Kreis Lörrach „Jetzt werden wir uns aber reinhängen“

Verteilten auch gestern die Postkarten (v.l.): Brigitte Spitz, Silvia Waßmer, Karl Argast und Nadja Eichin. Foto: Marco Fraune Foto: Die Oberbadische

Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Die IG Pro Schiene Dreiland lässt den Ankündigungen Taten folgen. Die Orientierung des Fahrgastverbandes weitet sich aus dem Wiesental in Richtung gesamtes Dreiländereck aus. Gestern bezogen die Bahnfreunde für den Autoreisezug Position. Auch weitere Themen sind im Köcher, wie der Vorsitzende Karl Argast durchblicken lässt.

Knapp 80 Postkarten haben die Mitglieder der Interessengemeinschaft am vergangenen Samstag einsammeln können. Beschrieben wurden diese von Nutzern des Autoreisezuges in Lörrach. „Wesentlich bequemer“ sei dieser, lautete der Grundtenor, hat Argast schon die Karten ausgewertet, wie er an der Verladestation gestern erklärte. Der Gewinn an Reisezeit überwiege deutlich gegenüber dem stattlichen Preis, ist dort weiter zu lesen. Der Erholungsgrund wurde speziell auch von Motorradfahrern angegeben, weiß Argast. Ebenso wie die Autofahrer würden diese auch einen Urlaubstag durch den Autoreisezug gewinnen, so die Wahrnehmung.

Adressat der Postkarten ist Bahn-Chef Rüdiger Grube. Denn: „Für uns ist das ein völliges Unding“, kritisiert der IG-Pro-Schiene-Vorsitzende die Pläne der Bahn, den Autoreisezug bis womöglich 2017 vollkommen aufs Abstellgleis zu stellen. „Das macht für uns keinen Sinn.“

Schon im Februar hatte sich Günter Schlecht, SPD-Kreisrat und Betriebsratsvorsitzender DB Fernverkehr, gemeinsam mit anderen Genossen für den Fortbestand des Autoreisezuges Hamburg-Hildesheim-Lörrach ausgesprochen. Dabei übten sie gemeinsam mit dem Hamburger DB-Gewerkschafter Joachim Holstein, wie jetzt die IG, den Schulterschluss mit Hamburger Gewerkschaftskollegen – mit dem Verweis auf konkrete Zahlen aus dem Jahr 2013: Demnach sind in Lörrach mit dem Autoreisezug 10 633 Autos und 3333 Motorräder angekommen. Auf der Abreise-Seite standen 10 658 Autos und 2767 Motorräder.

Die Beschäftigten der DB European Railservice haben mittlerweile die Postkartenaktion „Rettet die Autoreisezüge“ ins Leben gerufen, bei der die IG Pro Schiene nun mitgewirkt hat. Damit wolle man zugleich verhindern, dass Überlegungen Realität werden, dass Autos auf Laster gepackt werden, um als Reise-LKW auf die Straße zu gehen. „Das ist für uns ein völliges Unding“, hält Argast gar nichts von solchen Plänen. Zahlreiche Laster statt eines Reisezuges müssten eingesetzt werden. Die Stadt und die Autobahnen würden damit mehr belastet. „Wohin mit den Reisenden?“, setzt er zugleich einen gezielten Denkanstoß.

Doch nicht nur das. Ein wenig selbstkritisch sieht der Vorsitzende, dass man doch recht lange zurückgehalten hat, bis die IG nun öffentlichkeitswirksam stärker Position für den Erhalt des Reisezuges bezieht. „Jetzt werden wir uns aber reinhängen.“ Bei den Bahn-Kunden renne man damit offene Türen ein. „Zu 75 Prozent handelte es sich bei den Teilnehmern der Postkartenaktion um Schweizer. Die haben überwiegend mit Unverständnis auf die Ankündigung reagiert, dass der Autoreisezug eingestellt werden soll.“ Auch gestern wurden am Gleis wieder Postkarten verteilt, um auch für Investitionen in neues DB-Wagenmaterial zu werben.

In den Blick gerät für die IG Pro Schiene neben dem Autoreisezug auch der vielfach verwendete Begriff der Nachhaltigkeit. Dieser soll mit verschiedenen Positionierungen mit Leben gefüllt werden. So soll ab Herbst das Thema Güterverkehr wieder eine stärkere Beachtung bei den Bahnfreunden finden. Den Ausbau der Oberrheinstrecke hat Argast ebenso im Blick. Nach den Feierlichkeiten des 30-jährigen Bestehens der IG und den Ankündigungen soll nun die Arbeit anstehen.

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