Kreis Lörrach Für einen zeitgemäßen Unterricht

Michael Werndorff
Je nach Schulart wurden ganze Klassen mit Tablets versorgt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Kreis Lörrach - Die Digitalisierung der Schulen in der Region nimmt weiter Fahrt auf. Die Corona-Pandemie wirkt als Katalysator und hat zu einem Quantensprung in der technischen Ausstattung geführt. Allerdings gibt es noch Baustellen: Optimierungsbedarf besteht unter anderem beim Ausbau des schnellen Internets, der WLAN-Infrastruktur und der technischen Betreuung.

„Der Landkreis Lörrach treibt die Digitalisierung der Schulen in Kreisträgerschaft seit Jahren voran und ist auf einem guten Stand angekommen“, bilanziert Martina Bleile, Fachbereichsleitung Bildung und Kultur sowie Sachgebietsleiterin Schulträgerverwaltung im Landratsamt, auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Förderprogramme des DigitalPakt Schulen sowie die Notwendigkeit des Fernlernunterrichts an den Schulen während der Pandemie hatten auch hier einen gewaltigen Schub gegeben. Wegen des hohen Investitionsvolumens und der notwendigen großen baulichen Maßnahmen bleibe für die kreiseigenen Schulen jedoch auch noch einiges zu tun, so Bleile.

Schnelles Internet

Ein dringendes Handlungsfeld sei der Aufbau einer strukturierten Netzwerkverkabelung innerhalb aller Schulgebäude und eine leistungsfähige Internetverbindung. Die strukturierte Verkabelung ist laut Bleile noch nicht in allen Schulgebäuden in ausreichender Qualität vorhanden. „Die Umsetzung dieser Maßnahmen sind jedoch sehr zeitintensiv und binden große personelle Ressourcen.“ Die Planungen und Umsetzungen der Maßnahmen würden sukzessive angegangen und nach und nach umgesetzt.

Die größte geplante Modernisierungsmaßnahme ist am Berufsschulzentrum in Schopfheim geplant. Der Anschluss an das Glasfasernetz stelle die Grundlage für den Einsatz digitaler Medien dar, wie die Fachbereichsleiterin berichtet. Der Zweckverband Breitbandversorgung des Landkreises Lörrach habe sich zum Ziel gesetzt, mittelfristig alle Schulen an das Glasfasernetz anzuschließen. Die kreiseigenen Schulen sollen bis Ende des Jahres angeschlossen sein, wie weiter zu erfahren ist.

Von einem Quantensprung in Sachen Digitalisierung für die allgemeinbildenden Schulen spricht Anja Hanke, Kreis-Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Digitalpakt Schule habe als Katalysator gewirkt. Zwar seien die Mittel zur Beschaffung von Geräten vorhanden, für die Infrastruktur wie WLAN seien aber die jeweiligen Schulträger verantwortlich.

Ein Negativbeispiel: So verfügt die Karl-Tschamber-Schule Weil zwar über Hardware, WLAN ist indes nicht vorhanden. Dann gebe es auch Schulen, die auf ihre bestellten Geräte warteten, verweist GEW-Vorstandsmitglied Norbert Asal auf Lieferprobleme. Und: Voraussetzung für die Ausstattung mobiler Endgeräte ist ein sogenannter Medienentwicklungsplan, den eine Schule konzipieren und beim Landesmedienzentrum einreichen muss. Dort seien die Personalkapazitäten aber begrenzt, erklärt Asal.

Mängel bei Betreuung

Ein weiteres Problem sehen beide in der technischen Betreuung. Zwar gibt es Mittel zur technischen Ausstattung der Schulen, bei der Netzwerkbetreuung ist die Situation unverändert: So würden meist Lehrer zusätzlich zu ihren pädagogischen Aufgaben als Netzwerk- und PC-Betreuer fungieren, wofür ihnen drei Zeitstunden angerechnet würden. Zwar stellten viele Gemeinden eigene Netzwerkadministratoren, diese seien im Alltag aber nicht immer in den Schulen, um kurzfristig Hilfestellung zu leisten. Kurzum: An der Betreuung hapere es. Es brauche daher Vor-Ort-Kräfte, fordert Hanke.

Externe Dienstleister

Auch die Kreisverwaltung weiß, dass die Administration der EDV-Systeme ein großes Ausmaß angenommen hat. „Es ist nicht mehr möglich, dass alleine Lehrkräfte diese Systeme verwalten. Es wurden deshalb Aufträge an externe Dienstleister vergeben“, sagt Bleile. Zudem habe der Landkreis seit September eine Personalstelle zur Unterstützung der IT-Administration an den Schulen geschaffen und besetzt.

Ganze Klassen ausgestattet

Je nach Schulart wurden ganze Klassen der kreiseigenen Schulen mit Tablets ausgestattet. „Hier half der DigitalPakt Schulen. Allein im Rahmen des Sofortausstattungsprogramms konnten rund 1000 mobile Endgeräte beschafft werden“, weiß Bleile. Diese standen für den Fernunterricht als Leihgeräte zur Verfügung. Eine flächendeckende Ausstattung mit Tablets für jeden der rund 6400 Schüler sei vorerst nicht vorgesehen. „Die Tablets werden je nach pädagogischen Erfordernissen in den einzelnen Klassen beziehungsweise Schularten eingesetzt.“

Zum Zeitpunkt der Erstellung der Medienentwicklungsplanungen im Jahr 2020 wurden die Investitionen in die Ausstattung der Schulen (vor allem digitale Tafeln, Server und mobile Endgeräte) für alle Schulen im Zeitraum 2020 bis 2024 auf rund drei Millionen Euro geschätzt. Die noch notwendigen oben beschriebenen Baumaßnahmen an den Schulen sollen sich mit Stand 2020 auf sechs Millionen Euro belaufen.

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