Kreis Lörrach Friseure müssen weiter ausharren

Obwohl Friseurbetriebe strenge Hygieneregeln einhalten mussten, sind sie seit 16. Dezember vom Lockdown betroffen. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - „Du hast die Haare schön“, skandierte einst Tim Toupet in einem seiner bekannten Partylieder. Für Peter Hauth, den Obermeister der Friseur-Innung im Landkreis Lörrach, klingt dieser Schlager des „singenden Friseurs vom Ballermann“ derzeit fast wie Hohn.

„Wie soll das jetzt noch gehen?“, fragt er achselzuckend. Seit 16. Dezember liegen Scheren, Kämme und Lockenstäbe auf den Tischen, die Salons sind geschlossen. Lockdown-bedingt dürfen die Friseure bundesweit derzeit keinen Schnitt machen. Es gilt buchstäblich ein strenger „Cutdown“.

Die Lage sei sehr ernst und prekär, beschreibt der Obermeister die aktuelle Situation der rund 180 Betriebe im Landkreis. Bereits die erste Schließung infolge der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 habe die Branche hart getroffen, doch jetzt befürchtet er schlimmere Folgen.

„Viele Friseure haben Angst, es gehen große Existenzsorgen um“, macht er deutlich. Und wenn der Lockdown noch über den 1. Februar verlängert werde und das damit verbundene Öffnungsverbot der Friseurläden noch länger andauere – was von der Politik schon für weitere acht bis zehn Wochen kolportiert werde –, dann sieht er zahlreiche Geschäftsaufgaben auf die Innung zukommen. „Viele Betriebe sind schon jetzt am Limit, vieles ist auf Kante genäht“, weiß er aus zahlreichen Gesprächen in den vergangenen Wochen.

Warten auf Hilfsgelder

Vollmundig seien zwar die Versprechen der Politiker ausgefallen, was Unterstützung vom Staat betrifft, doch die meisten Geschäftsinhaber warteten noch immer auf Hilfsgelder. „Wenn überhaupt, gab es nur Abschlagszahlungen“, ärgert sich Hauth. Zudem hielten sich die Banken bei etwaigen Überbrückungsdarlehen ziemlich zurück. „Ob alle Geschäfte die Krise überstehen, wage ich zu bezweifeln“, befürchtet der Obermeister.

Was er nicht versteht, ist eine gewisse Ungleichbehandlung im Bereich der Dienstleistungen. Ein medizinischer Fußpfleger oder auch ein Physiotherapeut dürfe weiterhin arbeiten, einem Friseur sei dies aber untersagt. „Die sind bei ihrer Tätigkeit genauso nah dran an den Kunden wie wir“, macht er geltend.

Was für die Friseurbranche lediglich bleibe: „Abwarten und Ausharren“, äußert sich Hauth frustriert. Dabei sei aus zuverlässigen Gesamtverbandsquellen bekannt, dass es bisher im Bereich des Friseurhandwerks zu keinerlei Ansteckungen während des Besuchs in den Salons gekommen sei. Stets seien die Corona-Verordnungen und Hygieneregeln eingehalten worden, und es wurde im Schichtbetrieb gekrampft. „In den Salons wurde alles getan, um Ansteckungen zu vermeiden und ein hohes Maß an Sicherheit zu garantieren“, betont er.

Zudem sehe er im Fernseher ständig gut und frisch gestylte Fußballer, aber auch jede Menge Politiker. „Wie ist das möglich, wo jetzt doch alle Friseurläden geschlossen und auch Hausbesuche bei den Kunden eigentlich nicht erlaubt sind?“, fragt er sich.

Er vermute daher einen gewissen Grad an Schwarzarbeit. Beim Auffliegen drohten hohe Strafen. Schwarzarbeit sei das Letzte, was die Branche jetzt vertragen könne. Durch den Lockdown werde sie aber geradezu gefördert. Froh ist Hauth, dass der Friseur-Bundesverband eine Kampagne gestartet hat, um auf das haarsträubende Dilemma verstärkt aufmerksam zu machen.

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