Kreis Lörrach Erste Hürden souverän überwinden

Die Migrationsberater im Landkreis Lörrach informierten anhand konkreter Fälle über ihre Arbeit (v.l.): Thomas Mainx, Martin Holz, Silvia Frank, Stefanie Jammeh und Melinda Winter. Foto: Nils Straßel

Kreis Lörrach - Zum 15-jährigen Bestehen der bundesweiten Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) haben die Funktionäre der ausführenden Wohlfahrtsverbände des Landkreises zum Pressegespräch nach Lörrach eingeladen. Berater von Diakonie, Caritas und Deutschem Roten Kreuz (DRK) zeigten an Fallbeispielen, wie die MBE ausländischen Menschen durch die schweren Übergangsphasen des Immigrationsprozesses hilft.

„Vor dem Jahr 2005 gab es überhaupt keine geförderten Angebote wie Sprachkurse oder juristische Beratung für Zuwanderer. Diese wurden völlig sich selbst überlassen“, berichtet Sozialpädagogin Stefanie Jammeh vom Diakonischen Werk im Landkreis Lörrach. Mittlerweile könnten Ausländer über 27 Jahren, die nach Deutschland ziehen wollen oder bereits gezogen sind, bundesweit Hilfe bei knapp 1500 Beratungsstellen der MBE erhalten. Nach Aussage der Berater werden im Landkreis Lörrach jährlich etwa 600 Fälle behandelt.

Soziale Ebene spielt bei Beratung große Rolle

„Wie in den meisten Berufen, die hauptsächlich mit Menschen zu tun haben, spielt die soziale Ebene bei der Migrationsberatung eine wichtige Rolle. Unsere Kunden sind oft alleine im Land und stehen wegen ihrer Situation unter großem Stress“, erklärte Diakonie-Mitarbeiterin Silvia Frank. Wo früher mit persönlichen Treffen an den Beratungsstellen Abhilfe geschaffen werden konnte, lief der Kundenkontakt aufgrund der Corona-Pandemie telefonisch oder digital.

Dabei besonders hilfreich – vor allem auch für die Überwindung von Sprachbarrieren – sei die programmeigene App der Migrationsberatung namens „mbeon“ gewesen. In 25 Sprachen verfügbar, sei sie ein optimaler Weg für Zuwanderer, um Kontakt mit den zuständigen Beratungsstellen aufzunehmen und Dokumente auszutauschen. Mittlerweile sei es allerdings wieder möglich, Ratsuchende, falls nötig, zu persönlichen Terminen zu empfangen, sagte Jammeh.

Die MBE wird aus dem Bundeshaushalt über das Bundesinnenministerium gefördert. Die lokalen Wohlfahrtsverbände werden vom Bund für die Beratung beauftragt und bieten die Kompetenzen durch professionell ausgebildete Mitarbeiter an. In erster Linie werden bei der MBE nicht Geflüchtete, sondern Zuwanderer aus anderen Gründen, wie Heirat, Beruf oder Studium beraten, betonte Frank.

Konkrete Fallbeispiele verdeutlichen Hilfsangebot

An Fallbeispielen verschiedener Klienten des vergangenen Jahres demonstrierten die MBE-Mitarbeiter, wie unterschiedlich die Prozesse einer solchen Beratung sein können.

Thomas Mainx vom DRK berichtete von einer 15-jährigen Ostafrikanerin, die im Januar als Au-pair im Landkreis Lörrach arbeitete. Beim durch die Corona-Pandemie über Monate in die Länge gezogenen Anerkennungsprozess ihrer Berufsausbildung fungierte Mainx als Brücke zwischen der Dame und den Behörden und konnte somit eine drohende Ausweisung zum Mai verhindern, bevor das Aufenthaltsrecht der Frau abgelaufen wäre.

Eine für die Migrationsberatung typische Hilfestellung, die laut Mainx auch hier gegeben wurde, ist das Erstellen von anerkannten Übersetzungen offizieller Dokumente aus dem Heimatland der Zuwanderer.

Jammeh stellte einen weiteren Fall einer Frau aus dem ehemaligen Jugoslawien vor, die aufgrund persönlicher Umstände im September des vergangenen Jahres mit vier Kindern aus Schweden einreist war. Da zwei ihrer Kinder wegen ihrer schwedischen Staatsangehörigkeit EU-Bürger sind, hatte die Frau Zugang zu Sozialleistungen, wenn sie einer Arbeit nachging.

Nachdem sie ihre Stelle jedoch kurzfristig wegen Corona verlor, sah sich die Familie laut Jammeh mit Existenzängsten konfrontiert und stand kurz davor, nach Schweden zurückzureisen.

Die MBE hat die Frau daraufhin mithilfe von Anwälten über ihre Rechte beraten und bei der Antragsstellung für Sozialleistungen unterstützt, sodass die Situation gemeistert werden konnte. Nach Aussage von Jammeh hat die Frau heute eine Arbeit, ihr Ehemann ist nachgereist, und die Kinder können in Deutschland zur Schule gehen.

Der Countdown läuft! Jetzt bis zum Jahresende gratis lesen. Schnell HIER anfordern.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Corona-Regeln

Die Corona-Infektionszahlen steigen wieder an. Werden Sie Ihre Aktivitäten jetzt wieder verstärkt einschränken und persönliche Kontakte vermeiden?

Ergebnis anzeigen
loading