Kreis Lörrach In den Sommerferien arbeitslos

Die Oberbadische
Viele befristet angestellte Lehrer erhalten zum neuen Schuljahr wieder ein Einstellungsangebot. Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Während etliche Schüler in Baden-Württemberg den Sommerferien entgegenfiebern, kann von Vorfreude bei rund 3300 befristet eingestellten Vertretungslehrern nicht die Rede sein. Sie werden in die Arbeitslosigkeit entlassen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für die Kreise Lörrach und Waldshut hat deswegen heimischen Landtagsabgeordneten eine Resolution überreicht.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Insgesamt ist es mit drei Prozent nur ein kleiner Teil der Lehrer, die im Südwesten befristet beschäftigt werden, doch die Folgen für Lehrkräfte, Schüler und Schule sind nicht unerheblich, wie die Kommentare betroffener Lehrerinnen zeigen. Gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für die Kreise Lörrach und Waldshut haben sie am Montag den heimischen Landtagsabgeordneten Josha Frey (Grüne) und Rainer Stickelberger (SPD) eine Resolution mit fünf Forderungen überreicht.

Wie GEW-Kreisvorsitzende Anja Hanke berichtete, waren es zum Schuljahresende im heimischen Schulamtsbezirk rund 180 betroffene Lehrer. Das Novum: Laut Hanke wurde der Großteil von ihnen bereits zum Schulbeginn befristet eingestellt. Betroffen ist dabei insbesondere der Grund- und Sonderschulbereich, außerdem Vorbereitungsklassen für Migranten, wie zu erfahren war. Im Rahmen des Pressetermins sagte Gewerkschafterin Anette Eckstein, dass das Schulsystem ohne die Vertretungslehrer nicht mehr funktionieren würde. Angesichts des Lehrermangels könne das Verhalten des Landes nicht nachvollziehbar. Hanke monierte die unwürdigen Arbeitsbedingungen, die sich aus der „unhaltbaren Praxis der Entlassungen vor den Sommerferien und fehlender Perspektiven aufgrund nicht angebotenen Weiterqualifizierungsmaßnahmen ergeben würden“.

Verhalten des Landes ist nicht nachvollziehbar

Daher lautet eine Forderung der GEW, die Sommerferien für befristete Beschäftigte zu bezahlen und sogenannten Nichterfüllern, also Angestellten ohne grundständige Lehramtsausbildung, Qualifizierungsangebote zu unterbreiten.

Seitens des Landes wurde die seit Jahrzehnten übliche Regelung, Lehrer befristet zu beschäftigen, mit leeren Kassen begründet. Die Finanzlage hat sich mittlerweile geändert. „Die Steuereinnahmen sprudeln seit 2016 wie nie“, sagte Stickelberger, der dringenden Handlungsbedarf sieht und deutliche Kritik an der Regierungsfraktion von Grünen und CDU übte. Für das Jahr 2018 sei es zu spät, Änderungen herbeizuführen. Im Nachtragshaushalt müsse das nötige Geld aber eingestellt werden, forderte der SPD-Politiker. Für ihn sei die Kündigung zum Ende des Schuljahres ein Zeichen mangelnder Wertschätzung und überdies kurzsichtig für die Lehrerversorgung. Und weiter: „Die Regelung bringt Betroffene in eine prekäre Situation, schließlich müssen auch sie während der Sommerferien ihre Familien ernähren und Rechnungen begleichen.“

Einstellungsangebot zum neuen Schuljahr

Dass es auch anders gehe, zeigen Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Stickelberger erinnerte daran, dass auch die Referendare mit Beginn der Sommerferien arbeitslos werden. Laut GEW-Angaben kommt so eine Größenordnung von insgesamt 9000 Lehrkräften zusammen.

Die Mehrzahl der betroffenen Lehrer erhält zum neuen Schuljahr aber wieder ein Einstellungsangebot. Frey erklärte, sich schon seit vielen Jahren – auch in der Grünen-Landtagsfraktion – dafür einzusetzen, dass eine Lösung für die befristeten Lehrerstellen gefunden wird. „Dass Bewegung in die Sache kommt, ist daher umso erfreulicher. Den Vorstoß von Sandra Boser und Thekla Walker kann ich nur begrüßen.“ In einem Schreiben an Bildungsministerin Susanne Eisenmann (CDU) fordern beide Grünen-Abgeordneten Lösungsansätze, damit voll ausgebildete Vertretungslehrer nicht entlassen werden. Frey weiter: „Unsere Region im Dreiländereck ist besonders betroffen vom Lehrermangel, daher müssen auch Lösungen gesucht werden, womit alle Vertretungslehrer mit befristeten Verträgen langfristig die Voraussetzungen für eine Festanstellung erfüllen können.“

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