Kreis Lörrach In schweren Zeiten richtig handeln

Die Entwicklung eigener digitaler Strategien ist für die KMU während der Corona-Krise überlebenswichtig. Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - In der Digitalisierung liegt nicht das ganze Glück der Erde, wohl aber ist sie im Rahmen der Entwicklung neuer Strategien eine zentrale Säule fürs Überleben gebeutelter klein- und mittelständischer Betriebe. So lautet das Fazit eines virtuellen Vortrags- und Diskussionsabends auf Einladung des Wirtschaftsrats der CDU.

Hans J. Friedrichkeit, Sprecher der Sektion Lörrach/Müllheim/Bad Krozingen, formulierte die Frage provokant: „Wie kommen wir aus dem Schlamassel heraus?“ Die Corona-Pandemie bestimme das Zeitgeschehen und führe im Alltags- und Geschäftsleben zu großen Herausforderungen. „Die wirtschaftliche Stimmung ist gedrückt, jedoch ist klar: Jetzt nichts zu unternehmen, ist für die meisten Geschäftsmodelle keine gute Option.“

Jan-Arne Gewert, Experte für moderne Methoden des Managements und Leaderships, ermutigte im Dialog mit der Rheinfelder Betriebsleiterin Claudia Drescher, die Veränderungen des Marktes als Chance zu begreifen, um mit überschaubaren Innovationen signifikante Verbesserungen zu erzielen.

Wie kann etwa ein kleiner Digitalisierungsschub oder eine Erneuerung des Geschäftsmodells gelingen? Wie kann man lernen, mit mehr Zuversicht in die Zukunft zu schauen? Durch den Einsatz digitaler Technologien ändern sich nicht nur die Prozesse, auch die Arbeitswelt der Mitarbeiter wird neu gestaltet. Daher ist es wichtig, dass sich Firmen nicht nur mit technischen Fragen beschäftigen, sondern auch ihre Mitarbeiter auf den Wandel vorbereiten. Die Vermittlung von Fachwissen und richtigen Kompetenzen sowie die Einbindung in den Veränderungsprozess sind entscheidend, um neue Aufgaben erfolgreich zu meistern.

Gewert plädiert für ein „gemeinsames Werteverständnis“ der Beteiligten. Werte seien im Übrigen die Basis für Leitbild und Strategie. Sie sollten drei Bereiche abdecken: Zusammenarbeit/Kollaboration, Unternehmensleistung/Performance und den Bezug zur Unternehmensumwelt. Das Fazit des Referenten war: „Werte leiten das Handeln in Zeiten hoher Unsicherheit.“

In der Digitalisierung sieht Gewert die wichtigste Herausforderung. Deshalb spricht er von der „Digitalen sozialen Marktwirtschaft 2025“ und kommt zu dem Schluss: „Wir sollten ein Volk der Digital-Enthusiasten sein.“ Jeder sollte einen Gigabit-Anschluss haben. Kein Kind verlässt die Schule ohne digitales Rüstzeug.“

„Bärchen-Treff“

Als Beispiel für innovatives, unternehmerisches Handeln erwähnt Gewert den Rheinfelder Reisebüroinhaber Dietmar Braun. Aufgrund der Krise in seiner Branche hat er bereits im März des Vorjahres begonnen, ein Zusatzgeschäft aufzubauen: den „Bären-Treff“ mit Fruchtgummis. Braun wollte etwas auf die Beine stellen, das von Grund her dem Reisen entspricht, aber keine Konkurrenz ist – „etwas das Freude macht, etwas Schönes, das mit Genuss zu tun hat“.

Freilich räumt der Reisefachmann ein, dass es „nur“ eine lebensverlängernde Maßnahme sei, die die Unkosten „ein bisschen senkt“.

Ein weiteres Beispiel für Innovation war ein Schreiner, der normalerweise mit modernen Maschinen WC-Anlagen in großer Stückzahl produziert. Da allerdings kein Hotel und kaum eine öffentliche Einrichtung während des Lockdowns Sanitäranlagen renoviert, kam dem Meister die Idee, Labormöbel für Forschungs- und Klinik-Laboratorien herzustellen, die aufgrund der Pandemie am Limit ihrer Kapazitäten angelangt sind.

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