Kreis Lörrach Glück finden in der Gemeinschaft

Gemeinschaft wird groß geschrieben - nicht nur unter dem Kastanienbaum vor den Kommunitätsgebäuden. Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Von Carina Stefak

Rheinfelden. Hinter den Mauern von Schloss Beuggen haben elf Menschen aus ganz Deutschland ihr Glück in einer Gemeinschaft gefunden, die sie vorher so nicht kannten. Kommunitätsmitglied Jörg Hinderer gibt Einblicke in eine etwas andere Welt

Leben in der Kommunität Beuggen, das heißt eigentlich dreierlei: gemeinsam leben, geistlich leben und Verantwortung in der Welt übernehmen. Auf diesen drei Säulen ruht die Kommunität und jeder, der Teil davon werden will, muss zu allen dreien ja sagen. So wie die elf Erwachsenen mit ihren zwölf Kindern, die in Beuggen miteinander und füreinander leben und darin Erfüllung finden.

Es gibt Zeiten des Miteinanders, aber auch des persönlichen Rückzugs, Gemeinschaftsräume und Privatwohnungen. Jeder übt seinen Beruf aus und gestaltet seinen Alltag. Gemeinsame Momente sind die Mahlzeiten, Andachten und Aktivitäten.

Begonnen hat alles vor zehn Jahren mit einer Anzeige in einer ökumenischen Zeitschrift. Hinderer und zwei weitere Gründungsmitglieder hatten bereits einen Versuch gestartet, eine christliche Lebensgemeinschaft aufzubauen. Dieser war gescheitert, aber die drei wollten nicht aufgeben. 60 Interessenten hatten sich gemeldet. Mit 20 hat man sich getroffen, zehn blieben am Ende übrig.

„Dann hat es zwei Jahre gedauert, bis wir tatsächlich hier eingezogen sind.“ So vieles war noch zu klären: Vorstellungen, Aufgaben, Ziele, Finanzen. „Das war eine intensive Zeit, viel Arbeit, aber auch Aufbruchstimmung.“ Natürlich habe es Situationen des Zweifelns gegeben. „Aber wir haben sie überwunden, weil uns die Sache wichtig war.“

All die intensiven Auseinandersetzungen haben die drei Säulen hervorgebracht: die gemeinsame, verbindliche und verlässliche Basis, auf die das Leben in der Kommunität ausgerichtet ist, die alle Mitglieder mittragen und die für sie unumstößlich ist. Dass sie sehr, sehr eng gefasst wurde, ist dabei kein Zufall.

„Wir sind offen und tolerant, haben keine Berührungsängste mit anderen Religionen oder Gruppen. Um aber miteinander leben zu können, braucht es eine gemeinsame Grundlage und je konkreter diese ist, desto haltbarer ist sie auch. Trotzdem sind wir alle sehr unterschiedlich.“

Für alle ausreichend Platz zu finden, war nicht einfach. Ein Zufall kam zuhilfe: Für die Gebäude auf Schloss Beuggen, die die Kommunität heute bewohnt, sollte eine neue Nutzung gefunden werden. „Dass eine christliche Kommunität ihr Interesse bekundete, hat die Evangelische Landeskirche Baden, der das Areal gehört, natürlich gefreut.“

Die Kommunität hat eine Wohnbaugenossenschaft gegründet, für die jeder Einlagen geleistet hat. Diese ermöglichten Kredite, mit denen die Gebäude gekauft und umgebaut werden konnten. Die Kirche hat ein Rückkaufrecht, falls die Kommunität sich auflöst.

Fünf Jahre dauerte Sortierungsphase, drei sind in der Zeit ausgestiegen, weil sich ihre Lebensumstände verändert haben. Immer wieder gibt es Anfragen, wollen Menschen die Kommunität kennen lernen. „Mit der Vereinzelung der Gesellschaft wächst das Bedürfnis, in Beziehungen zu anderen zu sein“, glaubt Hinderer. Und das müsse nicht die Familie sein, „manche wollen keine, bei anderen hat es nicht geklappt.“

Viele idealisieren das Leben in der Kommunität und merken erst im Mitleben, dass sie falsche Vorstellungen davon hatten. Deshalb ist es kein Spaziergang, Mitglied in der Kommunität zu werden. „Wer dazukommen will, lebt zunächst ab und an als Gast bei uns. Danach beginnt eine zweijährige Probezeit, in der man in die Gemeinschaft hineinwächst.“ Oder auch nicht.

Diese Zeit ist lang, aber wichtig – für beide Seiten. Auch wenn das Miteinander in der Kommunität vergleichbar mit dem Leben gewöhnlicher Familien scheint, so gibt es doch so viel Verbindliches, dass man sich diese Entscheidung gut überlegen muss. Jörg Hinderer: „Man bekommt viel aus der Gemeinschaft, aber man muss sich auch hineinbegeben.“

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