Kreis Lörrach Konjunktur lässt Steuern sprudeln

Die Oberbadische, 15.02.2018 16:32 Uhr

Die Steuereinnahmen im Landkreis sprudeln: Das gesamte Steueraufkommen ist im vergangenen Jahr auf 998 Millionen Euro gestiegen. Grund dafür ist die gute wirtschaftliche Lage. Zugleich hat die Zahl der Grenzgänger weiter zugenommen.

Von Adrian Steineck

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Kreis Lörrach. „Der Region geht es sehr gut“, zog Georg Tritschler, Leiter des Lörracher Finanzamts, gestern beim Pressegespräch ein Fazit. Der Aufschwung zieht sich durch nahezu alle Steuerarten. Das Aufkommen an Lohnsteuereinnahmen ist von 413 auf 426 Millionen Euro gestiegen, die Einkommenssteuer auf 556 Millionen (2016: 505 Millionen), und die Körperschaftssteuer hat dem Fiskus im vergangenen Jahr Einnahmen von 193 Millionen Euro beschert (im Vergleich zu 118 Millionen im Jahr 2016). Die „Schallmauer“ von einer Milliarde an Steuereinnahmen sei in den vergangenen Jahren niemals geknackt worden, erinnerte sich Manuel Fischer, der EDV-Hauptgeschäftsführer des Finanzamts.

Minus bei Umsatzsteuer

Eine Lörracher Besonderheit ist laut Tritschler das Minus bei der Umsatzsteuer. Zwar sind die Verluste von 482 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 339 Millionen zurückgegangen. Aber dennoch: „Wir unterscheiden uns mit diesem Ergebnis von allen anderen Finanzämtern.“ Gründe für das negative Umsatzsteueraufkommen sind zum einen die sogenannten kommerziellen Ausfuhren. Das bedeutet, das deutsche Niederlassungen von Schweizer Konzernen Produkte nach Deutschland – etwa zum Weitertransport ab dem Hamburger Hafen – einführen. Die dabei einfallende Einfuhrumsatzsteuer wird durch die Zollbehörden erhoben und fließt an den Bund. Zugleich kann sie aber von den Unternehmen als Vorsteuer im Rahmen der Umsatzsteuererklärung geltend gemacht werden. Die Einfuhren werden dann für steuerfreie Exporte, unter anderem in die Schweiz, verwendet. Im Jahr 2016 musste das Finanzamt Lörrach aufgrund dieser Umstände rund 980 Millionen Euro auszahlen.

Einkaufstourismus

Auch der Einkaufstourismus macht sich bemerkbar. Durch die Rückvergütung der Umsatzsteuer an Schweizer Kunden würden vor allem Einzelhändler steuerfreie Umsätze erzielen, zugleich aber die Umsatzsteuer auf die bezogene Ware als Vorsteuer geltend machen.

Wie viel das finanziell ausmacht, zeigt eine Berechnung der fiktiven Umsatzsteuer auf steuerfreie Umsätze: Dann wäre wohl auch die Schallgrenze von zwei Milliarden an Steuereinnahmen überschritten worden, lautete der allgemeine Tenor.

Warum sich das Minus bei der Umsatzsteuer im vergangenen Jahr von 482 auf 339 Millionen Euro verringert hat, konnte Finanzamtsleiter Tritschler mit Verweis auf das Steuergeheimnis auf Nachfrage nicht sagen.

Mehr Grenzgänger

Das Finanzamt Lörrach setzt jedes Jahr für mehr als 82 000 Steuerbürger die Einkommenssteuer fest. Davon sind gut 24 Prozent (knapp 24 000) Schweizer Grenzgänger, das heißt, sie beziehen ihren Lohn in der Schweiz. Diese Zahl hat im Vergleich zum Vorjahr noch einmal leicht zugenommen (Plus 650).

Digitalisierung

EDV-Hauptgeschäftsführer Fischer ging auch auf Elster ein, das Portal zum elektronischen Ausfüllen der Steuererklärung. Insgesamt würden bisher 60 Prozent aller Steuerbürger das Portal nutzen, allerdings nur 42 Prozent derjenigen, die keine Steuerberatung in Anspruch nehmen. „Hier ist noch Luft nach oben“, machte Fischer deutlich. Geplant sei, dass auch die Antwort des Finanzamtes auf dem digitalen Weg statt wie bisher per Briefpost erfolgen soll.