Kreis Lörrach Kreiskliniken sind gewappnet

Noch ist von der vierten Corona-Welle in den Kreiskliniken nichts zu spüren. Foto: Michael Werndorff

Kreis Lörrach - Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts hat in Deutschland die vierte Welle der Corona-Pandemie begonnen. In den Kreiskliniken zeichnet sich der Trend noch nicht ab, wie Klinikensprecherin Marion Steger auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt.

Von Infektionen betroffen seien vor allem jüngere Menschen. In den Altersgruppen der Zehn- bis 49-Jährigen steige die Inzidenz seit Anfang Juli, geht aus der RKI-Statistik hervor. „Damit zeigt sich nun deutlich der Beginn der vierten Welle, die insbesondere durch Infektionen innerhalb der jungen erwachsenen Bevölkerung an Fahrt aufnimmt“, heißt es weiter.

Angesteckt hat sich ein Teil der Infizierten auch in Urlaubsländern, zum Beispiel in der Türkei, in Spanien oder auf dem Balkan. Das macht sich auch in Krankenhäusern bemerkbar. Es werden laut RKI deutschlandweit wieder mehr Corona-Patienten gezählt.

Kliniken sind gewappnet

Die Kreiskliniken sind für erneut ansteigende Patientenzahlen gewappnet. „Wie in der Vergangenheit gilt auch für die Zukunft, dass Erweiterungsszenarien für zunehmende Patientenzahlen vorbereitet sind. Wir setzen dabei auch auf die Impfung insbesondere unserer Mitarbeiter und sind froh, dass der überwiegende Teil inzwischen geimpft ist“, erklärt Steger.

In zurückliegenden Wellen mussten auch die Kreiskliniken planbare Behandlungen und operative Eingriffe verschieben. „Derzeit sehen wir diese Gefahr nicht, sind uns aber bewusst, dass sich dies auch sehr schnell wieder ändern könnte“, erklärt Steger. In der Vergangenheit stiegen die Wellen exponentiell an, was innerhalb sehr kurzer Zeit zu starkem Wachstum der Patientenzahlen führte.  Allerdings sei keine Welle wie die andere, und mit der Quote Geimpfter und Genesener spielten neue Größen eine entscheidende Rolle.

Variablen geändert

Die Variablen hätten sich im Vergleich zu den ersten Wellen geändert. „Inzwischen gibt es viele Geimpfte und Genesene, vulnerable Bevölkerungsgruppen sind fast durchgehend geimpft, die Jüngeren und Gesünderen erkranken nicht so schwer – die Hospitalisierungsrate ist davon abhängig“, erwidert die Klinikensprecherin auf die Frage, ob man mit einer vierten Welle rechne.

Externe Unterstützung

Die Pandemie hat laut Medienberichten auch dazu geführt, dass medizinisches Personal aufgrund der Dauerbelastung dem Beruf den Rücken gekehrt hat. Grundsätzlich bestehe leider der Trend, dass immer mehr Pflegende den Beruf verlassen – auch bei uns, so Steger. „Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, die Arbeitsbedingung insbesondere in der Pflege möglichst gut zu gestalten und weiter zu verbessern.“

Personell sei man mit Blick auf die Intensivpflege und einen eventuellen erneuten Anstieg an Covid-Patienten gerüstet. „Dabei greifen wir auch auf externe Unterstützung von Honorarkräften zurück.“

Vorübergehend positiv

Laut Experten ist die Impfung der wichtigste Baustein der Pandemiebekämpfung, da sie auch bei der mittlerweile vorherrschenden Delta-Variante vor schweren Erkrankungen schützt.

Gleichwohl kann eine Infektion nicht ausgeschlossen werden, wie sogenannte Impfdurchbrüche zeigen. Hier gelte es zu differenzieren, ob ein Patient trotz Impfung so stark an Covid erkrankte, dass er krankenhauspflichtig wurde, oder ob ein durchgeimpfter Patient wegen einer anderen Erkrankung im Krankenhaus behandelt und dabei im Rahmen des üblichen Testregimes zufällig covid-positiv getestet wurde – wie etwa eine über 80-jährige durchgeimpfte Person, die asymptomatisch, jedoch vorübergehend covid-positiv war, so Steger.

Seltener angesteckt

Seit 19. Juli gab es im Landkreis Lörrach 348 Neuinfektionen, von diesen sind nach Stand Freitag, 20. August, 305 ungeimpft und 43 sogenannte Impfdurchbrüche, wie Landratsamt-Sprecher Torben Pahl auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt.

„Bei allen diesen 43 Impfdurchbrüchen liegt laut Gesundheitsamt ein eher leichter oder teilweise auch symptomloser Verlauf vor. Bei einer Impfquote von 54,4 Prozent (Stand 15. August) vollständig geimpfter Personen im Landkreis ist dies doch ein deutlicher Hinweis, dass sich geimpfte Menschen sehr viel seltener anstecken.“

Das Thema „Impfdurchbrüche“ sei wichtig und werde auch vom Gesundheitsamt und vom RKI ständig beobachtet. Aber um die Wirksamkeit von Impfstoffen zu zeigen, sei es sehr viel aussagekräftiger auf andere Entwicklungen zu schauen, meint Pahl. Kaum eine Impfung schütze zu 100 Prozent vor Ansteckungen.

Blick auf Todesfälle

Daher werde es mit steigender Inzidenz und steigender Impfquote auch immer mehr Impfdurchbrüche geben. „Aber das zeigt eben auch, dass das allein nicht der Punkt ist, um den es vor allem geht. Vielmehr ist auf die Entwicklung der Intensivpatienten und der Todesfälle zu schauen“, macht Pahl deutlich. Und weiter: „Bei aller gebotenen Vorsicht bei der statistischen Interpretation der aktuellen Daten auf Landkreisebene sehen wir jedoch, dass es seit einem Monat im Landkreis Lörrach keinen weiteren Todesfall im Zusammenhang mit Covid-19 gab, trotz rund 350 Neuinfektionen in dieser Zeit.“

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