Kreis Lörrach Ignorieren der Technik wäre falsch

Die Oberbadische, 15.05.2018 16:53 Uhr

Um die digitale Währung Bitcoin und die dahinterstehende Blockchain-Technologie ging es am Montag im Vortrag von Walter Dettling im Rahmen der DHBW-Veranstaltungsreihe Studium Generale. Dabei verstand es der Mathematiker, ein abstraktes und naturgemäß technisches Thema verständlich und humorvoll aufzubereiten.

Von Adrian Steineck

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Kreis Lörrach. „Man kennt Satoshi Nakamoto nicht. Das könnte jeder sein – von Tesla-Chef Elon Musk bis zu Elvis Presley“, legte Dettling, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Basel, den etwa 200 Besuchern im voll besetzten Georg H. Endress-Auditorium der DHBW Lörrach dar. In der Tat ist Satoshi Nakamoto ein Pseudonym, hinter dem sich ein einzelner Mensch ebenso gut wie eine Personengruppe verbergen könnte. Aber was „Nakamoto“ erfunden hat, die digitale Währung Bitcoin, hat weitreichende Folgen, die sich bis heute noch gar nicht abschätzen lassen.

Dettling ließ zunächst die Geschichte der Bitcoin (auf deutsch etwa „digitale Münze“) Revue passieren. Entstanden im Jahr 2008 als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise, gibt es heute gut 17 Millionen Bitcoins im Gegenwert von rund 1,7 Milliarden US-Dollar. Täglich wird mit Bitcoins weltweit ein Handelsvolumen von fünf Milliarden Dollar umgesetzt.

Angetreten war die digitale Münze mit dem Anliegen, eine Währung zu schaffen, die jederzeit für jeden zugänglich, schnell, kostengünstig, transparent und nicht durch Regierungen beeinflussbar ist.

Diese Ziele hat sie zehn Jahre nach ihrem Entstehen laut Dettling zu etwa 80 Prozent erreicht, mit Abstrichen bei der Verfügbarkeit: „Bitcoins sind zugänglich, aber bisher technisch noch so komplex, dass nicht jeder damit zurechtkommt.“ Auch das Ziel „kostengünstig“ sei durch den schieren Erfolg der Digitalwährung verhindert worden: Derzeit kostet eine Transaktion von Bitcoins 1,80 Dollar. Dettling: „Da überweise ich dann natürlich keine Cent-Beträge.“

Die Bitcoin wie auch die vorhandenen alternativen digitalen Währungen basieren auf der Blockchain-Technologie (zu Deutsch Blockkette). Transaktionen laufen dabei so ab, dass der Überweisende oder Sender eine signierte Transaktion mit dem öffentlichen Schlüssel sendet, diese in der Blockchain von 10 000 aktiven Knoten überprüft wird und der Empfänger die Sendung dann mit seinem privaten Schlüssel öffnen kann.

Die Blockchain-Technologie hat für Dettling auch klare Grenzen. So lassen sich damit keine großen Datenmengen ablegen. Ebenso sollten damit keine privaten Informationen verschickt werden, da Blockchains – aller Verschlüsselung zum Trotz – primär öffentlich sind. Eines zudem sollte man mit dieser Technologie ebenfalls nicht machen: Sie ignorieren. „Beim Stichwort Blockchain sollten Sie nicht nur an eine Technik, sondern an eine Plattform denken, die von Menschen gesteuert wird“, machte Dettling deutlich. Und: „Wir stehen noch ganz am Anfang. Wer sich jetzt damit beschäftigt, zählt zu den Pionieren.“ Ein Vorteil der Blockchain-Technologie sei es, dass sie durch viele Menschen beeinflusst werde. „Wir wissen zwar nicht, wohin es geht, aber wir wissen, dass nicht ein Einzelner darüber entscheiden kann, wohin es geht.“ Wohin die Entwicklung gehen könnte, zeigt das Beispiel Estland: Dort wird schon heute das gesamte Gesundheitssystem mit Krankendaten und Ähnlichem via Blockchain abgewickelt, wie Dettling erklärte.

Da gab es bei den Zuhörern nach dem Vortrag noch Redebedarf, wie die rege Diskussion zum Abschluss des Abends zeigte.

Weitere Informationen: Der nächste Vortrag im Rahmen des Studium Generale findet am 6. Juni ab 18 Uhr an der DHBW Lörrach, Hangstraße 46-50, statt. Dabei geht es mit Bernd Villhauer vom Weltethos-Institut Tübingen um das Thema „Digitalisierung und Ethik“. Alle Termine finden Interessierte im Internet unter www.dhbw-loerrach.de.

 
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