Kreis Lörrach Die Folgen sind dramatisch

Der Klimawandel stellt Landwirte im Kreis Lörrach vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Im Rahmen einer Pressefahrt zum Hof von Jörg Kuttler in Schwand zeigte sich, wie dramatisch die Folgen trockener Hitzesommer für Forst- und Landwirtschaft schon jetzt sind.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. „Der Klimawandel ist ein ganz großes Problem, insbesondere was den Wald angeht“, betonte Senior-Landwirt Werner Kuttler im Gespräch mit Medienvertretern, Landrätin Marion Dammann, dem Dezernenten für ländlichen Raum, Michael Kauffmann, und Revierleiter Joachim Trautwein.

Der Hitzesommer von 2018, dessen Folgen immer noch spürbar sind, hat dazu geführt, dass Kuttler den Viehbestand um zehn Kühe reduzieren und Futtermittel zukaufen musste, weil die eigene Grünlandbewirtschaftung nicht die erforderliche Menge brachte. „Der Mais-Zukauf ist kostspielig, sollte das Wetter jedes Jahr so heiß und trocken sein, lohnt sich der Betrieb im Haupterwerb für viele Landwirte nicht mehr“, machte er auf die möglichen Folgen des Klimawandels aufmerksam. Zum Glück sei die Wetterlage dieses Jahr etwas besser, ergänzte Kuttler.

Landkreis war stark betroffen

Der Landkreis war vergangenes Jahr von der anhaltenden Trockenheit stark betroffen, wie es seitens des Landratsamts heißt. Bis auf Produkte, die bis Ende Juni 2018 geerntet werden konnten, waren sämtliche landwirtschaftliche Kulturen betroffen, wobei es teils zu erheblichen Ertragsminderungen und Totalausfällen, zum Beispiel bei Heu und Grassillage, kam. Besonders betroffen waren laut Kauffmann Milchviehbetriebe.

„Die Situation führte zu Liquiditätsengpässen und Schwierigkeiten für die Betriebe“, so der Dezernent, der auch an die von Bund und Land aufgelegte „Dürrehilfe 2018“ erinnerte. Heimische Landwirte profitierten aber bis auf vier Betriebe nicht vom 340 Millionen Euro schweren Förderprogramm, monierte Kuttler. Der Nachweis der Schäden wie auch die einzureichenden Unterlagen seien für viele Landwirte sehr aufwendig gewesen, außerdem seien hiesige Strukturen nicht berücksichtigt worden. Insgesamt kamen 64 000 Euro Zuschüsse als Beihilfen zur Auszahlung. Und: Kuttler hätte gerne gesehen, dass die Landesregierung nach dem Vorbild Bayerns ein Drittel der Kosten des zugekauften Futters für die Landwirte übernommen hätte, was aber nicht geschah.

Für 2019 macht sich die Trockenheit des vergangenen Jahres immer noch bemerkbar, erklärte Kauffmann. Die Niederschlagsdefizite wurden noch nicht ausgeglichen, außerdem führen Bäche und Quellen immer noch wenig Wasser, ergänzte der Landwirt.

Klimabedingte Waldschäden

Auch die Waldwirtschaft bekommt die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Bäume leiden regelmäßig unter Wassermangel. Fichten, aber auch zunehmend im Trockenstress stehende Tannen, Kiefern und Lärchen, sind den Angriffen einer riesigen Anzahl von Borkenkäfern ausgesetzt. Aber auch Buchen, Eschen und Ahorne weisen wegen der Dürre im vergangenen Sommer vielerorts deutliche Krankheitssymptome auf. Hinzu kommen vermehrt extreme Stürme wie Lothar im Jahr 1999, der mehr als 60 000 Hektar zerstörten Wald hinterließ.

