Von Carolin Cordier

Kreis Lörrach. Heute steht eine Premiere an: In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein findet der erste „Internationale Tag der Mediation“ statt. Seit 2012 ist die Mediation in Deutschland gesetzlich geregelt und erlebt aufgrund der zahlreichen positiven Erfahrungen der Beteiligten eine immer größer werdende Verbreitung als Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktlösung.

In vielen anderen europäischen Staaten ist eine entsprechende Richtlinie der Europäischen Union seit längerem erfolgreich umgesetzt. Die Schweiz hat ebenfalls ein Mediationsgesetz, das die außergerichtliche Konfliktlösung fördert.

Der Fall: Die Schwestern Hanne und Hannah streiten um den großen Kürbis im Garten. Keine will verzichten, die Halbierung des Kürbisses kommt für beide als Lösung nicht in Frage. Auf Nachfrage wird klar, warum jede den ganzen Kürbis will: Hanne will eine Halloween-Figur schnitzen, Hannah will Kürbissuppe für ein Fest zubereiten. Die Schwestern einigen sich darauf, dass Hanne die Schale bekommt, nachdem Hannah das Fruchtfleisch entnommen hat. Hier wird das Prinzip der Mediation eindrücklich klar: Durch das Herausarbeiten der tatsächlichen Bedürfnisse der Schwestern lässt sich eine für beide zufriedenstellende Lösung finden, statt dass beiden ein vermeintlich „gerechter“ Kompromiss wie die Halbteilung aufgezwungen wird.

Bei Durchführung eines Mediationsverfahrens werden die Bedürfnisse der Beteiligten herausgearbeitet und im Ergebnis auch befriedigt. Dies ermöglicht Lösungen, die im Sinne aller Beteiligten sind und den Konflikt dauerhaft beilegen. Gerichtsverfahren enden dagegen häufig mit Kompromissen, die oft keine der Parteien zufriedenstellen.

Mediation ist ein strukturiertes Verfahren. Mediatoren sind allparteilich und neutral. Sie ermöglichen den Konfliktparteien, im geschützten Rahmen miteinander ins Gespräch zu kommen, sich gegenseitig zu respektieren und hinter den verfochtenen Positionen ihre Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche zu erkennen. Die Regelung des Konfliktes wird mit Unterstützung des Mediators von allen am Konflikt Beteiligten gemeinsam und eigenverantwortlich erarbeitet und im wechselseitigen Einverständnis angenommen.

Gegenüber einem Gerichtsverfahren kann Mediation fast immer eine schnellere Lösung anbieten. Das Verfahren ist vertraulich und am Ende steht eine Vereinbarung, die alle Beteiligten zufrieden stellt. In den allermeisten Fällen können passende Lösungen gefunden und somit die privaten oder auch Geschäftsbeziehungen auch aufrecht erhalten werden. Als Grundregel gilt, je früher eine Mediation ansetzt, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

In Lörrach und Umgebung haben sich Mediatoren zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Das Netzwerk hat als Aufgaben, die Mediation im Landkreis Lörrach bekannt zu machen, eine Liste von Mediatoren in der Umgebung zu führen, die Vernetzung zwischen den Mediatoren zur gegenseitigen professionellen Unterstützung zu fördern und als Ansprechpartner und Interessenvertretung in Fragen der Mediation zu dienen (www.mediation-loerrach.de)

u Carolin Cordier ist Rechtsanwältin und Mediatorin in Lörrach.

Der Tag der Mediation wurde von den großen Mediationsverbänden in Deutschland und Verbänden der genannten Ländern ins Leben gerufen, um allen Interessierten Informationen über das Verfahren der Mediation anzubieten. Die Mediation zeichnet sich dadurch aus, dass die Beteiligten mit Unterstützung des Mediators ihre Bedürfnisse erkennen und die Lösungen individuell erarbeiten.