Kreis Lörrach Ein Beispiel soll Schule machen

Marianne Rittner
Luca Bothe vom Jobcenter Lörrach (von links), der Lörracher Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann, Kateryna Habonova in den Landesfarben der Ukraine, Anja Brutschin vom Landratsamt und Horst Eckert, Leiter der Agentur für Arbeit Lörrach Foto: Marianne Rittner

Mit einem positiven Beispiel möchte die Arbeitsagentur Lörrach das gesellschaftspolitische Interesse an der Integration in den Arbeitsmarkt auf lokaler Ebene erläutern und die eigenen Aktivitäten vor Ort sichtbar machen.

Der Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen am 20. Juni soll auf die Belange der steigenden Zahl an Flüchtlingen weltweit aufmerksam machen. Für Horst Eckert, Leiter der Lörracher Agentur für Arbeit, stellt das internationale Gedenken einen angemessenen Kontext dar, um Menschen mit Fluchthintergrund in der Region in den Fokus zu nehmen und zu zeigen, wie gute Integration in den Arbeitsmarkt gelingen kann. So begründete er das Engagement seiner Behörde bei einem Pressegespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Christoph Hoffmann (FDP) und Luca Bothe, Projektkoordinator „Job-Turbo“ vom Jobcenter Lörrach.

Mit der Integration von Geflüchteten aus der Ukraine wuchs das Aufgabenfeld der lokalen Jobcenter um einen eigenen Arbeitsbereich, der, wie sich mittlerweile gezeigt hat, ganz spezielle Anforderungen stellt. Anhand eines gelungenen Beispiels gab Luca Bothe einen Einblick in die Tätigkeiten vor Ort und verdeutlichte anschaulich Probleme bei der Arbeitsmarktintegration. Das Jobcenter Lörrach konnte Ende 2023 eine Ukrainerin erfolgreich zum Landratsamt Lörrach vermitteln.

Erfolgreiches Beispiel

Kateryna Habonova ist seit zwei Jahren in Deutschland. Sie arbeitete in der Ukraine als Ingenieurin bei der Bahn und lebte mit ihrer Familie in ihrem Heimatort nahe der russischen Grenze. Sie hatte bereits einen Bürojob, weshalb das Jobcenter sie hier erfolgreich in ein Praktikum im Landratsamt Lörrach vermitteln konnte. Da Habonova sich sofort nach Ankunft in Deutschland um ihren Spracherwerb bemüht hatte, stellte die Sprache nicht mehr die größte Hürde dar. Doch die Arbeit im Team Ausbildungsförderung und Wohngeld war ein völlig neues Sachgebiet für die 39-jährige, wie Teamleiterin Anja Brutschin erklärt. Die strebsame junge Frau habe von vornherein eine extrem hohe Motivation gezeigt und könne heute bereits selbstständig den Mailverkehr bearbeiten, Anträge zuordnen und in den Kundenkontakt gehen. Die Arbeit im Team erfordere hohe Flexibilität, da es keine festen Zuständigkeiten gibt, doch Habonova meistere alle Herausforderungen mit Selbstbewusstsein und großem Lerneifer. Hinzu kommt für Brutschin, dass die zweifache Mutter „ins Team passt“. Das sei für sie ausschlaggebend gewesen, um sie als Unterstützungskraft einzustellen. Der finanzielle Ausgleich habe sie an keiner Stelle in ihrer Entscheidung beeinflusst. Brutschin hofft, dass sie ihre neue Kollegin zukünftig im Team behalten kann und ihre Leistungen anerkannt werden, sodass sie ihr eine Arbeitsstelle bieten kann.

In ihrer Community wirbt Habonova offen dafür, dass andere Geflüchtete ihrem Beispiel folgen und sich um eine Eingliederung bemühen, auch wenn es Opfer verlangt, da Abschlüsse nicht anerkannt werden und das Arbeitsgebiet ein anderes ist oder da Ängste vor Verlust des Anspruchs auf staatliche Leistungen bestehen. „Solche Ängste, die bewusst geschürt werden, aber völlig unbegründet sind, müssen wir überwinden“, sagt Bothe. „Wir müssen Hürden auf beiden Seiten gleichermaßen abbauen, positive Beispiele, die in die Community ausstrahlen, sind sehr wichtig“, ist sich Eckert sicher. „Es braucht Mut von beiden Seiten.“

Probleme am Arbeitsmarkt

„Anfangs herrschte im Bund große Unsicherheit“, gesteht Hoffmann, aber man habe aus Fehlern gelernt und die notwendigen Weichen gestellt, um Menschen wie Habonova die Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Die Integration der Geflüchteten aus der Ukraine ist eine bundespolitische Aufgabe, aber es sei wichtig, Rückmeldungen der Betroffenen vor Ort zu bekommen, um besser werden zu können. Ein Problem sei nach wie vor , dass die Anerkennung ausländischer Abschlüsse in Deutschland mit rund 18 Monaten sehr lange dauert, berichtet Bode von den Problemen mit denen seine Behörde täglich konfrontiert ist.

Habonova arbeitet nun seit gut sieben Monaten im Landratsamt und ist glücklich darüber, eine geregelte Tagesstruktur zu haben. Sie hofft, eines Tages wieder zu ihrem Mann zurückkehren zu können, der heute als Soldat in der Ukraine kämpft. Bis es soweit ist, leistet sie heute ihren Beitrag für die Ukraine hier vor Ort.

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