Kreis Lörrach „Ich möchte mehr Empathie wagen“

Ziehen als SPD-Kandidaten in den Landtagswahlkampf: Jonas Hoffmann und Hannah Bernbach. SPD-Kreisvorsitzender Paul Waßmer (Mitte) dankte dem Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger für sein jahrzehntelanges Engagement. Foto: Michael Werndorff

Kreis Lörrach - Die Landtagswahl 2021 wirft ihre Schatten voraus: Am Freitagabend wurden Jonas Hoffmann und Hannah Bernbach im Bürgerhaus Zell-Gresgen als SPD-Kandidaten für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim nominiert.

Hoffmann, SPD-Kreisrat und ehemaliger Kandidat für die Bundestagswahl 2017 im Wahlkreis Lörrach-Müllheim, will nächstes Jahr in den Landtag von Baden-Württemberg einziehen und Joasha Frey (Grüne) das Direktmandat streitig machen. Das erklärte der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbands und Mitglied des Landesvorstands Ende Mai im Rahmen eines Pressegesprächs (wir berichteten). Das letzte Mal geschah dies vor rund 20 Jahren mit Rainer Stickelberger, der nicht mehr antreten wird.

„Wir sind hier, um einen Nachfolger für Rainer Stickelberger zu finden. Er war 20 Jahre lang die Stimme der Region in Stuttgart, davon fünf Jahre als Minister“, erklärte SPD-Kreisvorsitzender Paul Waßmer zu Beginn der Veranstaltung in der landesweiten SPD-Hochburg Gresgen. In dieser Zeit habe er großen Respekt auch über Parteigrenzen hinweg erworben, machte Waßmer deutlich. Stickelberger sei ein Politiker, der Ungerechtigkeiten nicht akzeptiere und jeden Tag seine Stimme für Menschen unserer Region erhebe.

Mit in den Landtagswahlkampf 2021 zieht Bernbach. Die 29-Jährige lebt in Rheinfelden-Eichsel, ist verheiratet und Mutter dreier Kinder. Die ausgebildete Chemielaborantin ist seit dem Jahr 2018 selbstständige Tagesmutter mit einer eigenen Kindertagespflege. Die stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende ist vor zehn Jahren in die Partei eingetreten und kandidierte für die Kommunalwahlen für den Ortschaftsrat Minseln (2009), Eichsel sowie für den Gemeinderat Rheinfelden (jeweils 2014 und 2019).

Hoffmann erhielt 62 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen, auf Bernbach entfielen 62 Ja- und zwei Nein-Stimmen. Vor dem Urnengang stellten sich beide Kandidaten vor und präsentierten den Delegierten ihre politischen Ziele.

Corona deckt Defizite auf

Hoffmann, seit 2016 SPD-Mitglied und im Landesvorstand vertreten, skizzierte drei Themenfelder: Digitales Leben, die Zukunft der Kinder und sozialökologische Werte. Die Coronakrise habe zum einen aufgezeigt, dass digitale Technik dazu beitragen könne, Krisen zu meistern. Zum anderen habe die Pandemie strukturelle Defizite verdeutlicht, verwies er auf die Frage der Teilhabe. „Viele Menschen verfügen über keinen Internetanschluss, weshalb sie vom digitalen Leben ausgeschlossen werden.“ Teil des politischen Programms der SPD sei daher die Gründung einer Landesinfrastrukturgesellschaft, um den Ausbau des schnellen Internets zu forcieren. Außerdem müsse man die Menschen befähigen, sich im digitalen Leben zurechtzufinden, erklärte der IT-Experte.

Zukunft der Kinder

Darüber hinaus sollte die sozialdemokratische Idee auch im digitalen Raum umgesetzt werden, kritisierte er die Vormachtstellung eines US-Internetunternehmens, welches sich mit allen Einzelhändlern der westlichen Welt anlege und dabei sei, den Kampf zu gewinnen.

Wichtig sei ihm die Zukunft der Kinder, weshalb er sich über die Unterstützung von Bernbach freue. Sein Dank galt auch SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch, der als ehemaliger Kultusminister über viel Kompetenz verfüge.

Soziale Frage

Drittens stellte er die Frage in den Raum, anhand welcher Werte die Zeit nach Corona gestaltet werden soll. „Für mich stehen hier sozialökologische Werte im Zentrum“, betonte der Landtagswahl-Kandidat. Für ihn sei klar: Eine soziale Politik ohne Klimapolitik wird nicht funktionieren. Die SPD verstehe es besser als jede andere Partei, beide Aspekte zu vereinen. Die Zeit bis zur Wahl fasst Hoffmann unter dem Satz „Ich möchte mehr Empathie wagen“ zusammen. Das sei der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhalte. Derweil werde der Austausch unterschiedlicher Sichtweisen und Meinungen in der Gesellschaft immer schwieriger.

Bernbach warf derweil Licht auf die Probleme der Partei: Die SPD sei dabei, ihre Generation komplett zu verlieren, gleichwohl sei es möglich, diese zurückzugewinnen, zeigte sich die Kandidatin kämpferisch. Die Partei liefere schließlich Antworten auf die Fragen nach bezahlbarem Wohnraum, Bildungsgerechtigkeit oder nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Großartiges Ergebnis

Stickelberger gratulierte beiden Kandidaten „zum großartigen Ergebnis“. Empathie stehe für sozialdemokratische Werte und Tugenden. Die SPD habe den Wahlkreis mehr als 60 Jahre in Stuttgart vertreten. „Ihr beide werdet das im Team in den nächsten Jahren hervorragend machen“, stellte der Abgeordnete fest. Es gelte, die aus Südbaden vermittelte starke Position in Bund und Land zukünftig weiter zu behaupten. Stickelberger appellierte an die Genossen, in den Ortsvereinen für das Team, die SPD und für eine neue Regierung zu kämpfen.

Klare Kante

Unterstützung kam unter anderem von der Kreisrätin und ehemaligen parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Marion Caspers-Merk: Hoffmann habe sich in kurzer Zeit das Vertrauen der Menschen erarbeitet. „Er ist jemand, der klare Kante zeigt“, verwies sie auf den Umgang mit der AfD. „Er stellt sie, wenn sie wider besseren Wissens Unwahrheiten verbreiten und das politische Klima vergiften“ Der Kandidat sei ein würdiger Nachfolger für Rainer Stickelberger.

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