Kreis Lörrach „Landlust“ nutzen und inszenieren

Auch ein Fernsehteam interessierte sich für die Veranstaltung des Dehoga-Verbandes. Foto: Jäger Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach (jä). Die Perspektiven für die Gastronomie im ländlichen Raum waren Thema in der Dialogreihe „Rathaus trifft Wirtshaus“, die zum fünften Mal vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg zusammen mit dem Gemeindetag Baden-Württemberg veranstaltet wurde. Hervorgehoben wurde dabei auch die Bedeutung von Gasthäusern auf dem und für das Dorf.

Im „dasrößle“ im Todtnauer Ortsteil Geschwend, das durch die Initiative einer Genossenschaft als Dorfgasthaus gerettet wurde, trafen sich Bürgermeister aus dem Wiesental und dem Markgräfler Land sowie Gastronomen aus der Region, um in einem (verbalen) Sechs-Gänge-Menü über die Möglichkeiten zu diskutieren, wie das Gasthaus-Sterben auf dem Land aufgehalten werden kann.

Peter Schmid, Präsident des Dehoga-Verbandes Baden-Württemberg, betonte den großen Stellenwert eines Gasthauses im Dorf als Ort der Begegnung, der Gemeinschaft, für Feste und als ein Stück Heimat. Gerade die Bürgermeister seien durch ihre Verankerung in den Gemeinden besonders geeignet, den Erhalt der Dorfgasthäuser zu fördern, betonte Roger Kehle, Präsident des Gemeindetages Baden-Württemberg. Dorfgasthäuser könnten nur unter fairen und günstigen Rahmenbedingungen überleben. Hier könnten die Kommunen einen wertvollen Beitrag leisten, indem sie Vorschriften und Regelungen gastfreundlich gestalten und die Vermarktung unterstützen. Auch sei eine gute Zusammenarbeit mit den Vereinen zu fördern. Hier sollten sich die Wirte einbringen, wenn Veranstaltungen im Ort geplant werden.

Die Vereine machten viel für die Dörfer, darin war man sich einig, hier wünschte sich Peter Schmid jedoch mehr Chancengleichheit. Die Preise, die die Vereine für die Verpflegung verlangen, könnte die Gastronomie, die Mehrwertsteuer auf die Produkte und ihre Angestellten zahlen müsse, nicht bieten. „Wir müssen aufhören, übereinander zu reden, wir müssen miteinander reden“, so auch Roger Kehle.

Der Fachkräfte- und Mitarbeitermangel stellt gerade auf dem Land das größte Branchenproblem dar, und auch die Nachfolgeregelung gestaltet sich schwierig. Drei von fünf Existenzgründern scheitern, doch sei manches Scheitern auch hausgemacht, denn viele Gastronomen würden einen Betrieb eröffnen, ohne ein geeignetes Konzept zu haben, so Bürgermeister Christoph Hoffmann aus Bad Bellingen in der Diskussionsrunde. Schliengens Bürgermeister Werner Bundschuh meinte ebenso wie Hoffmann, dass alle schönen Wegweiser nutzlos seien, wenn die Gasthäuser am gleichen Wochentag geschlossen sind. Dass Ruhetage durchaus ihre Berechtigung haben, betonten die anwesenden Gastronomen.

Alleinstellungsmerkmale (wie die eigene Rinderzucht der Familie Mühl vom Gasthaus Hirschen in Präg), oder die Konzentration auf besondere Speisen seien für eine erfolgreiche Zukunft gute Ansätze, waren sich die Experten einig. Auch könnten Trends aufgenommen und Altbewährtes neu inszeniert werden. „Der Megatrend heißt ,Landlust’“, betonte Kehle. Diesen Trend müsse man sich zunutze machen. Der Dehoga-Präsident gab den Bürgermeistern mit auf den Weg, dass sie bei Ortskernsanierungen die Wirte mit einbeziehen sollten.

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