Kreis Lörrach Interessen in Einklang bringen

Der Südschwarzwald mit seinen Steilhängen, kurzen Vegetationsperioden und Allmendweiden unterscheidet sich in der Bewirtschaftung deutlich von anderen Kulturlandschaften. Daneben sorgt die aktuelle Förderpolitik nicht selten für Unmut bei den Landwirten. Auf Einladung des heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster hat sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Montag in Zell-Adelsberg ein eigenes Bild gemacht.

Von Michael Werndorff

Kreis Lörrach. Landwirt Fridolin Kummerer aus Adelsberg, der 15 Hektar in Steillagen bewirtschaftet, Landrätin Marion Dammann, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Bundestagsabgeordneter Armin Schuster, die Waldshuter Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller sowie Vertreter landwirtschaftlicher Institutionen empfingen Klöckner, um ihr die täglichen Herausforderungen vor Augen zu führen.

Für Landwirte, von denen im Landkreis nur noch 20 Prozent hauptberuflich tätig sind, sei es schwierig, Aufwand und Ertrag in Einklang zu bringen, meinte Dam­mann und erinnerte an die hohen Hürden bei der Beantragung der Dürrehilfe, von denen in diesem Jahr nur ganz wenige Betriebe profitierten. „Das lag am Land und an Vorgaben der Europäischen Union“, erklärte Klöckner. Dass die Lage schwierig sei, betonte auch Kummerer: „Wenn weitere Betriebe wegfallen, dann kann unsere Kulturlandschaft nicht mehr offengehalten werden.“

Und: Die typischen Weideflächen des Südschwarzwalds entziehen sich den Kategorisierungen aktueller Förderverfahren, weshalb es immer wieder zu Unstimmigkeiten bei der Feststellung der Bruttoflächen kommt, da die Definitionen die Besonderheiten der Flächen nicht berücksichtigen. Die Folge sei Frust bei Landwirten und Verwaltung, da diese die Programme umsetzen müssten, meinte Schuster. Kurzum: „Es droht langfristig der Verlust des Hauptmerkmals der Biosphäre Schwarzwald – Gemeinschaftsweide und bäuerliche Kleinbetriebe auf Allmendweide mit gebietstypischer Vegetation.“ Und diese wolle man behalten, betonte Schäfer in der anschließenden Diskussionsrunde. In den Kriterien der ersten Säule der landwirtschaftlichen Förderstruktur sei man nicht vertreten.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte die Bundeslandwirtschaftsministerin, dass die Berechnung förderfähiger Flächen „unglaublich aufwendig und ehrlich gesagt übertrieben“ sei. Und zum Landschaftsbild: „Was wir hier vorfinden, gibt es in der gesamten Europäischen Union nicht. Wir müssen dafür werben, dass jede Region ihre Eigenarten hat“, sagte sie mit Blick auf die EU-Agrarpolitik. In Brüssel gehe es bei Verhandlungen immer um Verbündete, um Mehrheiten und Pakete. „Ich nehme das Thema mit und werde gemeinsam mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk besprechen, wie wir das adressieren können.“

Landwirte hätten schon immer Kritik an der Politik geübt. „Und immer ist das Ende der Landwirtschaft heraufbeschworen worden.“ Zwar gab es kein Ende, dafür aber einen Strukturwandel, und Verbraucher stellten immer mehr Ansprüche an Landwirte und Produktion, wobei sie Themen wie Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz in den Fokus rückten, sagte sie im gut besuchten Gemeindehaus. „Da ist die Landwirtschaft nur ein Akteur, andere müssen mitziehen, um Veränderungen zu erreichen“, sieht sie auch die Verbraucher in ihrem Einkaufsverhalten in der Pflicht.

Außerdem erklärte sie, dass das öffentliche Bild der Landwirtschaft nicht der Realität entspreche: „Mit mangelndem Wissen schwindet auch deren Wertschätzung.“

Mehr Insektenschutz

Vor dem Hintergrund des Agrarpakets der Bundesregierung, das für Proteste sorgt, machte die stellvertretende CDU-Chefin deutlich, dass es für die Landwirte zu Einschränkungen kommen wird: „Wir werden nicht umhinkommen, mehr für den Insektenschutz zu tun.“ Umweltschutz und Landwirtschaft müssten in Einklang gebracht werden.

Dafür soll es Ausgleichszahlungen geben, zudem stelle der Einsatz alternativer Pflanzenschutzmittel eine Option dar. Eine pauschale Ablehnung von Pestiziden sei im Aktionsprogramm indes nicht vereinbart worden.

Und was das Düngerecht angeht: Hier hinke Deutschland anderen EU-Staaten hinterher. So soll es aber ausschließlich in nitratbelasteten Gebieten zu Düngebeschränkungen kommen, antwortete sie einem besorgten Schweinezüchter aus dem Markgräflerland.

Dieser sprach auch die Ferkelkastration an, die seit diesem Jahr nur noch unter Betäubung erlaubt ist. Allerdings fehle es an Tierärzten. Laut Klöckner seien Ebermast und Impfung Alternativen. Gleichzeitig stelle man Geld für Narkosemasken und Schulungen der Tierhalter zur Verfügung. So könnten Bauern auch ohne den Einsatz von Tierärzten Kastrationen selber durchführen.

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