Kreis Lörrach Impfung gut überstanden

Kreis Lörrach - In den Alten- und Pflegeheimen im Landkreis gibt es in diesen Tagen ein überragendes Thema: Die Impfung gegen das Coronavirus. Die Akzeptanz unter den Bewohnern reicht an die hundert Prozent. Dagegen bleiben einige Mitarbeiter bis jetzt noch skeptisch. Doch wächst auch unter ihnen die Bereitschaft, sich freiwillig impfen zu lassen. Dies ergab eine Umfrage unserer Zeitung.

Die Vorreiterrolle übernahm das Seniorenzentrum Mühlehof in Steinen. Dort wurden bereits am 30. Dezember insgesamt 140 Bewohner und Mitarbeiter geimpft. Als erste Kreiseinwohnerin ließ sich die 88 Jahre alte Doris Wöppel das Serum vom Allgemeinmediziner Harald Dörr spritzen (wir berichteten). „Alle haben die Impfung gut überstanden“, bestätigt Ärztin Birgit Petersen-Mirr als Vorsitzende der Seniorengenossenschaft Steinen, zu der der Mühlehof gehört. „Wir sind jetzt in der Vorbereitung des zweiten Impftermins und können dabei auf die Logistik des ersten Durchgangs aufbauen.“

„Bisher keine Infektionen“

„Wir sind froh, dass wir bisher keine Infektionen hatten“, berichtet Tilman Steinmann, Leiter der Seniorenresidenz „Gevita“ in Lörrach. Er bestätigt: „Wir befinden uns in der Vorbereitung mit dem Mobilen Impfteam (MIT).“ Der exakte Termin stehe allerdings noch nicht fest.

Steinmann geht von einer hohen Impfquote aus. Unter den Bewohnern werde sie bei voraussichtlich etwa 95 Prozent liegen. Hingegen könne bei den Mitarbeitern noch keine Quote angegeben werden, „da hier noch die Abfrage mit Informationsgesprächen läuft. Wir hoffen aber auch hier auf eine sehr hohe Akzeptanz.“

Unterdessen wird in der Residenz bedauert, dass Menschen im Betreuten Wohnen nicht durch das MIT vor Ort geimpft werden. Die Impfstrategie des Landes schließe dies bisher aus. Nahezu sämtliche Bewohner dieses Bereichs fallen laut Steinmann in die Kategorie I (über 80 Jahre). Das Aufsuchen des Impfzentrums sei für viele nicht oder nur unter sehr erschwerten Bedingungen möglich.

Nach seiner Ansicht wäre es logistisch für alle Beteiligten sehr viel einfacher, wenn auch dieser Personenkreis in einem Zug mit dem Bereich des Pflegeheims geimpft werden könnte. „Wir hoffen, dass es hier zu einem Umdenken und damit zu einem Strategiewechsel kommt“, so der Hausleiter.

Altenwerk: Kaum Beschwerden

Auch Martin Strittmatter von der Hausleitung des Evangelischen Altenwerks Lörrach unterstreicht: „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass insbesondere in den betreuten Wohnanlagen, den Servicewohnanlagen und anderen Wohnformen keine zentralen Termine zur Impfung angeboten werden, obwohl hier – zumindest in unseren Wohnanlagen – ein Großteil der Mieter die 80 überschritten und zumindest teilweise Schwierigkeiten hat, mit dem aktuellen Verfahren eine Impfung zu erhalten.“

Im Haus des Altenwerks befindet sich gegenwärtig ein Bewohner in Quarantäne. Unter den Mitarbeitern, so Strittmatter, gebe es Infektionen „im geringen Umfang“, die jedoch nicht zu weiteren Übertragungen geführt hätten.

Beim ersten Impftermin im Altenwerk – ausgeführt am 9. Januar vom Impfzentrum Freiburg – verabreichte der Lörracher Allgemeinmediziner Harald Dörr die Dosis an etwa 90 Prozent der Bewohner und 40 Prozent des Personals. Es habe bislang „wenig Meldungen“ über Beschwerden hinsichtlich der durchgeführten Impfungen gegeben.

"Niemand darf zur Impfung gezwungen werden"

Beim Personal, so Strittmatter, herrsche keine absolute Ablehnung gegenüber der Impfung, jedoch werde mehr Aufklärung erwartet. Insbesondere bestünden noch Bedenken hinsichtlich eventueller Spätfolgen und der Verträglichkeit des Serums. Zum Teil sprächen persönliche medizinische Gründe gegen eine Injektion.

Strittmatter kritisiert im Zusammenhang mit der Impfung einen „großen administrativen und bürokratischen Aufwand, der in dieser besonderen Zeit zusätzlich schwer zu bewältigen ist“. Im Übrigen dürfe niemand zu einer Impfung gezwungen werden. Die aktuelle Diskussion darüber sei „kontraproduktiv“.

St. Josefshaus: 99 Prozent

Im Wohn- und Pflegehaus Peter und Paul des St. Josefshauses Herten sowie im angeschlossenen Seniorenzentrum in Efringen-Kirchen wurde zusammen mit dem für die Logistik zuständigen Impfteam aus Freiburg am vergangenen Donnerstag geimpft. In Herten stimmten 99 Prozent der Bewohner und 70 Prozent des Personals zu. In Efringen-Kirchen willigten 90 Prozent der Bewohner und 45 Prozent des Personals ein.

Im Pflegeheim Markgräflerland – Träger ist der Landkreis – laufen die Vorbereitungen zur Impfung. Alle Ergebnisse einer routinemäßig durchgeführten Corona-Schnelltestung waren negativ – sowohl bei Bewohnern als auch bei Mitarbeitern. Die bereits bekannten Fälle konnten zwischenzeitlich aus der Isolation entlassen werden.

Lediglich ein Bewohner wird als Vorsichtsmaßnahme noch in Zimmerisolation betreut. Zwei weitere Bewohner werden im Krankenhaus behandelt. Die Quarantäne für ganze Wohnbereiche ist aufgehoben. Ab dem 18. Januar können grundsätzlich wieder neue vollstationäre Bewohner aufgenommen werden.

Testkapazität gesteigert

Weiterhin werden Bewohner einmal wöchentlich und Mitarbeiter zweimal wöchentlich getestet. Für Besucher wurden kurzfristig die Testkapazitäten auf sechs Termine für jeweils 40 Personen erhöht, die montags bis samstags durchgeführt werden. So kann der neuen Vorgabe entsprochen werden, nach der der Zutritt zur Einrichtung nur mit einem höchstens 48 Stunden alten negativen Schnelltest oder einem maximal drei Tage alten PCR-Test möglich ist. Insgesamt werden somit etwa 700 Testungen wöchentlich vorgenommen.

Für den Fall, dass erneut Covid-19-Infektionen auftreten sollten, verbringen die betroffenen Bewohner die Quarantäne in einem speziell eingerichteten Isolationsbereich, so dass auf den Wohnbereichen keine weiteren Isolierungsmaßnahmen mehr erforderlich sind. Nach einem Ausbruch Mitte November gab es unter den 208 Bewohnern des Hauses Markgräflerland insgesamt 80 Corona-Fälle. 23 Menschen verstarben. Beim Personal – bestehend aus 260 Personen – wurden 55 Infektionen nachgewiesen.

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