Kreis Lörrach Kreiskliniken kritisieren Klinik-Atlas

Maja Tolsdorf
Egal welcher Eingriff, der Bundes-Klinik-Atlas soll Krankenhausleistungen transparent machen. Foto: pixabay

Der Bundes-Klinik-Atlas soll für eine bessere Vergleichbarkeit der Krankenhausleistungen in Deutschland sorgen. Doch die Online-Plattform wird bemängelt, auch von den Kliniken des Landkreises Lörrach.

Es hagelt Kritik am Bundes-Klinik-Atlas, der seit 17. Mai online ist. Mehr Transparenz im Hinblick auf die Versorgungsleistung soll er bieten, was wegen falscher oder nicht nachvollziehbarer Daten allerdings kaum gelingt.

Auch die Kliniken des Landkreises sehen sich laut ihrer Sprecherin Sabine Graf nicht gut repräsentiert. Die Zahlen stimmen nicht, zudem ist auf dem Portal nicht sichtbar, auf welches Jahr sie sich beziehen, sagt Graf im Gespräch mit unserer Zeitung. Als Beispiel nennt sie beim Stichwort „Geburt“ das St. Elisabethenkrankenhaus, das mit den dort angegebenen 2062 Fällen erst nach dem Universitätsklinikum Freiburg (2217) gelistet ist. „Doch diese Fallzahl ist falsch“, sagt Graf. Denn im „Eli“ hat es 2302 Geburten im Jahr 2022 und 2082 im Jahr 2023 gegeben.

Geschlossene Klinik gelistet

Beim Suchwort Knieprothesen zeigt sich noch ein weiteres Problem beim Vergleich der Leistungen. Zum einen findet man die Kliniken des Landkreises nur, wenn man nach dem Runterscrollen auf „mehr laden“ klickt. Zum anderen taucht mit 109 Fällen noch das Kreiskrankenhaus Rheinfelden auf, das geschlossen hat.

Dem folgt das Kreiskrankenhaus Lörrach mit angeblich elf Fällen. „Das sieht so aus, als ob man in Lörrach gar keine Kompetenz in diesem Bereich hat“, sagt Graf. Dabei sei die orthopädische Abteilung mit Okba Al Marhi sehr gut besetzt. Denn der Chefarzt habe sich auf Sekundär-Operationen spezialisiert, sollte bei der ersten OP etwas schiefgelaufen sein. „Der Bundes-Klinik-Atlas in seiner jetzigen Fassung spiegelt nicht die Realität wider und hat deshalb noch großen Verbesserungsbedarf“, sagt Graf. Und auch der Verband leitender Krankenhausärztinnen und -ärzte (VLK) übt Kritik. Er schreibt in seiner Pressemitteilung, dass der „Klinik-Atlas des Bundes irreführend und voller handwerklicher Fehler ist“.

Das Gegenteil ist der Fall

Weiter heißt es, dass dieser mehr Transparenz im Hinblick auf die Versorgungsqualität bringen sollte, aber das Gegenteil der Fall sei. Etwa zwei Drittel der 50 vom VLK spontan befragten leitenden Ärzte sehen ihre Klinik nicht korrekt abgebildet und sogar teils mit grotesken Verzerrungen. Skeptisch zeigt sich auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz und befürchtet, dass Kliniken ihre Patienten künftig vorsortieren könnten, wie auf der Webseite tagesschau.de nachzulesen ist . Denn ältere Patienten mit Mehrfacherkrankungen würden oft längere Therapien brauchen, die am Ende trotzdem seltener erfolgreich seien.

Dem Nutzer erschließt sich die Aussagekraft der Daten aber ohnehin nicht auf den ersten Blick. Denn hohe Fallzahlen sind keine Garantie für gute Qualität, was der Bundes-Klinik-Atlas unter weiteren Informationen auch angibt. Doch sie gingen mit einem geringeren Risiko für Komplikationen und damit einer höheren Patientensicherheit einher, so die Erläuterung weiter. Spätestens beim Pflegepersonalquotient und seiner Bewertung stolpert der Nutzer, der sich über die Qualität der Krankenhäuser informieren will.

Pflegepersonalquotient wirft Fragen auf

Schließlich wünscht sich der Patient nach einer Operation eine gute Versorgung mit bestenfalls freundlichem Pflegepersonal. So erscheint unterm Suchstichwort „Geburt“ im St. Elisabethenkrankenhaus in Lörrach der Pflegepersonalquotient 40,21, der krankenhausweit sein soll. Im Portal hinzugefügt ist diesem die Bewertung „weit überdurchschnittlich“.

Dies soll die Zahl der Patienten pro Pflegekraft unter Berücksichtigung der Fallschwere sein. Je niedriger der Wert desto besser, heißt es weiter. Also kommen 40,21 Patienten auf eine Pflegekraft? Das klingt wenig attraktiv. Und selbst die Klinikensprecherin kann sich auf diesen Wert keinen Reim machen. Was sie sicher sagen kann: Der Pflegepersonalquotient hat mit dem Pflegefachkraftschlüssel nichts zu tun. Denn demzufolge kommt laut Graf tagsüber eine Pflegefachkraft auf zehn Patienten und nachts auf 20 Patienten. In der Intensivmedizin sei die Betreuungsdichte höher.

Kein schneller Überblick

Wenn ein Kreisbewohner rasch den Überblick über nächstgelegene Krankenhäuser sucht, scheint der Bundes-Klinik-Atlas ungeeignet.

Denn ganz unabhängig von der Krankheit bekommt der Nutzer zuerst Krankenhäuser in Freiburg oder Bad Krozingen angezeigt. Erst nach dem Runterscrollen zeigt sich das Angebot der Landkreise Lörrach und Waldshut.

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