Kreis Lörrach Die Komfortzone verlassen

Beim Wanderprojekt „Raus aus dem Alltag“ erfahren Mädchen, wie es ist, ohne Mobiltelefon, Internet oder Auto auszukommen. Sie sollen etwas aus eigener Kraft bewältigen, und ihre Grenzen austesten können. Dies hilft den eigenen Selbstwert und das Zutrauen in sich selbst zu stärken. Das Projekt des Diakonischen Werks im Landrkeis Lörrach wird von der Aktion „Leser helfen Not leidenden Menschen“ unterstützt.

Kreis Lörrach. Das dreitägige Wanderprojekt für Mädchen der fünften bis siebten Klasse der Wiesentalschule Maulburg und ihrem Kooperationspartner wird von den Schulsozialarbeiterinnen Katharina Hummelbrumm und Nadja Braun organisiert und durchgeführt und soll auch im kommenden Sommer wieder stattfinden.

Die Jahre zuvor ging es zweimal über Fernwanderwege im Schwarzwald und einmal in die schweizerisch-italienischen Alpen.

„Raus aus dem Alltag“ sind in diesem Jahr sehr viele Menschen. Der Schulalltag ist aufgrund der Corona-Pandemie völlig anders und auch das Berufsleben läuft bei einigen nicht mehr so wie vor dieser Krise. Das machte sich bereits bei der Planung der diesjährigen Wanderung bemerkbar.

Ursprünglich war geplant, dass die Gemeinschaftsschülerinnen aus Maulburg zusamen mit Schülerinnen des Scheffelgymnasiums Bad Säckingen wandern. Alles war bereits geplant und die Unterkünfte schon gebucht als der Lockdown kommt.

Die Unterkünfte sagen ab und die Corona-Verordnung verhindert, dass die Schülerinnen aus beiden Schulen gemeinsam wandern. Am Ende werden aus der dreitägigen Tour mit Übernachtung zwei Tageswanderungen, nur für die Schülerinnen der Wiesentalschule.

Erster Wandertag

Zunächst geht es morgens um 8 Uhr mit Autos von der Wiesentalschule Maulburg bis zum Haldenhof, wo der rund 13 Kilometer Haldenhof-Rundweg auf die Schülerinnen wartet. Die Wege sind abwechslungsreich und reichen von breiten Wanderwegen bis hin zu steilen, schmalen Trampelpfaden. Manche Mädchen sind das Wandern solch langer Strecken abseits breiter Wege und Straßen nicht gewohnt. So gibt es schon die ein oder andere Herausforderung, die aber sehr gut gemeistert wird. Kurz vor Ende führt der Weg am Nonnenmattweiher vorbei. Dort angekommen, haben die Kinder die Möglichkeit mit den Füßen ins Wasser zu gehen und sich zu erfrischen. Weil das Wetter und das Wasser besser sind als erwartet, sind die Mädchen etwas enttäuscht, dass sie keine Badesachen dabeihaben. Nach einer Gruppenbesprechung entscheiden wir, für den nächsten Tag umzuplanen und wieder zu einem See zu wandern, sodass sie diese Gelegenheit wahrnehmen können.

Während der Wanderung gibt es innerhalb der Gruppe einen regen Austausch zu privaten und schulischen Themen, sowohl unter den Kindern als auch mit den Schulsozialarbeiterinnen.

Zweiter Wandertag

Am zweiten Tag geht es mit dem Auto nach Feldberg. Wo eine knapp 17 Kilometer lange Rundwanderung ansteht. Von dort aus wandern die Mädchen über den „Felsenweg“ am Raimartihof vorbei nach Bärenthal und weiter zum Windgfällweiher.

Diese Wanderung bringt die Mädchen deutlich mehr an ihre Grenzen als am Tag zuvor. Dennoch bleibt die Stimmung gut und alle motivieren sich gegenseitig durchzuhalten. Am Ende lockt der Besuch des Strandbades am Windgfällweiher.

Nach einem stärkenden Eis und einem erfrischenden Bad geht es dann zu Fuß und schließlich mit Bahn und Bus wieder zurück auf den Feldberg.

Fazit

„Wir machen die Erfahrung, dass diese Wanderungen in den Mädchen etwas verändern. Beim Wandern, vor allem wenn es mehrere Tage sind, müssen sie sich immer wieder überwinden und ihre Komfortzone verlassen. Für fast alle Teilnehmerinnen kommt irgendwann der Moment, an dem sie das Gefühl haben, aufgeben zu wollen. Aber bisher kämpften alle weiter. Manchmal fließen Tränen, aber letztlich schaffen sie es. Wenn sie dann abends in der Hütte ankommen oder (wie in diesem Jahr) zu Hause, sind sie ganz stolz auf das, was sie geschafft haben und die Schmerzen sind bald vergessen. Sie lernen, dass sie mehr können als sie glauben, mehr aushalten als sie denken und dass es sich lohnt für ein Ziel zu kämpfen. Diese Erfahrung lässt uns jedes Jahr aufs Neue nach passenden Routen suchen, die wir mit den Mädchen wandern wollen“, berichten Braun und Hummelbrumm.

Der Charakter der diesjährigen Wanderung sei durch die Unterbrechung, in der die Mädchen den Abend und die Nacht zu Hause verbringen, und durch die Kürze deutlich anders als in den Vorjahren, ergänzen sie. Die Gruppe benötigt nach den Erfahrungen der letzten Jahre zwei bis drei Tage, um richtig zusammenzuwachsen. Zudem ist die Zeit, die alle bei gemeinsamen Mahlzeiten und mit der Gemeinschaft am Abend verbringen, sehr entscheidend und schweißt zusammen.

„Dennoch war es auch in diesem Jahr ein gelungenes Projekt. Es war das Beste, das unter den gegebenen Bedingungen möglich war“, betonen die Sozialarbeiterinnen und hoffen, das Projekt im Jahr 2021 wieder im gewohnten Rahmen durchführen zu können.

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