Kreis Lörrach Kult zwischen Strapsen und Corsagen

Laura Forstner
Das Show-Team: (v.l.) Benjamin als Brad, Danijela als Janet, Kursleiter Frank Wölfl; von hinten links: Runa als Columbia, Laura als Magenta, Leon als Frank‘n‘Furter, darunter Christian als Eddie und Robert als Erzähler. Foto: zVg/Danijela Landes

Von Laura Forstner

Wehr. Eine wilde Party. Strapse, High-Heels und die Feier der Erschaffung des blonden Lustknaben Rocky – all das hätten Brad Majors und Janet Weiss, das noch jungfräuliche frisch verlobte Paar, nicht erwartet, als sie in einer regnerischen Novembernacht an der Tür eines unheimlichen Schlosses klopfen, um Hilfe bei ihrer Autopanne zu erhalten.

Was die beiden unter lüsternen Aliens erleben, wissen die Anhänger der „Rocky Horror Picture Show“. Filmfans können es im Shadow Cast der VHS Wehr sogar am eigenen Leibe erfahren. Zu einer Vorführung am 31. Oktober plant die Gruppe, die Charaktere von der Leinwand zu holen und ihnen Leben einzuhauchen.

Nun also Wehr

Anhänger des Films treffen sich derzeit wöchentlich rund um Wehrer Kulturamtsleiter Frank Wölfl in der Stadthalle. „Es braucht Verrückte“, so Wölfl, dem man von der ersten Sekunde an die Faszination für den Kult anmerken kann. Mit seiner Idee des Shadow Cast, einer Gruppe, die das Geschehen parallel zum Film auf die Bühne bringt, will er den Kult nach Wehr holen.

Mitgerissen von der ansteckenden Begeisterung, trifft sich die bunt gemischte kleine Gruppe von aktuell sieben Akteuren wöchentlich in der Stadthalle in Wehr zwischen Kostümen und hohen Schuhen. Anders als von Wölfl angenommen, bereiten diese für den Frank’n’Furter der Gruppe keinerlei Probleme. Der großgewachsene Leon beweist wöchentlich problemlos sein Talent auf den hochhackigen Schuhen.

Ambitionierte Pläne hat Wölfl: Requisiten wie der Tank, in dem das Geschöpf Rocky das Licht der Welt erblickt, sollen synchron zum Film eingesetzt werden.

„I’m just a sweet transvestite“

Auf einen Tabubruch stoßen Brad und Janet bereits in den ersten Minuten im Schloss, als der außerirdische Wissenschaftler Dr. Frank’n’Furter hüftkreisend in Strapsen und Corsagen sein wahres Ich enthüllt - „I’m just a sweet transvestite“. In heutigen Zeiten mit amerikanischen Realityshows über Drag Queens und Sänger wie Harry Styles, der in Frauenkleidern das Cover der Vogue ziert, sicher kein Tabubruch mehr, in den siebziger Jahren im prüden Amerika und zur Zeiten beginnender Geschlechterverwirrung, man denke nur an Künstler wie David Bowie, umso mehr.

„Rocky Horror“ lässt sich nicht mit anderen pathosgeladenen Musicals à la „Phantom der Oper“ vergleichen. Bereits der erste Song „Science-fiction double feature“ klingt interessant, man weiß beim ersten Hören aber nicht, was er bedeuten soll. Alles Quatsch? Sicher nicht, vielmehr ein fast schon schwindelerregendes Zitate-Feuerwerk mit Anklängen an Science-Fiction- und Horrorfilme der 1930er- bis 1960er-Jahre wie etwa „Frankenstein“. Aber eine tiefsinnige Handlung kann das Musical rund um sexuelle Befriedung nicht vorweisen.

„Let’s do the time warp again“

Besonders wird die Geschichte durch ihre Interaktivität – die kostümierten Besucher in den mitternächtlichen Vorführungen des Films spielen in jeder Inszenierung mit. Über Hereinrufen, Mittanzen beim legendären „Time Warp“ oder dem Benutzen diverser Requisiten – der wissende Besucher weiß, wie er sich zu verhalten hat. Legenden besagen, dass David Bowies erste Frau, Angie, mit ihrem Zuruf „Nein, tu es nicht“, als Richard O’Brien auf der Bühne in der Rolle des Riff Raffs Frank’n’Furter mit einer Laserkanonen bedroht, die Zuschauerpartizipation begründete.

Manche Zurufe könnten schockieren. Wenn Susan Sarandon in der Rolle der Janet auf der Leinwand erscheint, wird „slut“ (Schlampe) gerufen. Einstellungen und Haltungen, die ehemals als befreiend wahrgenommen wurden, werden von der heutigen Generation zum Teil komplett anders interpretiert – Frank’n’Furters Offenbarungsarie, großartig gesungen von Tim Curry, wird in heutigen Zeiten als Angriff von einigen transsexuellen Zuschauern empfunden, wie die BBC berichtet. Zeiten ändern sich wahrlich, politische Korrektheit kann man dem Film allerdings nicht abverlangen.

„Don’t dream it, be it!“

Für die Veranstaltung in der Wehrer Stadthalle sucht die Gruppe noch Mitwirkende für den Shadow Cast. Es werden Lieder gesungen, die Choreografien einstudiert, die Szenen geprobt und dann im Playback live auf der Bühne nachgespielt – der schlechte Gesang wird nicht gehört, sagt Wölfl. Die Proben finden jeden Mittwoch ab 19.30 Uhr im Kulturamt Wehr statt.  Weitere Infos bei Kursleiter Frank Wölfl, Tel. 07762 / 808600 oder frank.woelfl@wehr.de; Karten für den 31. Oktober in der Wehrer Stadthalle in den Geschäftsstellen unserer Zeitung und bei Reservix

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