Kreis Lörrach „Menschen sehnen sich nach Stabilität“

Banges Warten: Am Sonntagabend war noch unklar, ob Takis Mehmet Ali in den Bundestag einziehen wird. Foto: Meller

Kreis Lörrach. Die Überraschung für Takis Mehmet Ali war groß. Nachdem es am Wahlabend noch offen war, ob er ein Ticket nach Berlin lösen konnte, war die Sache am Montagmorgen indes klar.

Auch zukünftig wird der Wahlkreis Lörrach-Müllheim drei Bundestagsabgeordnete haben. Anstelle der Grünen hat aber die SPD ein Mandat inne. Michael Werndorff hat mit dem neuen Bundestagsabgeordneten gesprochen, der bereits gestern Mittag im Zug nach Berlin saß.

Frage: Wie groß war die Überraschung, das gesteckte Ziel nun doch zu erreichen?

Ich habe es geschafft, allerdings sehr knapp. Ich kann mein Glück gar nicht fassen, denn am Sonntagabend war es noch nicht sicher. Die Hoffnung habe ich aber nicht aufgegeben, denn ich hatte den Gedanken, dass es bestimmt irgendwie klappen würde. Ich habe es übrigens Isabel Cademartori, die in Mannheim das Direktmandat holte, zu verdanken, dass ich aufgerückt bin.

Frage: Wie bewerten Sie das Ergebnis Ihrer Partei?

Wir sehen auf Bundesebene, dass sich die Menschen nach Sicherheit und Stabilität sehnen, aber den Wandel wollen. Diese Option haben wir mit Olaf Scholz und dem Wahlprogramm der Sozialdemokraten zur Verfügung gestellt. Und deshalb können wir auch die Stimmenzuwächse registrieren. In einer Ampel-Koalition aus SPD, Grüne und FDP wollen wir Stabilität bieten, da diese Parteien in der Wählergunst zugelegt haben. Im Wandel braucht es nämlich Sicherheit und Stabilität. Klar ist: In einer Ampel-Koalition kann die SPD ihre Ziele am besten umsetzen.

Frage: Und was trägt die FDP hierzu bei?

Mit den Liberalen kommt ein weiterer Personenkreis hinzu, der für die gesellschaftlichen Aufgaben und die Abbildung der Mitte angesprochen wird. Auf diese Weise können wir ganz viele Menschen mitnehmen.

Frage: Lassen Sie uns über Inhalte sprechen. Mit Hartz IV hat die SPD über Jahre hinweg gehadert. An dessen Stelle soll Ihrer Partei zufolge das Bürgergeld treten. Wie groß ist die Chance, das Vorhaben umzusetzen?

Die Chancen stehen gut! Wir werden überwiegend mit der FDP darüber reden müssen, weil die Ansätze dafür andere als bisher sind. Wer fordern will, der muss auch fördern – ­und das war im Hartz IV-System nicht der Fall. Wir haben viel zu sehr auf das Fordern gesetzt. Ich gehe nicht davon aus, dass die Sondierungsgespräche daran scheitern werden.

Frage: Die Liberalen haben rote Linien kommuniziert: Keine Steuerreform und ein Festhalten an der Schuldenbremse. Wie wollen Sie in diesem Fall auf einen Nenner kommen?

Für uns ist es wichtig, die schwachen und mittleren Einkommen zu stärken. Und wenn die FDP dafür eine bessere Lösung hat, das zu schaffen, indem wir nicht andernorts das Geld abzweigen, dann bin ich ganz offen.

Als Volkswirt weiß ich aber nicht, woher sie das Geld nehmen, wenn sie keine neuen Schulden aufnehmen und auch die Steuern für die sehr gut Verdienenden nicht erhöhen wollen. Die Herausforderungen müssen ja auch irgendwie bezahlt werden.

Frage: Werden Sie die Zelte in Badenweiler, wo sie leben, abbrechen? Oder wie wollen Sie den Spagat zwischen Berlin und Badenweiler schaffen?

Das werde ich erst kennenlernen müssen (lacht). Für mich ist es wichtig, vorrangig für den Wahlkreis zur Verfügung zu stehen. Daher werde ich meinen Wohnsitz selbstverständlich in Badenweiler behalten, um dann auch vor Ort zu sein.

Frage: Wie sehen die nächsten Schritte für Sie aus?

Ich warte jetzt erst einmal ab, wie es weitergeht. Gerne würde ich im Ausschuss für Arbeit und Soziales vertreten sein.

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