Kreis Lörrach Arbeitsmarkt: Corona hinterlässt deutliche Spuren

Die Corona-Krise trifft vor allem unqualifiziertes Personal in Zeit und Leiharbeit (Archivfoto). Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - Am Arbeitsmarkt im Dreiländereck hinterlässt die Corona-Krise bereits deutliche Spuren. Hans Joachim Friedrichkeit, Sprecher der Sektion Lörrach-Müllheim des Wirtschaftsrates, hat diese Entwicklung zum Anlass genommen, um mit Horst Eckert, neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Lörrach, in einem öffentlichen Online-Chat unter anderem über den aktuellen Stand der Arbeitslosigkeit in der Region zu diskutieren.

Eckert war bestrebt, die seit April sprunghaft angestiegenen Arbeitslosenzahlen im Agenturbereich Lörrach-Waldshut in einen richtigen Kontext zu bringen. So sprach er von einem saisonuntypischen Zuwachs seit Beginn des Lockdowns im März, der nicht strukturell, sondern ganz klar durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bedingt sei.

Saisonaler Effekte fällt aus

„Normalerweise boomt unser Arbeitsmarkt im Frühling. Doch dieses Jahr gibt es diese saisonalen Effekte nicht. Corona hat auch unsere Wirtschaft gerade im Bereich Tourismus, Gastronomie und Handel nahezu zum Erliegen gebracht. Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben wir 40 Prozent mehr Menschen in Arbeitslosigkeit“, erklärte Eckert. Insgesamt hätten sich im Monat Mai 637 Personen mehr arbeitslos gemeldet als noch im Vormonat.

Besonders hart getroffen hätte es unqualifizierte Arbeitskräfte in Leih- und Zeitarbeitsverträgen. Aber auch Soloselbstständige und Kleinunternehmer spürten den konjunkturellen Abschwung deutlich. Angestellte Fachkräfte seien dagegen generell weniger von den Auswirkungen der Pandemie betroffen.

Niveau der Finanzkrise 2009 bei Stellensuchenden

Zahlenmäßig bewege man sich bei den Stellensuchenden ungefähr auf dem Niveau wie bei der Finanzkrise im Jahr 2009. Im bundesweiten Vergleich hätten der Handel und das Handwerk im Dreiländereck größere Einbußen erlitten. Dies sei dem durch die Grenzschließung ausbleibenden Einkaufstourismus sowie Aufträgen aus der Schweiz geschuldet.

Eckert zeigte sich aber vorsichtig optimistisch, dass es mit den Lockerungsmaßnahmen und der Grenzöffnung für Handel und Handwerk in den kommenden Monaten bergauf gehe. Auch sei die Zahl der neu registrierten Arbeitslosen im Mai wieder auf die Hälfte des Niveaus vom Vormonat gefallen.

Über-Fünfzigjährigen am stärksten betroffen

Demografisch betrachtet, ergibt sich folgendes Bild: Die derzeit am stärksten von der Krise betroffene Personengruppe sind die Über-Fünfzigjährigen. Bei den Langzeitarbeitslosen sowie bei der Gruppe der Schwerbehinderten sei der Anstieg seit März moderat verlaufen.

Anschließend ging Eckert auf die aktuelle Situation bei der Kurzarbeit sowie auf dem Ausbildungsmarkt ein und präsentierte vorsichtige Prognosen für die weitere Entwicklung der Konjunktur im Sommer. Darüber berichten wir in der nächsten Ausgabe.

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