Kreis Lörrach Junge Migranten als große Chance

Die Oberbadische
Jugendliche mit Migrationshintergrund sollen auf dem Arbeitsmarkt die gleichen Chancen haben. Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach. Jugendliche mit Migrationshintergrund sind laut einer Unternehmensbefragung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz benachteiligt. Die Bündnispartner des „Generationenfreundlichen Landkreises Lörrach“ dagegen haben durchweg positive Erfahrungen mit Auszubildenden mit Migrationshintergrund gemacht und setzen sich daher für mehr Chancengleichheit in der Ausbildung ein, heißt es in einer Mitteilung.

Bei der Sparkasse Lörrach-Rheinfelden hat fast ein Drittel der im vergangenen Jahr eingestellten Azubis eine ausländische Nationalität. Auch im St. Josefshaus, bei Energiedienst und bei der AOK Hochrhein-Bodensee wie bei den anderen Bündnispartnern würden seit Jahren junge Menschen mit Migrationshintergrund erfolgreich ausgebildet. Beim jüngsten Personal-Forum des Lokalen Bündnisses für Familie „Generationenfreundlicher Landkreis Lörrach“ bei der AOK in Lörrach ging es daher um die Integration von jungen Migranten im Arbeitsmarkt. Denn die Arbeitsmarktintegration wird neben einer modernen familienorientierten Personalpolitik als große Chance zur Fachkräftesicherung begriffen.

Kreis-Sozialdezernentin Elke Zimmermann-Fiscella informierte laut Mitteilung über die zu erwartende Entwicklung der Migration im Landkreis. Während der Migrantenanteil in Baden-Württemberg derzeit bei knapp 27 Prozent liegt, leben im Landkreis Lörrach zirka 50 000 Menschen mit Migrationshintergrund, was bedeutet, dass nahezu jeder vierte Bewohner des Landkreises einen Migrationshintergrund hat. Die Erwerbstätigkeitsquote bei Migrantinnen ist deutlich unterdurchschnittlich. Die Migrantinnen und vor allem auch die meist jungen und sehr motivierten Flüchtlinge können durch Unterstützungsmaßnahmen für den Arbeitsmarkt gewonnen werden.

Thomas Heß, beim Landratsamt Lörrach zuständig für die Schulentwicklung, habe in der Veranstaltung aufgezeigt, dass die Anzahl der Berufsschüler und der potentiellen Berufsschüler ohne Hinzunahme der jungen Menschen mit Migrationshintergrund deutlich rückläufig ist. Im Verhältnis Angebot und Nachfrage von Fachkräften ist die Region Hochrhein-Bodensee derzeit noch vergleichsweise gut aufgestellt. Für 2030 wird hier wie im gesamten Baden-Württemberg ein extremer Engpass prognostiziert.

Laut Michael Forouz-Mehr vom Jugendmigrationsdienst des Caritasverbandes Lörrach, der junge Migranten bei der beruflichen Integration begleitet, ist die Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund aufgrund der unterschiedlichen nationalen, kulturellen und sozialen Hintergründe längst nicht mehr homogen. Die erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie dem Aufenthaltsstatus, den Sprachkenntnissen, dem Bildungsstand und nicht zuletzt spielt auch die Motivation dabei eine wichtige Rolle. Forouz-Mehr sieht es dringend erforderlich, die derzeit je nach Aufenthaltsstatus unterschiedliche Behandlung der Zuwanderer vor allem im Hinblick auf die sprachliche Integration zu korrigieren. „Denn gute Sprachkenntnisse sind die Grundvoraussetzung für die berufliche Ausbildung.“

Andrea Lutz, stellvertretende Geschäftsführerin der Wirtschaftsregion Südwest, sieht seitens der Wirtschaftsförderung des Landkreises Lörrach die Migration als eine der großen Chancen für den Arbeitsmarkt, um Wirtschaftskraft sowie Standortattraktivität des Landkreises Lörrach weiterhin zu stärken. Im Bündnis „Generationenfreundlicher Landkreis Lörrach“, ein Projekt der Wirtschaftsregion Südwest, würden sich die Bündnispartner bereits seit zehn Jahren erfolgreich für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen. Dazu gehört auch die Berücksichtigung neuer Lebenskonzepte.

Bündnispartner sind: Agentur für Arbeit, agentur:01, AOK Hochrhein-Bodensee, Badenova, Energiedienst, GP Grenzach Produktions, IHK Hochrhein-Bodensee, Jobcenter Lörrach, Kliniken des Landkreises Lörrach, Landkreis Lörrach, Lokales Bündnis für Familie in Rheinfelden, Sparkasse Lörrach-Rheinfelden, St. Josefshaus Herten, Wirtschaftsregion Südwest

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