Kreis Lörrach Markus Manfred Jung auf der Suche

Gabriele Hauger
Markus Manfred Jung mit Birkenpilz Foto: zVg

Von Gabriele Hauger

Regio. Für seine alemannisch-hochdeutschen Kombi-Angebote in puncto Literatur ist der Autor Markus Manfred Jung bestens bekannt. Ein solch doppeltes Lese-Angebot für Freunde des Alemannischen bietet er nun auch zu einem auf den ersten Blick trivialen Thema: dem Pilzesammeln. Doch schon der Titel des neuen Buches weist auf eine Doppeldeutigkeit hin: „Vom Glück des Findens“. Wer Markus Manfred Jung kennt, weiß sogleich, dass sich dieser Titel nicht auf das pure Entdecken leckere Pfifferlinge oder Steinpilze bezieht.

Seit seiner Kindheit ist der in Zell geborene Schriftsteller ein begeisterter Pilzsammler, liebt es, durch den Wald zu streifen, alleine oder mit Freunden – dabei stets alle Sinne offen für Begegnungen und Entdeckungen aller Art. Die Begeisterung dafür wurde ihm wohl von seinem Vater in die Wiege gelegt, der ihn schon früh mit zum Pilzesammeln nahm.

33 Pilzgeschichten hat er nun in zweifacher Ausfertigung – Alemannisch und Standarddeutsch – veröffentlicht, angereichert mit ebenso vielen Fotografien der Pilze.

Ein Profi sei er in puncto Pilz nicht, bekennt Jung im ersten Kapitel. Gut auskennen tut er sich aber schon bei diesen mitunter leckeren „Waldgeschöpfen“. Rund 35 essbare Sorten immerhin kann er unterscheiden – und zubereiten. Viel wichtiger als das Finden ist ihm aber das Wandern durch die Wälder, abseits des Alltags und grüblerischer Gedanken. „Wenn ich in den Wald gehe..., dann jage ich keine Rekorde, dann nimmt mein hektisches und manchmal auch trauriges Leben eine Auszeit, verschwindet mit den ersten Atemzügen zwischen den Bäumen hinter mir, wird abgeschüttelt und kommt danach nie mehr so hart zurück, wie es zuvor gewesen war.“

In Markus Manfred Jungs Geschichten erfährt man viel über Aussehen und Vorkommen der Pilze, werden deren Form und Farbe geradezu liebevoll beschrieben. Und bei all den verschiedenen Schönheiten auch nicht die Erkenntnis verschwiegen, wie täuschend ähnlich ein giftiges Exemplar seinen leckeren Verwandten sehen kann. Zum Beispiel der Ölbaumtrichterling, der wie ein Pfifferling erscheint. Eigentlich kommt der Giftling ja eher in Südeuropa vor. Was Jung die Gelegenheit gibt, die Klimaerwärmung mahnend ins Spiel zu bringen.

Im Pilzbüchlein erzählt Jung Anekdoten aus der Kindheit, vom Vater, der Oma, dem Bruder oder der lecker kochenden Mama. Er gibt Tipps zur nötigen Ausrüstung. Und erzählt von mitunter skurrilen Begegnungen unter Pilzsammlern. Wie nebenbei erfährt der Leser so einiges zum Thema Pilze, Zubereitung, Vorkommen oder Giftigkeit. Der Pilz-Freund schwelgt in einem Kapitel vom wunderbaren Steinpilz, dass einem beim Lesen das Wasser im Mund zusammenläuft. Und man ist voller Respekt, wenn die grausigen Magenkrämpfe beschrieben werden, die einen nach dem Verzehren eines Satanspilzes befallen: Fegefeuer und Höllenqualen!

Beim Pilzesammeln wird der Blick fürs Kleine geschärft, zeigt sich die Bewunderung und Achtung für die Schöpfung: Käfer und Beeren auf Augenhöhe, kleine Maden und Moos, Zapfen oder verlorene Pilzmesser anderer Sammler. Gefunden hat Jung ganz zufällig auch solch Kostbarkeiten wie einen wohl 50 000 Jahr alten Mammutzahn. Finden kann man leider aber auch jede Menge Zivilisationsmüll.

Nach neu erlangtem Wissen über Boviste und Stäublinge, Semmelstoppelpilz und Scharfporling, weckt Jungs Buch unbändige Lust, sich sogleich selbst aufzumachen: Zum Sammeln, und Finden – von was auch immer. „Aber glücklich macht einen das Finden erst so richtig, wenn man eigentlich nichts gesucht hat.“   Markus Manfred Jung: „Vom Glück des Findens“, 128 Seiten, Drey-Verlag Gutach, 20 Euro  Buchvorstellung am Sonntag, 9. Oktober, 11 Uhr, in der Stadtbibliothek Schopfheim. Musikalische Untermalung durch Uli Führe

Umfrage

Kampfjets

Nachdem die Bundesrepublik nun doch Kampfpanzer an die Ukraine liefert, werden erste Forderungen nach Kampfjets laut. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Ergebnis anzeigen
loading