Kreis Lörrach Deutschland zum Darüberlaufen

Die Oberbadische, 16.07.2017 23:05 Uhr

Geodäsie? Darunter können sich nur die wenigsten etwas vorstellen. Plastisch dargestellt – als Städtesuchspiel und Vermessungsparcours – lockte eine Deutschlandkarte auf dem Alten Markt in Lörrach zahlreiche Interessierte an. Bei der ersten bundesweiten Aktionswoche sollten vor allem junge Leute für den Beruf gewonnen werden, doch die schliefen am Samstag wohl lieber aus.

Von Martina Proprenter

Kreis Lörrach. Im Maßstab 1:70 000 war auf dem Alten Marktplatz der Umriss Deutschlands auf den Boden geklebt. Schon von weitem informierten Schilder, dass hier vermessen wird. Wer Lust hatte, bekam einen Satellitenempfänger in die Hand und konnte versuchen, eine Stadt auf dem begehbaren Umriss zu bestimmen.

Die richtigen Orte zu finden, erwies sich dabei als gar nicht so leicht. „München“ suchte etwa der neunjährige Meriton und lag ziemlich weit daneben, auch sein Vater konnte nicht weiterhelfen. Spaß hatten sie trotzdem beide.

Rund 80 Prozent der gesuchten Orte waren solche mit Bundesligavereinen, erzählt Rolf-Dieter Rausch. Am häufigsten wurde Berlin gesucht und auch gefunden. Als Ausbildungsbeauftragter des Fachbereichs Vermessung und Geoinformation des Landratsamts Lörrach hatte er eigentlich auf mehr Jugendliche gehofft. Gekommen waren am Morgen aber vor allem Ältere und Eltern, erzählte er. „Den Jugendlichen war es wohl einfach zu früh“, lachte er. Über den Ausbildungsberuf informieren konnte er aber dennoch, denn oft seien die Eltern diejenigen, die einen Schubs in die Berufsrichtung geben, sei es für ein Bogy oder Praktikum. Ab Herbst sollen zudem Seniorbotschafter an Schulen entsandt werden. Falls die Schulleiter zustimmen, sollen dann fertig ausgebildete Vermesser an Elternabenden vom vielfältigen Beruf erzählen. Beeindruckt war Rausch von den guten Geografiekenntnissen der Teilnehmer. Die meisten lagen nur rund 20 Zentimeter daneben, umgerechnet rund 50 Kilometer vom Zielort entfernt. 50 Städte hatte der Fachbereich in einem Programm hinterlegt, das die Bestimmung mittels Satellit am Samstag ermöglichte.

Neben dem reinen Spaß am Suchen informierte der Fachbereich – der aus 35 Personen besteht – auch über die Geodäsie selbst. Diese Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche wird etwa zur Navigation, Landentwicklung, dem Städtebau oder der Kartografie genutzt. Ein Beruf, der durchaus prestigeträchtig sein kann: So ist der höchste Berg der Welt, der Mount Everest, nach dem britischen Landvermesser George Everest benannt. Auch Extrembergsteiger Reinhold Messner sei Vermesser, schreibt das Landratsamt in einer Pressemitteilung zur Aktionswoche. Unter dem Motto „Faszination Erde – Deine Zukunft“ läuft diese noch bis Freitag bundesweit.