Kreis Lörrach Für mehr Eigenverantwortung

Michael Werndorff
Die Feuerwehr im Landkreis Lörrach zeigt sich gut aufgestellt. Foto: Michael Werndorff

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Neue Formen von Gefahren verlangen neue Notfallpläne und Einsatzkonzepte: Der Bevölkerungsschutz im Landkreis Lörrach muss stets angepasst und weiterentwickelt werden, wie Kreisbrandmeister Uwe Häubner dieser Tage sagte. Man sei dichter an Gefahrenlagen als früher, ergänzte Landrätin Marion Dammann.

Gefahrenpotenziale gibt es viele: unter anderem grenznahe Schweizer Atomkraftwerke, Chemieunternehmen, in denen mit gefährlichen Substanzen gearbeitet wird, Verkehrsknoten wie Schiene, Straße, Rhein und Flughafen. Aber auch Elektroautos können die Feuerwehr auf Trab halten.

Abrollbehälter Hochvolt

Die technische Ausstattung der Feuerwehren im Landkreis Lörrach zeigt den sich ändernden Bedarf: So erwartet der Landkreis Ende des Jahres die Lieferung des Abrollbehälters Hochvolt, der bei Bränden von E-Autos zum Einsatz kommen soll. Die Batterien solcher Fahrzeuge müssen über Stunden hinweg gekühlt werden. Das geschieht, indem das Auto in einen mit Wasser gefüllten Container getaucht wird. Nicht nur die Feuerwehr, auch ein privater Abschleppdienst hat laut Häubner in zwei Behälter investiert.

Weiter ergänzen Multicopter, hochmoderne Drohnen, die Ausrüstung der Floriansjünger (wir berichteten), wie im Rahmen eines Pressegesprächs deutlich wurde. Darüber hinaus hat das Rote Kreuz in Schopfheim und in Grenzach-Wyhlen Fahrzeuge stationiert, mit denen mobile Behandlungsplätze eingerichtet werden können.

Von der Aufrüstung zeugt auch der klimatisierte Abrollbehälter Führung, der auf 30 Quadratmetern Raum für Lagebesprechungen oder Unterbringungsmöglichkeiten für Verletzte und Unfallbeteiligte bietet. „Mit diesem Container können wir größere Einsatzlagen besser beurteilen“, weiß Häubner. Die Kosten beliefen sich auf 275 000 Euro, 108 000 Euro steuerte das Land bei.

Ein Thema, zu dem derzeit Planungen liefen, seien flächendeckende Stromausfälle. „Hier gibt es noch Bedarf an Notstromgeräten“, verwies er auf die Sicherung der Wasserversorgung während eines Stromausfalls.

Neun Notfallpläne

Neun Notfallpläne beziehungsweise Einsatzkonzepte stellte der Kreisbrandmeister vor. Diese reichen von einem Massenanfall Verletzter, Störfällen, der Seuchen- und Pandemieplanung bis hin zu Starkregenereignissen und Hochwasserlagen der Wiese. Teilweise sind sie trinational. Denn: „Gefahrenabwehr macht keinen Halt vor Grenzen.“

Und es wurden weitere Schwerpunkte im Rahmen des Ahrtal-Hochwassers gezogen: die Vorbereitung auf intensive Lagen, der Austausch und das Monitoring mit den Kommunen und die Einbindung von Spontanhelfern, erläuterte der Kreisbrandmeister. Er machte darauf aufmerksam, dass der Bevölkerungsschutz stetig im Wandel sei. Neben Sirenen, Apps oder Radio- und Lautsprecherdurchsagen sollen im kommenden Jahr im Rahmen von „Cell Broadcast“ Warnmeldungen direkt an empfangsbereite Mobilfunkgeräte im potenziellen Gefahrengebiet gesendet werden. Eine operative Testphase ist für den Bundeswarntag am 8. Dezember vorgesehen.

Bevölkerung schützen

Waldbrandgefahr, Starkregenereignisse, Energie-Krise, Corona-Pandemie – mit den zunehmenden Krisen rückt auch das Thema Bevölkerungsschutz wieder vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit. Bevölkerungsschutz sei ein Begriff, der bislang nicht so geläufig sei, sagte Häubner.

Häufiger sei von Katastrophenschutz die Rede, der laut Definition die Aufgaben und Maßnahmen der Kommunen und Länder umfasst. Derweil ist der Zivilschutz, mit dem die Bevölkerung vor kriegsbedingten Gefahren geschützt werden soll, Sache des Bundes.

Mehr Eigenverantwortung

Erfreut zeigte sich Häubner, dass die Bevölkerung eine hohe Bereitschaft zeige, Rettungskräfte im Ernstfall zu unterstützen.

Derweil müsse aber die Eigenverantwortung der Bürger im Notfall mehr ins Bewusstsein gerückt werden, zum Beispiel, wenn es um das Anlegen von Notvorräten wie während der Zeit des Kalten Kriegs geht. Dass dies Thema in Bildungseinrichtungen werde, sei angebracht, befand der Kreisbrandmeister.

  • Bewertung
    5

Umfrage

Anteilnahme in London

Die Briten lieben ihr Königshaus, wie die Trauerfeierlichkeiten für Queen Elizabeth II. gezeigt haben. Von unseren Lesern wollen wir in dieser Woche wissen, ob sie sich eine parlamentarische Monarchie auch für Deutschland vorstellen könnten.  

Ergebnis anzeigen
loading