Anders als damals fällt qualitätsgemindertes Sturm, Dürr- und Käferholz nicht mehr regional begrenzt, sondern in allen Ländern und Regionen Europas an, weshalb heimische Landwirte kaum mehr eine Möglichkeit hätten, jenes Holz im Fernabsatz zu vermarkten, verdeutlichte Revierleiter Joachim Trautwein. Der Holzmarkt werde mit Schadholz regelrecht „überschwemmt, was zu sinkenden Preisen führe.

Gemeinden müssen Einbußen hinnehmen

Gibt es für den Festmeter Holz (FM) im Normalfall 90 Euro, so sind es für Schadholz nur 25 bis 35 Euro. Allein im vergangenen Jahr zählte der Landkreis 56 000 FM Schadholz und 80 000 FM Käferholz. Dieses Jahr dürfte die Menge laut Trautwein noch höher ausfallen. „Wir kommen kaum nach, das Käferholz aus dem Wald zu holen“, verweist der Revierleiter auf den hohen Arbeitsaufwand für die Waldarbeiter. „Das ist eine Belastung für die Beschäftigten.“ Erschwerend kommt hinzu: Die bewährte Strategie zur Bekämpfung der Schädlings-Ausbreitung stößt wegen des Überangebots an Holz an ihre Grenzen. Ein schneller Einschlag und der Abtransport in holzverarbeitende Betriebe, bevor die Borkenkäfer ausfliegen, gelingt mittlerweile nicht mehr.

Das ist nicht nur für Privatwaldbesitzer von Nachteil. Auch Gemeinden im Kreis Lörrach, die insgesamt mehr als 20 000 Hektar Wald besitzen, müssen finanzielle Einbußen hinnehmen. „Das macht sich in den Haushalten deutlich bemerkbar“, so Kauffmann. Unter dem Strich muss der Kreis im Gesamtwald (Privat und Gemeinden) für das vergangene Jahr einen Verlust von 9,8 Millionen Euro verbuchen.

Jäger und Waldbesitzer müssen zusammenarbeiten

Dass Aufforstung, zum Beispiel mit Weißtanne oder der widerstandsfähigen Douglasie, mit Herausforderungen verbunden ist, zeigte Waldbesitzer Kuttler vor Ort. So müssen junge Bäume vor Verbiss durch Tiere geschützt werden –­ zum einen durch Zäune und Plastikklammern, zum anderen durch die Jägerschaft. „Jäger und Waldbesitzer müssen zusammenarbeiten, sonst gelingt es nicht“, verwies Kuttler auf anfängliche Schwierigkeiten mit den Jägern.

Bäume müssen widerstandsfähig sein

Was es brauche, um dem Klimawandel wirkungsvoll zu begegnen, sei ein Mischwald, sagte Kuttler. Dabei setzen er und sein Sohn Jörg, der den Hof übernommen hat, neben Buche, Lerche, Ahorn und Fichte auf die widerstandsfähige und schnell wachsende Douglasie. Die Baumart kommt ursprünglich aus Kanada und Nordamerika und fand vor rund 100 Jahren über England den Weg in den Schwarzwald. Laut Kauffmann stößt die Verbreitung der Douglasie als nicht heimischer Baum bei Naturschützern auf Ablehnung. Alternativen wie die Eiche seien aber teuer, und der Ertrag setze vergleichsweise spät ein. Bei der klimastabilen Um- und Wiederaufbau des Waldes sei es unerlässlich, nicht nur seine Schutz- und Erholungsfunktion sowie seine Biodiversität zu sichern, sondern zugleich auch für das nachhaltige Wachstum möglichst großer Holzmengen zu sorgen. Klar sei, dass sich das Erscheinungsbild des Waldes langfristig ändern werde. Über Art und Weise müsse nun intensiv diskutiert werden, sagte Landrätin Marion Dam­mann. Dabei gelte es, Betroffene sowie Bund und Land an einen Tisch zu bringen. Auch brauche es eine Strategie, um dem Klimawandel wirkungsvoll begegnen zu können, verwies sie auf das im vergangenen Jahr vom Kreistag verabschiedete Klimaschutzkonzept.

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