Kreis Lörrach - In geheimer Wahl entscheiden am 7. Dezember 1001 Delegierte, wer den CDU-Parteivorsitz von Bundeskanzlerin Angela Merkel übernehmen wird. Während sich Politgrößen wie Wolfgang Schäuble bereits öffentlich auf Friedrich Merz festgelegt haben, lassen sich die Wahlberechtigten aus dem Kreis Lörrach nur bedingt in die Karten schauen.

Nicht Jens Spahn, sondern Friedrich Merz oder CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK): Diese beiden Kandidaten favorisieren laut „Bild“-Recherche der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster und der stellvertretende Kreisvorsitzende Dominik Apel bei der Frage, wer auf Merkel folgen soll.

Angesprochen auf einen mit der neuen Personalie möglichen Richtungswechsel der CDU, erklärt Schuster im Gespräch mit unserer Zeitung, dass er, „egal, wer diese Wahl gewinnt, von beiden ein viel ausgeprägteres Flügelspiel erwartet. Da aber auch weiterhin die Tore in der Mitte geschossen werden, rechne ich mit keinem gravierenden Kurswechsel. Das war schon vergangene Woche zu beobachten, als Friedrich Merz mit einer forschen Asylposition auftrat, tags darauf das Ganze aber wieder relativierte.“

Mit der Flüchtlingsdebatte werde laut Schuster keine Wunde neu aufgerissen, denn: „Die ist immer noch offen. Es wird eine große Kunst der oder des neuen Vorsitzenden sein, diese Wunde endgültig zu schließen. Sonst wird das irgendwann ein solcher Mühlstein sein, den wir herumschleppen wie die SPD das Hartz IV-Thema“, erklärt der Innenexperte auf Nachfrage unserer Zeitung.

Namen der Delegierten sollten geheim bleiben

Zwischen AKK und Merz zeichnet sich übrigens ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab: Sollte keiner der drei Kandidaten eine einfache Mehrheit erreichen, findet beim Parteitag in Hamburg eine Stichwahl statt.

„Den Umfragen zufolge hat Kramp-Karrenbauer einen Vorsprung in der Bevölkerung. Friedrich Merz wird sehr viel Euphorie bei den CDU-Mitgliedern auslösen. Wer jedenfalls glaubt, AKK stehe für ein „Weiter-so“ der Merkel-Ära, der kennt beide Frauen eher wenig“, weiß Schuster, der als Delegierter bei der Wahl versucht, nicht allein seinen Gefühlen zu folgen, sondern sich auch die Frage stellt: „Mit wem gewinnt unsere Partei in Zukunft Wahlen?“ Für ihn ist klar: „Wer als Volkspartei 40 Prozent erreichen will, muss den urbanen Hipster genauso begeistern wie den traditionellen wertkonservativen Wähler.“

Werben für eine konservative Linie

Und auch Apel erklärt: „Ich werde den- beziehungsweise diejenige wählen, der mich inhaltlich am meisten überzeugt und dem ich am ehesten zutraue, die CDU in Zukunft erfolgreich zu führen.“ Dabei lässt er sich nicht von der öffentlichen Stellungnahme Schäubles beeinflussen. Diese Aussage sei für ihn wenig überraschend gekommen. „Das enge Verhältnis der beiden ist ja nicht erst seit dieser Aussage bekannt. Auf meine Entscheidung hat die Aussage jedoch keinen Einfluss“, stellt der Student klar.

Alle drei Kandidaten wollen für eine konservative Linie stehen. Auf die Frage, ob das ein Zugeständnis an die Parteibasis sei, erklärt Apel: „Die CDU hatte schon immer den Anspruch, konservative, liberale und christlich-soziale Strömungen zu vereinen. Ich finde es gut, dass alle Kandidaten diesen Anspruch weiterhin hochhalten, und dazu gehört dann auch, teilweise konservative Positionen einzunehmen.“ Apel hat aber nicht das Gefühl, dass es einer der Kandidaten nötig gehabt habe, für den innerparteilichen Wahlkampf irgendwelche Zugeständnisse machen zu müssen.

In Hamburg anwesend, aber nicht stimmberechtigt ist CDU-Bundesvorstandsmitglied Gudrun Heute-Bluhm. Sie traut den drei Kandidaten zu, die Partei führen zu können. AKK traue sie aber im besonderen Maße zu, die Parteiflügel zusammenzuführen, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch habe AKK Mut gezeigt, Aufgaben für die Partei zu übernehmen. Dass übrigens die Namen der 1001 Delegierten geheim bleiben sollten, hat laut Heute-Bluhm einen wichtigen Grund: Zum einen verweist sie auf die Datenschutzgrundverordnung, zum anderen will man alles dafür tun, dass diese wichtige Wahl nicht angefochten werden kann. Und bei dieser wird es wohl auf eine Stichwahl hinauslaufen, schätzt Heute-Bluhm.