kreis Lörrach Der Wolf kommt, um zu bleiben

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland sorgt seit Jahren für Diskussionen, auch im Landkreis Lörrach, wo jüngst die Bürgerinitiative Wolfinfo gegründet wurde. Foto: Archiv

Kreis Lörrach - Wölfe breiten sich in vielen Ländern Europas aus. In Baden-Württemberg nehmen die Wolfssichtungen zu, auch kommt es immer mal wieder vor, dass Nutztiere gerissen werden. Die im Kreis Lörrach jüngst gegründete Bürgerinitiative „Wolfinfo“ will auf die Gefahren aufmerksam machen und die Bürger für das Thema sensibilisieren.

Dass der Wolf auch einmal in der heimischen Region Fuß fassen wird, ist bloß eine Frage der Zeit, meint der Weitenauer Uwe Braun, Mitbegründer der Bürgerinitiative, die sich verschiedene Ziele auf die Fahne geschrieben hat: So setzt sich die Initiative ein für den Schutz der Menschen und Haustiere in Dörfern, die Etablierung wolfsfreier Gebiete und Schutzzonen für den Wolf, die Forderung nach ehrlichen Zahlen in Sachen Wolfspopulation und -rissen sowie Alternativen zu den bestehenden DNA-Analysen. Auch soll eine seriöse, sachliche Informationsbereitstellung und Aufklärung über den Wolf erfolgen, wie der Tierhalter im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Kein Ansatz einer Gefahr

Die Ziele seien mit Blick auf Regionen in Ost- und Norddeutschland aufgestellt worden, wo sich Wölfe immer weiter ausbreiten und Tierhalter die Leidtragenden seien. „Es ist eine gängige Meinung, dass der Wolf nicht in dicht besiedeltes Gebiet kommt, und es sich um ein scheues Tier handelt. Dem ist aber nicht so“, berichtet Braun von Wolfsichtungen in Brandenburger Dörfern. Noch sei man von einem solchen Szenario in der heimischen Region weit entfernt, aber: „Momentan gibt es zwar nicht den Ansatz einer Gefahr, diese wird aber hier ankommen“, ist der Tierhalter überzeugt.

Erste Funde im Jahr 2015

Wölfe galten in der freien Wildbahn im Südwesten seit gut 150 Jahren als ausgerottet, bis vor vier Jahren die Raubtiere zum ersten Mal wieder nachgewiesen wurden. Damals sind zwei tote Wölfe an der Autobahn 5 bei Lahr und ein weiterer auf der Autobahn 8 bei Merkingen gefunden worden. In beiden Fällen handelte es sich um Rüden aus einem Schweizer Rudel, das am Calanda-Massiv heimisch ist. Der nächste Fall ereignete sich am 15. Mai 2016, als ein lebender Wolf im Schwarzwald-Baar-Kreis gesichtet wurde.

Der erste nachgewiesene Wolfsriss im Südwesten ereignete sich am 7. Oktober 2017, und zuletzt kam es am 22. Januar in Wolfach zu einem Wolfsriss, wie die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) nachwies, die auch das Wolfs-Monitoring betreibt.

Friedliches Nebeneinander

Ein friedliches Nebeneinander von Wolf und Mensch erachtet Braun als sehr schwierig: „Wölfe sind extrem lernfähige und intelligente Raubtiere. Auch werden sie dem Menschen und den Ansiedlungen immer näherkommen.“ Die Politik müsse ein vernünftiges Konzept entwickeln, allerdings sieht Braun eine starke Lobby der Naturschutzverbände. „Wir Tierhalter werden dagegen weniger stark von der Politik wahrgenommen“, moniert Braun im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sprach sich zudem dafür aus, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen, wohlwissend, dass es sich um ein heikles und emotional stark aufgeladenes Thema handele.

Dialog suchen

Generell sei ihm wichtig, den Austausch und Dialog mit den Bürgern, Politik und Umweltschützern zu suchen. Auch will er sich für eine Umkehr der Beweislast beim Nachweis von Wolfsrissen für Entschädigungszahlungen einsetzen, damit der Tierhalter nicht auf den Kosten sitzenbleibt, sollte dieser auf eine DNA-Analyse bestehen.

Schutzmaßnahmen greifen

„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf bei uns ankommt“, betont auch Michael Schott von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe. Der Lörracher ist für die Region Baden-Württemberg Süd verantwortlich. Er weiß, dass Tierhalter Leidtragende sind. Diese kämen in Bedrängnis, denn das Raubtier könne nun einmal nicht zwischen Wild- und Nutztier unterscheiden.

Allerdings gebe es Schutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe. Während Braun diese als ineffektiv bezeichnet, sieht Schott in den rund ein Meter hohen Schutzzäunen und eigens ausgebildeten Herdenschutzhunden gut geeignete Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Die Anschaffung solcher Hunde ist allerdings teuer, nennt der Experte eine Preisspanne von bis zu 5000 Euro pro Tier. Die Züchter würden die Preise leider aufgrund der Landesförderung in die Höhe schrauben. In Sachen Jagdrecht erteilt Schott der Forderung Brauns eine klare Absage.

Wolf ist streng geschützt

„Das Tier ist europaweit streng geschützt, außerdem kommt eine Aufnahme ins Jagdrecht einem Freibrief gleich.“ Generell gilt: Im Einzelfall sind Ausnahmen möglich. Dies ist ebenfalls im Bundesnaturschutzgesetz geregelt, allerdings dürfen die Bundesländer keine von den internationalen und nationalen Vorgaben abweichende Regelungen erlassen, wie es in einer Informationsschrift des Umweltministeriums heißt.

Die Gefahr, die vom Wolf ausgehe, sei verschwindend gering, allerdings dürfe man nicht vergessen, dass es sich um ein Raubtier handelt, sagt Schott. „Die Tiere können eine Bedrohung darstellen, wenn sie angefüttert wurden und ungeduldig auf Nahrung wartend Wanderern nachstellen.“ Generell sieht Schott Aufklärungsbedarf: Gemeinsam mit Nutztierhaltern, der Landesregierung und der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe sollte ein Konzept auf die Beine gestellt werden, um die noch verbreiteten Ängste abzubauen, welche nicht unter den Teppich gekehrt werden dürften.

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