Kreis Lörrach „Jetzt geht mir eine Stalllaterne auf“

Ab heute ist wieder ein TKKG-Film im Kino zu sehen: (von links) Gaby (Emma Luise Schimpf), Karl (Manuel Santos Gelke), Klößchen (Lorenzo Germeno) und Tim (Ilyes Moutaoukkil). Foto: © 2019 Kundschafter Filmproduktion GmbH / Delta Film GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH

Kreis Lörrach - Dieses Jahr gibt es „TKKG“ satt: Im Sommer gibt es neue Bücher und Hörspiele der „Junior“-Serie, die sich an Grundschüler richten, ein neues Computerspiel, weitere Aufführungen des Jungen Theaters Bonn von „Freundschaft in Gefahr“, und heute erscheint ein neuer Kinofilm, der erzählt, wie sich die vier Detektive kennengelernt haben. Außerdem sind die vier Hörspielsprecher erstmals auch live zu erleben, wenn sie in 17 Städten ein „TKKG“-Hörspiel präsentieren.

Wie sich die Viererbande kennenlernte

Im heute erscheinenden Kinofilm werden zunächst Tim und Willi vorgestellt. Sie sind Zimmergenossen im Internat. Anfangs ist ihre Beziehung schwierig – zu groß sind die Unterschiede zwischen dem Unterschichten-Kind Tim und dem reichen Industriellensohn Willi. Als Willis Vater entführt wird, ändert sich das. Gemeinsam mit Karl und Gaby decken die Vier eine Verschwörung auf.

Erste Geschichten in „Tramp“-Büchern

Die Jugendserie „TKKG“ feiert dieses Jahr auch ihr 40-jähriges Bestehen. „Die ersten fünf Bücher wurden 1979 auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt“, sagt TKKG-Experte Hauße Preuß. Die ersten Abenteuer mit Tim, Karl, Klößchen und Gaby erschienen in sogenannten „Tramp“-Büchern, die 4,9 mal sieben Zentimeter groß waren und in jede Hosentasche passten. Herausgeber war der Pelikan-Verlag, der die Geschichten fortan als Hardcover-Ausgabe herausbrachte. „Pelikan suchte für sein neues Verlagsprogramm eine erfolgreiche Jugendserie, die sie als Marke aufbauen wollten. Im Wettbewerb hat sich als Autor Rolf Kalmucak durchgesetzt und als Illustrator Reiner Stolte“, ergänzt Preuß, der die Fanseite TKKG-Site.de betreut.

Kalmuczak veröffentlichte die Bücher unter dem Pseudonym „Stefan Wolf“. Der Autor war ein Vielschreiber, der nur ein „Dutzend „TKKG“-Bücher schreiben wollte. „Er war ein kreativer Autor, der viel Fantasie hatte“, sagt seine Frau Inka-Maria über ihren 2007 verstorbenen Mann. Mit Folge 117 („Alarm im Raubtierhaus“) endete die Buchserie, die ab Juni 2004 im cbj-Verlag erschien. Ab 2010 brachte der Verlag cbj avanti eine Neuauflage der ersten zwölf von Wolf geschriebenen Bände in Taschenbuchform plus sechs neue Bände heraus. Die „Wolf“- Bücher wurden überarbeitet, was manche Fans erzürnte. „Die Geschichten waren angestaubt, das Böse klischeehaft beschrieben und die Rolle der Gaby antiquiert", sagt Herbert Friedmann, der mit der Neufassung betraut war. Bei Wolf musste beispielsweise abends, wenn es dunkel wurde und damit spannend, Gaby auf Geheiß ihrer Freunde zu Hause bleiben.

Auch ausschweifende Beschreibungen wurden rausgestrichen, weil jüngeren Lesern laut cbj avanti die Geduld dafür fehle. „Ich habe gekürzt, gestrafft und modernisiert“, fasst Friedmann, der mit „Abzocke im Online-Chat“ auch ein eigenes TKKG-Buch verfasst hat, seine Aufgabe zusammen.

Schokofabrikanten-Sohn muss dick sein

Die Charaktere könnten unterschiedlicher kaum sein. Peter Carsten („Tim“) ist sportlich und der Anführer der Gruppe, Karl ist der spröde Computer-Nerd mit John-Lennon-Brille, Willi Sauerlich, „Klößchen“ genannt, ist der reiche Sohn eines Industriellen. „Die Mitglieder der TKKG-Bande waren dem Freundeskreis von Kalmuczaks Tochter Inka nachempfunden“, sagt Hauke Preuß. Inka diente als Vorbild für Gaby. Dass Klößchen fettleibig ist, rechtfertigt er in „Erpresser fahren Achterbahn“ mit den Worten: „Wenn der Sohn eines Schokofabrikanten wie ein Spargel aussieht, kaufen die Leute die Schokolade nicht mehr, weil sie glauben, Sohnemann mag die Produkte seines alten Herrn nicht. Und sie schließen daraus messerscharf, dass die Schokolade nichts taugt.“ Und dann gibt es noch die von allen begehrte Gaby Glockner, aufgrund ihrer Tierliebe „Pfote“ genannt, deren Vater Kriminalkommissar bei der Polizei ist. Die vier Freunde besuchen die Klasse 9b eines Internats, in dem Tim und Willi auch wohnen („Adlernest“). Unterstützt werden sie von Oskar, einem schwarz-weißen Cocker-Spaniel. Ermittelt wird in der „Millionenstadt“.

Das Schönste an der TKKG-Bande ist, dass sie so schwätzen dürfen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. In denen von Wolf geschriebenen Büchern und in den Hörspielen wartet man förmlich darauf, dass wieder ein Wort oder eine Redensart aus der Jugendsprache auftaucht. Das Fahrgeschäft „Breakdancer“ wird bei den vier Freunden zur „Brechschleuder“, Raucher sind für sie „Schlotheinis“. Einmal sagt Tim: „Jetzt geht mir eine Stalllaterne auf.“

Kritik gab es an der Serie aber auch. Volker Beeck sagte einmal, TKKG bediene konservative Geschlechterklischees, und der Kulturwissenschaftler Jean-Philipp Baeck stellte fest, der Täter steht von vornherein fest, habe lange Haare, rauche und sei ein „Penner“ oder Ausländer.

Und was ist das Lieblingshörspiel von Hauke Preuß? „Folge 90 ’Schmuggler reisen unerkannt’ - wegen der wunderbaren Gewitteratmosphäre. Es war mein erstes modernes TKKG-Hörspiel. Es ist ganz anders als die ersten Folgen“, sagt der TKKG-Experte.

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