Kreis Lörrach „Im Notfall mal Krach schlagen“

Uehlin-Häuser, Fußgängerzone und das „Schatzstübli“ der AWO: Das waren die wichtigsten Stationen bei der alljährlichen Sommervisite des SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger in der Markgrafenstadt. Es war bereits die 19. ihrer Art.

Von Werner Müller

Schopfheim . In Begleitung des Schopfheimer SPD-Fraktionsvorsitzenden Artur Cremans zeigte sich der Landespolitiker vom Ausbau der Scheffelstraße in eine Fußgängerzone sehr angetan. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, erklärte er gestern Vormittag bei einem kurzen Rundgang. Die Innenstadt sei voller Leben und biete viel, meinte Stickelberger und stellte unter Anspielung auf ein lokalpolitisches Dauerthema die Frage, ob eine Ausweitung der Fußgängerzone beispielsweise auf die Hauptstraße nicht auch Sinn machen würde. „Eine Gesamtlösung“, so der SPD-Politiker, „wäre schon gut“.

Uehlin-Häuser

Mit Blick auf den Streit zwischen Landesdenkmalamt und Stadt um die Zukunft der Uehlin-Häuser (Abriss oder Erhalt) forderte Stickelberger ein „ausgewogenes Maß“ zwischen Denkmalschutz und Wirtschaftlichkeit. Im Falle eines Erhalts der alten Gemäuer stelle sich schon die „Kernfrage“, wie da eine sinnvolle Nutzung zu erreichen wäre.

AWO-Schatzstübli

„Beeindruckend“ fand der Landtagsabgeordnete, was er im Sozialkaufhaus der AWO zu sehen bekam. Das „Schatzstübli“ sei eine wahre „Fundgrube“, schwärmte Stickelberger und hob besonders die Vielzahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter hervor.

Zuvor hatten Ladenleiterin Jutta Leininger, AWO-Kreisvorsitzende Hannelore Nuß und AWO-Kreisgeschäftsführerin Ina Pietschmann die kleine Delegation durch den Laden geführt und dessen nachhaltiges Konzept erläutert.

Das Schatzstübli, das im Dezember 2018 seine Pforten öffnete, nimmt, wie berichtet, gebrauchte Waren aller Art an, verkauft sie wieder zu günstigen Preisen und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen trägt das Sozialkaufhaus zur Müllvermeidung bei, zum anderen versorgt sie Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, mit günstigen Gebrauchsgegenständen, Textilien und Haushaltswaren.

„Wir bekommen jeden Tag extrem viel Waren“, berichtete Ladenleiterin Jutta Leininger. Nicht alles könne man annehmen, zum Teil seien die angelieferten Artikel auch verschmutzt oder irreparabel beschädigt.

Insgesamt laufe der Laden „wunderbar“. Hier finde man auch Dinge, „die es sonst nicht mehr gibt“ – von alten Schallplatten bis hin zu Schreibmaschinen. Einkaufen könne jeder, es gebe keine Beschränkungen (Sozialschein).

Müllproblematik

Gleichwohl treibt die AWO, die neben Schopfheim auch in Rheinfelden und in Grenzach-Wyhlen ein Sozialkaufhaus betreibt, ein Problem um – die Müllentsorgung. Nicht alle angelieferten Artikel sind wiederverwertbar, sondern müssen entsorgt werden. Das gleiche gilt für Utensilien, die sich als unverkäuflich herausstellen.

„Wir sind eigentlich eine Müllvorsortierungsanlage“, so Ina Pietschmann und Hannelore Nuß, „und nehmen dem Landkreis damit Arbeit ab“, Der revanchiert sich allerdings nicht. Die AWO-Frauen ärgert, dass sie ihre Waren auf den eigentlich dafür zuständigen Recyclinghöfen oft nur teilweise oder gar nicht los kriegen und statt dessen in die Mülltonne stopfen müssen. Das kostet richtig Geld : Auf rund 4500 Euro summieren sich die jährlichen Müllgebühren.

Der Landkreis habe bisher alle Versuche, der AWO diesbezüglich entgegenzukommen, abgeblockt, so die verärgerten AWO-Frauen. Sie fordern entweder eine „finanzielle Unterstützung“ oder zumindest die Garantie, dass sie ihre überschüssigen Waren auf den Recyclinghöfen entsorgen können.

Bei Rainer Stickelberge rannten sie damit offene Türen ein. Die Gebührenfrage sei aufgrund der einschlägigen Satzung eventuell schwierig zu lösen, gab er zu bedenken. Die Annahme des Materials auf den Recyclinghöfen hingegen sei eigentlich „eine Selbstverständlichkeit“. Er versprach denn auch, in dieser Angelegenheit nachzuhaken und „im Notfall auch mal Krach zu schlagen“.

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