Kreis Lörrach Grundstein für eine moderne Arbeitswelt

Michael Werndorff

Weit mehr als einen neuen Arbeitsplatz erhalten die Mitarbeiter des Sozial- und Jugenddezernats des Landkreises, die in den Neubau an der Brombacher Straße in Lörrach einziehen: Mit dem rund 37 Millionen Euro teuren Bau, der jetzt feierlich eröffnet wurde, erwartet die Angestellten eine ganz neue Arbeitswelt in einer offenen Bürolandschaft.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Erheblich mehr Aufgaben und damit auch mehr Personal für den Landkreis Lörrach: Das hatte die Verwaltungsreform von 2005 zur Folge. Ergebnis davon ist aber auch, dass das Landratsamt seither über viele Standorte verteilt untergebracht ist. Deshalb hatte der Kreistag bereits im Jahr 2008 den Grundsatzbeschluss im Rahmen eines Masterplans gefasst, den Bau eines zweiten Landratsamts voranzutreiben, um alle über Lörrach verteilten Verwaltungseinheiten – mit Ausnahme der Kfz-Zulassungsstelle – an einem zentralen zweiten Standort, zusätzlich zum Hauptstandort in der Palmstraße, zusammenzufassen.

Mehr Aufgaben, mehr Platzbedarf

Damals ging die Verwaltung noch davon aus, dass die Büros für 125 Mitarbeiter ausreichend seien. Aufgrund zusätzlicher Aufgaben, vor allem im Sozialbereich, wuchs der Bedarf aber auf rund 290 Büroarbeitsplätze.

Die Suche nach einem Gelände zog sich noch über viele Jahre hin, bis 2018 ein geeignetes Grundstück gekauft und im November der Baubeschluss mit einer Höhe von rund 32 Millionen Euro gefasst werden konnte. Der siebengeschossige Baukörper entstand auf dem Areal der ehemaligen Weberei Conrad direkt neben der Agentur für Arbeit und wurde fünf Millionen Euro teurer als veranschlagt, insbesondere aufgrund der ungeplant hohen Rohbauvergabe.

Bei Baubeginn war es das Ziel, dass das Dezernat V (Soziales & Jugend) im Sommer 2022 einziehen kann. Tatsächlich fast fertig und umzugsfertig war das Gebäude dann Ende Oktober. „Das Bauvorhaben ist also nahezu im Terminplan geblieben“, heißt es aus dem Landratsamt.

Das Innenleben des Gebäudes ist so konzipiert, dass es die modernen Arbeitstrends optimal umsetzt. Mit der offenen Bürolandschaft habe die Kreis-Verwaltung den Grundstein für eine moderne und flexible Arbeitswelt gelegt, die den Anforderungen und Wünschen der Mitarbeiter an eine moderne, offene, effiziente und freundliche Verwaltung Rechnung trägt, wie Landrätin Marion Dammann im Rahmen der offiziellen Eröffnung erklärte. Eine offene Bürolandschaft begünstige die gemeinsame Nutzung von Arbeitsplätzen und sei daher geeignet, einen Zuwachs der Personalzahl ohne automatische Ausweitung des Raumbedarfs zu bewältigen, heißt es von Seiten der Kreisverwaltung.

Für eine effiziente und freundliche Verwaltung

Die Innengestaltung basiert auf den Trends der modernen Arbeitswelt: Neben einer höheren Teilzeitquote spielt das digitalisierte und mobile Arbeiten eine immer wichtigere Rolle, auch ist der Trend zu mehr Homeoffice gerade in der Corona-Pandemie deutlich stärker in den Vordergrund getreten. Laut einer Erhebung vom Mai arbeiten 30 bis 40 Prozent der Mitarbeiter des Landratsamts im Homeoffice und 44 Prozent in Teilzeit.

Das mobile Arbeiten ist inzwischen auch Merkmal für die Attraktivität und Modernität eines Arbeitgebers im Verwaltungsbereich. Vor allem dann, wenn eine Mischung zwischen Homeoffice einerseits und Arbeiten vor Ort möglich ist. Ganz bewusst wurde im Dezernat V auch die E-Akte eingeführt. Zwar ist die Arbeit noch nicht ganz papierlos, die Zahl der Drucker wurde aber deutlich verringert, informiert die Verwaltung.

Letztlich bestimmt eine hohe Flexibilisierungserfordernis wegen steigender Aufgaben das Gebäudekonzept. So wird sich zum Beispiel das Team der Wohngeldstelle verdoppeln, da sich die Zahl der Anträge ab Januar voraussichtlich verdreifachen wird. Kurzum: Räume können nun effizienter und flexibler genutzt werden.

Konkret sieht das Konzept eine Abkehr vom klassischen Einzelbüro vor. Stattdessen wird das sogenannte Desk-Sharing – mehrere Mitarbeiter teilen sich einen Schreibtisch – Alltag. Dabei bietet die offene Umgebung neben Raum für konzentriertes Arbeiten auch Bereiche für Austausch und Kommunikation.

Und: Die Bürger, die mit sozialen Anliegen kommen, werden in offenen und freundlichen Räumlichkeiten empfangen. An der Infothek erfolgt die Einladung in einen neutralen Besprechungsraum. Die jeweiligen Sachbearbeiter haben aufgrund der Digitalisierung die Akten mithilfe eines Computers stets präsent.

Unabhängig vom Bürokonzept des neuen Standorts an der Brombacher Straße bleiben das bestehende Landratsamt an der Palmstraße in der Lörracher Innenstadt mit den beiden Gebäude Haus 1 und Haus 2 sowie ein Gebäude im Entenbad 11-13 sanierungsbedürftig. Perspektivisch will die Verwaltung nach einer Ertüchtigung des Hauses 1 einen Verkauf der Immobilie Entenbad oder des Hauses 2 anstreben. Außerdem können im nächsten Jahr die meisten der angemieteten Objekte, zum Beispiel in der Wiesental- und Unteren Wallbrunnstraße, aufgegeben werden, geht aus Verwaltungsunterlagen hervor.

Das Dezernat V Soziales & Jugend ist in den Neubau Landratsamt 2 umgezogen. Die Lörracher Standorte der Psychologischen Beratungsstelle und des Pflegestützpunkts/ipunkt der Fritz-Berger-Stiftung werden ebenfalls an der Brombacher Straße neu angesiedelt. Die Standorte der Außenstellen der Sozialen Dienste und Frühen Hilfen in Rheinfelden, Schopfheim und Weil am Rhein bleiben erhalten. Das neue Gebäude befindet sich direkt neben der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Lörrach.

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