Die Kreiskliniken rechnen für die nächsten Jahre mit einem weniger starken Wachstum bei den Patientenzahlen als bislang. Da die kommenden acht Jahre noch drei Krankenhäuser betrieben werden, muss zugleich für die Modernisierungen tief in die Tasche gegriffen werden.

Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Obwohl die Auswirkungen der seit Jahren größten Krankenhausstrukturreform für den Geschäftsführer der Kreiskliniken, Armin Müller, noch nicht absehbar sind, seien einige finanzielle Schmerztaten doch wohl abgewendet worden, bei anderen müsse mit einem Minus gerechnet werden. Konkret: Der Versorgungszuschlag-Wegfall konnte verhindert werden, womit die 600 000 Euro weiter fließen. Bei dem Landesbasisfallwert gibt es hingegen in Baden-Württemberg für nächstes Jahr wohl weniger Geld als die tariflichen Erhöhungen kosten. „Das macht uns ein wenig Kummer.“

Insgesamt entfallen laut Plan 2016 insgesamt gut 62 Millionen Euro auf Personalkosten, 29,5 Millionen auf Sachkosten, wobei davon 4,2 Millionen Euro für die Instandhaltung vorgesehen ist. Müller: „Das ist notwendig, um wettbewerbsfähig zu sein.“ Die Aufsichtsratsvorsitzende der Kreiskliniken, Landrätin Marion Dam-mann, betonte im Verwaltungsausschuss, dass mit einem Weiterbetrieb der drei Standorte in Lörrach, Schopfheim und Rheinfelden über die nächsten acht Jahre gerechnet werde, bevor „ein wie auch immer gearteter Neubau“ ansteht. Erst einmal müssen also aus dem laufenden Betrieb Investitionen teilweise gestemmt werden.

Das Geld soll auch weiterhin über steigende Patientenzahlen fließen, wobei der Kliniken-Geschäftsführer mit einem geringeren Wachstum rechnet. Rund 21 900 Patienten statt in diesem Jahr etwa 21 700 werde es laut Plan. Zu der Steigerung beitragen sollen die Eröffnung eines weiteren OP-Saals sowie die partielle Öffnung einer weiteren Station, also zehn neue stationäre Betten in Lörrach. Ob diese beiden Maßnahmen umgesetzt werden, steht aber erst nach der Bewertung der Reform fest.

Zwar wollen die Kreiskliniken auch nächstes Jahr eine schwarze Null schreiben, doch diese könnte mit knapp 740 000 Euro schlechter ausfallen als in diesem Jahr (plus 1,4 Millionen Euro). Als erfreulich bezeichnete Müller, dass auch die Zahl der Honorarkräfte deutlich reduziert werden konnte. Die Zahl der Vollzeitkräfte soll auch 2016 steigen, von 946 auf 953.

Lob von der Politik

Fraktionsübergreifend gab es im Verwaltungsausschuss Anerkennung für die Arbeit der kreiseigenen Kliniken. Wolfgang Roth-Greiner sieht die Optimierungsmöglichkeiten nun aber als ausgereizt an und setzt auf die bekannten Zukunftspläne. Als „Wermutstropfen“ bezeichnete Willibald Kerscher (Unabhängige), dass solch ein erheblicher Investitionsbedarf erwirtschaftet werden muss. Alexander Braun (CDU) lobte die Qualitätsverbesserungen bei zugleich ausbleibendem Personalabbau und steigenden Patientenzahlen.