Kreis Lörrach Fuchsjagd für den Artenschutz?

Kreis Lörrach - Die Jagd spaltet nicht selten die Gemüter. Derzeit ist es die Fuchsjagd, welche Tierschutzorganisationen auf den Plan ruft. „Peta“ erkennt ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und fordert laut einer Medienmitteilung von gestern ein Verbot der Fuchsjagd in Baden-Württemberg.

Die Tage um den Vollmond im Januar werden in vielen Revieren für die Bejagung des Rotfuchses genutzt. „Bundesweit werden jährlich mehr als 400 000 Füchse durch Jäger getötet, allein in Baden-Württemberg sind es etwa 47 800 Tiere.

Laut Peta jährlich mehr als 400 000 Füchse durch Jäger getötet

Viele von ihnen sterben einen langsamen Tod durch Fehlschüsse oder bei der grausamen Fallenjagd“, lässt sich Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei Peta, in einer Mitteilung von gestern zitieren, die sich auf die im Hegering Rebland stattfindende Fuchsjagd bezieht.

Es gebe keinen Grund, die nützlichen Tiere zu töten, meint Michler. Und weiter: „Die Politik muss endlich handeln.“

"Es gibt keinen Grund, die nützlichen Tiere zu töten"

Füchse dienten den Hobbyjägern hauptsächlich als lebendige Zielscheibe, denn weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht bestehe ein Grund für die massenhafte Bejagung der Beutegreifer, schreibt die Tierschutzorganisation.

Die zum Teil noch immer geäußerten Bedenken gegenüber den Tieren beruhen auf längst widerlegten Annahmen: Die Gefahr einer Krankheitsübertragung durch Füchse sei nahezu auszuschließen.

Die Jagd auf Füchse habe keinerlei regulierende Auswirkungen auf die Population, weil Verluste schnell durch Zuwanderung und steigende Geburtenraten ausgeglichen würden, sind die Tierschützer überzeugt.

In den Jagdrevieren der Hegeringe Dinkelberg und Wiesental stellt man indes eine andere Tendenz fest. Laut Jagdpächter Jochen Spickermann zeige der Fuchsbestand eine abnehmende Tendenz. Die Ursache seien die Krankheiten Staube und Räude, die in den vergangenen Jahren im Landkreis Lörrach vermehrt auftraten.

Das wiederum habe für einen steigenden Besatz an Niederwild gesorgt. „Für uns ist das ein Indikator, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Prädatoren (Räuber; Anm. der Red.)  und Niederwild gibt“, sagt Kreisjägermeister Alexander Rose.

"Jagd auf Prädatoren zum Schutz von Niederwild"

Das von den Jägern vorgeschobene Argument des Artenschutzes sei Augenwischerei, argumentieren die Tierschützer. Rose will die Kritik so nicht stehenlassen. „Für uns ist es wichtig, die Jagd auf Prädatoren (Fuchs, Dachs, Iltis, Marderhund) zum Schutz von Niederwild wie Hase, Rebhuhn und Fasan durchzuführen“, sagt er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

Populationsrückgänge betroffener Arten wie beispielsweise dem Feldhasen seien überwiegend auf den Lebensraumverlust und das schwindende Nahrungsangebot zurückzuführen sei, entgegnet Peta. Hier sei die Jägerschaft aktiv, erklärt wiederum Rose und nennt konkrete Maßnahmen wie Baumpflanzungen zum Biotopschutz, welche die Jäger im Landkreis Lörrach jährlich durchführen.

"Hier treffen zwei absolute Gegensätze aufeinander“

Auch stößt er sich am Motto von Peta, dass da lautet: „Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten.“  Natürlich experimentiere man nicht mit Tieren, das Anziehen und Essen lehne er indes nicht ab, verwies er auf die nachhaltige Nutzung gejagter Tiere. „Hier treffen zwei absolute Gegensätze aufeinander“, kommentiert er die Standpunkte von Jägerschaft und Tierschützern.

Auch sei die Jagd mit Totschlagfallen, die sofort töten sollen, die Tiere laut Peta bisweilen aber schwer verletzen und verstümmeln, in Baden-Württemberg nicht mehr erlaubt, erklärt Rose. Wenn Fallen zum Einsatz kommen, dann sogenannte Lebendfallen, stellt er klar.

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