Kreis Lörrach Ideensammlung für Nachhaltigkeit

Rolf Reißmann
Sachkundige Auskünfte an die Teilnehmer gaben (von links) Marcel Eichler, Alexander Maas, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Südwest, und Claus-Heinrich Daub. Foto: Rolf Reißmann

Etwa 50 Unternehmer, leitende Mitarbeiter sowie Vertreter der Kommunalpolitik trafen sich am Mittwochabend zu den Wirtschaftsgesprächen des Landkreises. „Wir haben uns diesmal für das Thema Nachhaltigkeit entschieden, weil sie wohl das drängendste Problem unserer Zeit ist,“ sagte Landrätin Marion Dammann zur Eröffnung. „Die letzten Jahre bestätigten uns, dass nachhaltiges Wirtschaften immer stärker zum Erfolg der Unternehmen beiträgt.“

Von Rolf Reißmann

Lörrach. Als Referenten hatte die Wirtschaftsregion Südwest einen Wissenschaftler und einen Praktiker eingeladen: Professor Claus-Heinrich Daub von der Universität Basel ging in seinem Vortrag auf die umfassende Wirkung nachhaltigen Wirtschaftens ein. Der ungezügelte Ressourcenverbrauch der letzten Jahrzehnte führte zu einem dramatische Verlust an Artenvielfalt, zu tiefgreifender Umweltverschmutzung und Wasserknappheit.

Anhand eines Fotos mit mehr als 15 Flugzeugspuren über Schopfheim nannte er den Luftverkehr als ein Beispiel für den Konsumwahnsinn. „Es ist bewiesen, dass die von Menschen erzeugten Treibhausgase den entscheidenden negativen Einfluss auf das Erdklima ausüben“, sagte er. „Deshalb sind wir mittlerweile auf alle, wirklich alle Maßnahmen des Klimaschutzes angewiesen, gleich ob in großer Dimension oder sogenannten Kleinigkeiten.“

Erfreulicherweise stelle er bei seinen Untersuchungen gerade in den beiden Kreisen Lörrach und Waldshut fest, dass viele Klein- und Mittelunternehmen enorme Bemühungen für nachhaltiges Wirtschaften eingeleitet haben.

Bemühungen um nachhaltiges Wirtschaften

Gerade kleinere Unternehmen, erst recht solche in Familienbesitz, seien deutlich aufgeschlossener als solche, die von Finanzinvestoren geführt werden. Daub erläuterte auch, dass intensivere Nachhaltigkeit in der gesamten Firmentätigkeit prinzipiell mehr Zufriedenheit der Mitarbeiter schafft. Als Beispiele nannte er die Vacuumtechnik Busch und die Brauerei Waldhaus. Generell, und das erfolge leider noch bei weitem nicht in möglichem Umfang, gehören zur Nachhaltigkeit einer Firma auch die vor- und nachproduktiven Bereiche, also die Wege der Beschäftigten zu ihren Arbeitsstätten und die Entsorgung ausgedienter Produkte.

Den zweiten Vortrag hielt Marcel Eichler von der Freiburger Firma Carbonfuture. Er geht davon aus, dass für alle Erzeugnisse und Abläufe inzwischen sehr detaillierte Kohlendioxid-Fußabdrücke zu erstellen sind. Auch er forderte auf, das Gesamtverhalten in die Bewertungen einzubeziehen, zum Beispiel die Mobilität inklusive aller Vor- und Nachläufe. Nur mit solchen Bewertungen seien Emissionen wirksam zu verringern und zu vermeiden. Nach den Erfahrungen der Freiburger Firma fördere Nachhaltigkeit das soziale Verhalten der Unternehmen.

In der Diskussion verwiesen mehrere Teilnehmer drauf, dass ihnen die erforderlichen Festlegungen aus der Politik oftmals zu spät kämen.

Schnelle Entscheidungen erforderlich

Bei der Dringlichkeit für nachhaltiges Wirtschaften seien viel schneller politische Entscheidungen auf allen Ebenen erforderlich. Auch würde bei vielen in Deutschland sicherlich zweckgemäßen Entscheidungen die internationale Wettbewerbssituation zu wenig beachtet – dies besonders bei den Personal- und Materialkosten. Es sei doch kein Gewinn, wenn wegen hoher Produktionskosten die Herstellung in andere Länder verlegt werde, in denen die Anforderungen an Nachhaltigkeit deutlich lascher seien.

Manfred Mutter aus Grenzach-Wyhlen erkundigte sich danach, ob Entscheidungen, die vor Jahren getroffen wurden nicht neu zu überdenken seien. Hintergrund seiner Frage war die Entscheidung der BASF, die Altlasten der Kesslergrube aus wirtschaftlichen Gründen einzukapseln. Acht Jahre später sei es fraglich, ob wieder so entschieden würde, weil Nachhaltigkeit einen viel höheren Stellenwert genieße.

Dazu erklärte Claus-Heinrich Daub, dass jede Entscheidung in ihrer Zeit und im Rahmen der jeweils vorliegenden Erkenntnisse zu betrachten sei. Auch Wissenschaft könne sich irren und entwickle sich.

Das Wirtschaftsgespräch endete mit einem zwanglosen Gedankenaustausch.

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