Kreis Lörrach Hinter jeder Haustür eine Herausforderung

Die Oberbadische
Werben für den Pflegeberuf: Caritas-Geschäftsführer Rolf Steinegger, Pflegedienstleitung Daniela Selz und die beiden Altenpflegerinnen Helga Truckenbrodt und Anna-Maria Koch (von links). Foto: Sarah Trinler Foto: Die Oberbadische

Von Sarah Trinler

Bis 2030 werden für Baden-Württemberg rund 350 000 Pflegebedürftige prognostiziert. Damit müsste sich die Zahl der Pflegekräfte um 45 Prozent erhöhen. Zwei frisch gebackene Altenpflegerinnen der Kirchlichen Sozialstation Rheinfelden sprechen im dritten Teil unserer Serie mit der AOK Hochrhein-Bodensee von der Besonderheit des Pflegeberufs.

Kreis Lörrach. „Du kannst doch gut mit alten Menschen“, hatten einige Freunde zu Helga Truckenbrodt gesagt, als sie mit über 50 Jahren entschied, ihre Tätigkeit im Bereich der Jugenderziehung an den Nagel zu hängen und beruflich nochmal neu zu starten. Rolf Steinegger, Geschäftsführer der Caritas Sozialstation Hochrhein, begrüßte ihre Entscheidung, eine Ausbildung zur Altenpflegerin in der Kirchlichen Sozialstation Rheinfelden zu absolvieren. Truckenbrodts Alter spielte für ihn keine Rolle – vielmehr sei ihre Lebenserfahrung in diesem Beruf von Vorteil.

„Wir möchten die Zukunft meistern“, betont Steinegger. Die Dienste der Pflege wurden in den vergangenen Jahren zwar ausgebaut, doch konnten sie nicht so schnell wachsen wie die demografische Entwicklung. Der Pflegeberuf sei in der Gesellschaft anerkannt, „aber machen wollen ihn zu wenige“, meint der Caritas-Geschäftsführer. Als Arbeitgeber müsse man gute Bedingungen für Arbeitnehmer schaffen, damit die Attraktivität des Berufs wieder in den Vordergrund rücke. „Es ist nämlich wirklich ein schöner Beruf“, sagt Steinegger begeistert.

Dies kann die heute 60-jährige Helga Truckenbrodt bestätigen, welche die Wahl des zweiten Ausbildungsberufs nie bereut hat – auch wenn die Alterszusammensetzung in der Berufsschulklasse eine Herausforderung darstellte. „Die meisten meiner Mitschüler waren in dem Alter meiner Kinder, aber ich wurde immer wieder von der Caritas-Leitung bestärkt“, sagt Truckenbrodt.

„Hinter jeder Haustür erwartet uns immer etwas anderes“, meint die heute 22-jährige Anna-Maria Koch, die mit 19 Jahren zu den jüngsten Auszubildenden der Kirchlichen Sozialstation Rheinfelden zählte. Im ambulanten Pflegedienst begegne man jeden Tag verschiedenen Geschichten und neuen Herausforderungen. Dies gefiel Anna-Maria Koch bereits während ihres FSJ, dass sie vor der Ausbildung bei der Caritas absolvierte.

Um Personalengpässe im eigenen Haus zu verhindern, hat die Caritas Sozialstation Hochrhein zusammen mit der Caritas-Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe in Freiburg und der AOK Hochrhein-Bodensee im Jahre 2014 ein neues Ausbildungskonzept entwickelt, bei dem sich Arzthelferinnen zu Altenpflegehelferinnen ausbilden lassen können. „Arzthelferinnen bringen das Wesentliche mit: Sie können auf Menschen zugehen – auch, wenn es mal schwierig wird“, sagt Steinegger. Die Qualifizierung, die 90 Stunden Ausbildung in Theorie und Praxis umfasst, haben bisher zwölf Arzthelferinnen durchlaufen, die heute in den Sozialstationen in Rheinfelden und Waldshut tätig sind.

Ebenfalls eine Neuheit im Pflegekonzept des Caritas-Verbands Hochrhein ist das Programm „Innovision“ (Innovation und Vision), bei dem das Mobilisieren der Selbsthilfekräfte des Pflegebedürftigen im Mittelpunkt steht. „Dieses Konzept entspricht auch dem Willen des Gesetzgebers“, erklärt Daniela Selz, Pflegedienstleitung in der Kirchlichen Sozialstation Rheinfelden. Mit der Einführung des Pflegestärkungsgesetzes II wird nämlich die familiäre Pflege gestärkt – natürlich auch, weil man weiß, dass es jetzt schon zu wenig Pflegeheimplätze gibt.

Umfrage

Kampfjets

Nachdem die Bundesrepublik nun doch Kampfpanzer an die Ukraine liefert, werden erste Forderungen nach Kampfjets laut. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Ergebnis anzeigen
loading