Kreis Lörrach JIT

Die Oberbadische, 09.02.2018 19:50 Uhr

Ohne besonderes Aufsehen in der Öffentlichkeit zu erregen, floriert der Drogenhandel im Dreiländereck. „Friedlingen ist der Umschlagplatz, um Drogen in Europa zu verteilen“, berichtet Klaus Kotz, stellvertretender Leiter des Kriminalkommissariats Lörrach, im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit einer Neuauflage der deutsch-französischen Ermittlungsgruppe JIT (Joint Investigation Team) unter Beteiligung der Schweiz könne gegengesteuert werden.

Ein Joint Investigation Team (JIT) ist eine auf Zeit für einen bestimmten Fall eingerichtete Ermittlungsgruppe unter Beteiligung von Behörden aus zwei oder mehr EU-Mitgliedstaaten. Die Einrichtung eines JIT erfordert eine für den Einzelfall abgeschlossene Vereinbarung der beteiligten Länder. Es beruht auf Artikel 13 des im Jahr 2000 abgeschossenen EU-Übereinkommens über die Rechtshilfe in Strafsachen. Nicht-EU-Staaten können sich an einem JIT mit Zustimmung aller sonst Beteiligten anschließen.

Fotostrecke 2 Fotos

Quelle: wikipedia.de

Von Marco Fraune

Weil am Rhein. Auf die Frage, wie der Drogenhandel in Friedlingen genau organisiert ist, legt Klaus Klotz direkt mit der Problemlösung los. Schnell wird deutlich, dass der Kriminalkommissar die Probleme gerne mit der Wiederbelegung der JIT schnell anpacken würde. Schließlich war er maßgeblich vor einigen Jahren an einer der größten Aktionen gegen die albanische Drogenkriminalität beteiligt. Bis Mitte 2013 wurden 100 Haftbefehle in den drei Ländern vollstreckt, Rauschgift im dreistelligen Bereich sichergestellt und 450 Polizisten waren zeitgleich bei Großaktionen im Einsatz. Möglich gemacht wurde dies durch das JIT, an dem sich neben Deutschland und Frankreich auch via Rechtshilfe das Nicht-EU-Land Schweiz beteiligte. Damit konnte dem grenzenlosen Treiben der Albaner eine nicht an Grenzen stoppende Ermittlungs- und Fahndungsarbeit entgegengesetzt werden. Gelder von der EU machten die personalintensive Polizeiarbeit möglich. Von Nachhaltigkeit geprägt war diese aber nicht, wie Klotz konstatiert. Nach sechs Wochen setzten die Albaner ihr Treiben fort.

Aktuell fehle es einfach an Personal, hier stärker aktiv zu werden. „Wir können nur von einem Brennpunkt zum anderen springen“, verweist der Kriminalhauptkommissar auch auf Sonderermittlungsgruppen, die Sexualstraftätern oder auch Einbrechern auf der Spur sind.

„Läufer“ in Wettbüros

Vor etwa sieben Jahren tauchten in Friedlinger Spielhallen und Wettbüros erst einmal ohne besondere Beachtung durch die Polizei junge Albaner auf. Wie sich später durch V-Leute herausstellte, handelte es sich um „Läufer“, die in ärmlichsten Verhältnissen hausen und als völlig verschwiegene Drogenkuriere ihre Familien in den Herkunftsländern unterstützen. Während der drei Monate, für die ihre Aufenthaltserlaubnis gilt, fallen sie normalerweise nicht auf, da sie nur in bestimmten Lokalen sind und nur wenig Alkohol trinken, womit sie Vorgaben der Clanchefs einhalten.

„Nach drei Monaten werden die immer ausgetauscht“, erklärt Klotz das System. Nur die Schlüsselpositionen seien länger besetzt. Im Raum Weil sowie an der Grenze in der Schweiz und in Frankreich würden etwa 150 Albaner und Kosovaren leben, schätzt der Kriminalhauptkommissar. Dabei orientiert er sich an die JIT-Zeit, da es keine genauen aktuellen Erkenntnisse gibt. „Vermutlich kann das keiner sagen, wie viele da sind.“ Teilweise kommen Albaner auch einfach mit einer neuen Identität zurück ins Dreiländereck. Für 30 Euro gibt es in Albanien schon eine neue ID.

Umschlagplatz für Drogen

Flugzeug, Schiff, Auto, Tram oder Zug: Die Kriminellen schätzen die sehr guten logistischen Bedingungen im Dreiländereck. Von Friedlingen aus werden nach den Erkenntnissen der Ermittler Heroin aus Afghanistan und Marihuana vom Balkan dann in Europa verteilt. 100 Kilo Heroin wurden 2013 pro Monat gehandelt, wobei gestreckt die zehnfache Menge herausspringen kann. Ein Gramm kostet 35 bis 70 Euro. Klotz: „Die Läufer kriegen davon ein Apfel und ein Ei. Das große Geld machen die anderen.“ Wie viel Heroin derzeit im Umlauf ist, wisse man nicht. Mittlerweile würde eher auf Marihuana gesetzt, da diese Droge in Albanien angebaut werden kann.

Prognose für Friedlingen

Hoffnungslos hinsichtlich der Bekämpfung der Drogenkriminalität in Friedlingen ist Klotz nicht. Mit einer schlagkräftigen Truppe könne etwas erreicht werden, also dem JIT. Auch setzt er auf weitere Erfolge der „Sicherheitsinitiative Friedlingen“. Mit der Aufwertung des Stadtteils bestünden zudem Chancen, die Kriminalität weiter zurückzudrängen.

 
          0