Kreis Lörrach Guter Ertrag trotz vieler Probleme

Beim diesjährigen Maisfeldtag hieß es Abstand halten: Rolf Hess vom Landratsamt (rechts) informierte unter anderem über die neue Düngeverordnung.Foto: Jutta Schütz Foto: Die Oberbadische

Aktuelles Thema des Maisfeldtags, der nun schon seit 25 Jahren auf den Schaufeldern von Markus Gütlin bei Wintersweiler stattfindet, sind trockenheitsresistente Sorten gewesen. Das laufende Jahr ist nämlich das dritte in Folge, in dem es bislang zu wenig geregnet hat.

Von Jutta Schütz

Kreis Lörrach. Wieder sei es für die Landwirte kein einfaches Jahr geworden, konstatierte Rolf Hess, Sachgebietsleiter für die heimische landwirtschaftliche Erzeugung und Vor-Ort-Kontrollen. Zur Trockenheit kämen Schädlinge, wie der Maiszünsler, der Maiswurzelbohrer und neuerdings auch die Fritfliege. Diese spielte für den Anbau eigentlich überhaupt keine Rolle mehr, sei jetzt aber wieder aufgetaucht und schädige die spät ausgesäten Kulturen.

Krähen lassen sich nicht verjagen

Ein weiteres Problem blieben ferner die Krähen, welche die Saatkörner nach der Aussaat auffressen würden. „Das Beizmittel Mesurol ist aus der Zulassung genommen worden, das die Vögel früher vom Aufpicken des Saatgutes abhielt. Das Nachfolgeprodukt Korit hat nicht die gleiche Wirkung“, berichtete der Pflanzenschutzexperte Jochen Winkler.

Dementsprechend gab es in diesem Jahr so viele Krähenfraßschäden wie noch nie – die Äcker entpuppten sich für die Vögel als wahres Paradies auf Erden. Vergrämungsabschüsse seien indes nur auf Antrag und ausnahmsweise erlaubt. Die schlauen Tiere ließen sich aber davon ebenfalls nicht lange abschrecken.

Auch andere Schädlinge erwiesen sich als durchaus hartnäckig: Der Schwerpunkt beim Befall durch den Maiswurzelbohrer habe sich von Schliengen nach Efringen-Kirchen verlagert. Die meisten Funde im Landkreis gab es bei Efringen-Kirchen (2239), Blansingen (1121), Wintersweiler (1665), Mappach (1267) und bei Kandern-Tannenkirch (1571) – in Schliengen allein waren es ohne die kleineren Ortsteile 2830. 16 000 gab es somit im gesamten Landkreis. Das sind 6000 mehr als noch im Vorjahr. Um den Maiswurzelbohrer einzudämmen, seien nur zwei Fruchtfolgen Mais hintereinander auf dem gleichen Acker zulässig – im dritten Jahr müsse eine andere Feldfrucht gesetzt werden.

Der Maiszünsler trat dieses Jahr in zwei Wellen auf, wie die Fänge des Schädlings in den Lichtfallen zeigten. Diese wurden durch den Einsatz von Schlupfwespen bekämpft. Trotzdem konnte sich der Maiszünsler dieses Jahr länger halten. „Es könnte sein, dass die Falter früher als sonst geschlüpft sind“, vermutete Winkler.

Auf hiesigen Böden gedeiht der Mais gut

Trotz der Probleme werde es auf den hiesigen Böden voraussichtlich einen guten Ertrag von rund 153 Doppelzentnern pro Hektar geben. Auf den kiesigen Flächen in der Rheinebene mache sich dagegen der Mangel an Niederschlag deutlich bemerkbar. Der Mais sei größtenteils trocken, die Erträge würden dort niedriger ausfallen.

Wie sich der Marktpreis gestalte, sei noch nicht abzusehen. Es komme auf das Angebot auf dem Weltmarkt an. Da der Euro im Vergleich zum Dollar, in dem die Maispreise kalkuliert werden, an Währungsstärke hinzugewinne, ergebe sich für die Landwirte hierbei momentan ein Nachteil, erklärte Hubert Sprich von der ZG Raiffeisen.

Hess ging anschließend noch kurz auf das neue Biodiversitätsgesetz ein, das unter anderem den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft auf 30 bis 40 Prozent bis zum Jahr 2030 und die Verringerung der chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel um 40 bis 50 Prozent bis 2030 vorsieht.

Positiv bewertete er, dass bereits viele Landwirte Blühstreifen für Insekten angelegt hätten. „Das nützt den Insekten und den Vögeln, wertet die Landschaft auf und bringt auch einen Imagegewinn für die Landwirte“, nannte er einige Vorteile. Viele Änderungen gebe es im Zuge der neuen Düngeverordnung. Die Nitratwerte im Boden seien in Deutschland zu hoch, besonders in den „roten Gebieten“, und im Landkreis Lörrach seien dies insbesondere Schliengen und Efringen-Kirchen, Hertingen, Tannenkirch, Wollbach und Holzen. Die Landwirte müssten dort pro Schlag und nicht mehr betriebsbezogen ermitteln, wie hoch der Nährstoffbedarf im Boden sei.

Verringerung des Düngersbedarfs verlangt

Der Düngerbedarf in den roten Gebieten müsse um weitere 20 Prozent verringert werden. Die Obergrenze liege bei 170 Kilogramm pro Hektar. Es bestehe eine Aufzeichnungspflicht für ausgebrachten Dünger.

Die Sperrfristen für das Ausbringen von Festmist und Kompost als Dünger wurden auf drei Monate, von November bis Ende Januar, verlängert. Das bereite den Tierhaltern aber Kopfzerbrechen, „die ihren Mist ja auch irgendwann mal ausstreuen müssen“, meinte Hess. Die neue Düngeverordnung sei kompliziert, „aber wir müssen uns damit vertraut machen“, stellte er nüchtern fest.

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