Kreis Lörrach Es kommen weniger Patienten

Die Kliniken des Landkreises Lörrach – hier das Lörracher Kreisklinikum – schließen die Corona-Jahre 2020 und 2021 mit einem Millionendefizit ab. Foto: Michael Werndorff

Die Kliniken des Landkreises Lörrach und das „Eli“ werden die Jahre 2020 und 2021 voraussichtlich mit einem Defizit von etwa acht Millionen Euro abschließen. Hauptgrund dafür ist die nach wie vor schlechte Auslastung. Bisher aber kann das Defizit noch durch Rücklagen aus den vergangenen Jahren aufgefangen werden.

Von Adrian Steineck

Kreis Lörrach. Das Defizit allein für das Jahr 2020 wird sich auf zwölf bis 13 Millionen Euro belaufen, bestätigt Armin Müller, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Kreiskliniken, auf Nachfrage entsprechende Informationen, die unserer Zeitung vorliegen. Auch für das Jahr 2021 zeichnet sich ein Verlust ab, wobei Müller zu bedenken gibt, dass das Jahresergebnis hier vorerst nur abgeschätzt werden kann. Er wird das Zahlenwerk am Mittwoch auch in der Sitzung des Verwaltungsausschusses präsentieren.

Weniger Patienten

Die Zahl der Patienten ist in den Jahren 2020 und 2021 deutlich zurückgegangen. Vor allem im „Eli“, wo es anders als im Lörracher Kreisklinikum keine Corona-Station gibt, macht sich das bemerkbar. „Die Infektionskrankheiten bei Kindern sind stark zurückgegangen, und auch eine Grippewelle gab es im vergangenen Jahr nicht“, legt der Geschäftsführer im Gespräch mit unserer Zeitung mit Blick auf die Maskenpflicht dar.

Überschuss durch Bundesgelder

Aufgrund von Bundesgeldern konnte für das Jahr 2020 noch ein Überschuss erzielt werden. Rund 17 Millionen Euro gab es als Corona-Ausgleich; dadurch hat die Klinik-GmbH im vergangenen Jahr einen Gewinn von 3,8 Millionen Euro erzielt. Deutlich übertroffen wurden damit die Überschüsse aus den Jahren 2018 (812 000 Euro) und 2019 (1,3 Millionen Euro). Auch das St. Elisabethenkrankenhaus, das von einer Tochter-GmbH der Kliniken des Landkreises Lörrach verwaltet wird, hat im Jahr 2020 einen Gewinn von einer Million Euro erzielt.

Es droht ein Rekordverlust

Die Prognosen für das laufende Jahr weisen aber auf einen Rekordverlust hin. Die laufenden Prognosen gehen laut aktueller Hochrechnungen von einem Verlust zwischen neun und zehn Millionen Euro aus. Auch für das St. Elisabethenkrankenhaus wird sich der Verlust wohl auf etwa drei Millionen Euro belaufen. Einschließlich der Gewinne aus dem Vorjahr droht für die beiden Corona-Jahre 2020 und 2021 Kreiskliniken und „Eli“ also ein Verlust von acht bis neun Millionen Euro.

Müller weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es stets oberste Prämisse der Kreiskliniken-GmbH gewesen ist, das Personal zu behalten. „Wenn man wie wir bei gleichem Personal weniger Einnahmen erzielt, dann hat man einen Verlust“, betont er. „Das ist natürlich eine Taktik, die man nicht ewig fahren kann, aber bisher können wir die Verluste noch durch unsere Rücklagen auffangen.“ Um ein Bild aus dem Gesundheitswesen zu bemühen: „Die Kreiskliniken-GmbH hat einen Schnupfen gekriegt, dieser ist aber nur gefährlich, wenn weitere Krankheiten hinzu kommen.“

Auch Honorarkräfte wirken sich aus

Neben dem Rückgang der Fallzahlen, für die die Kreiskliniken von den Krankenkassen eine pauschale Vergütung erhalten (2019: 22 500; 2020: 17 900; 2021: voraussichtlich 15 000), spielen auch die Kosten für Honorarkräfte in der Pflege eine Rolle. Diese müssen deshalb verstärkt eingesetzt werden, weil der Pflegeschlüssel gesenkt wurde. Während eine Pflegekraft früher rechnerisch auf 15 Patienten kam, sind es heute noch zehn. Die Kliniken erhalten die tatsächlichen Pflegekosten zwar erstattet – allerdings nur bei eigenen Pflegekräften, nicht bei Beschäftigten auf Honorarbasis.

Müller geht für das Jahr 2022 davon aus, dass sich die Situation im Gesundheitswesen durch den Rückgang von Corona-Patienten weiter normalisiert. Zugleich aber werde der Krankenhausbereich sicherlich zum letzten Lebensbereich gehören, in dem die Lockerung der Corona-Auflagen sich auswirkt. Das Klinikpersonal werde weiterhin viel zu schultern haben, sagt er.

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