Kreis Lörrach Milchpreise sorgen für Kritik

SB-Import-Eidos
Beim Gang durch den offenen Kuhstall von Junglandwirt Jörg Kuttler erfuhren die Kreisräte von den Sorgen einer radikal dezimierten Berufsgruppe. Foto: zVg

Der öffentliche Nahverkehr könnte verbessert werden, der Wanderbus beibehalten, der Landwirtschaft bei der FFH-Ausweisung Kompromisse angeboten, und kulturelle Leuchttürme sollten lebensfähig gehalten werden: Der Katalog der Anregungen war sehr umfangreich, den Mitglieder der Kreistagsfraktion der Freien Wähler bei einem Ausflug zu Betrieben und Akteuren im Kreisgebiet mitnahmen.

Kreis Lörrach. Nach Schwörstadt und Dossenbach war nun das Kleine Wiesental das Ziel der Erkundungsfahrt. Dabei nahmen Beatrice Kaltenbach-Holzmann, Christine Trautwein-Domschat, Eduard Behringer, Martin Bühler, Philipp Schmid und Tonio Paßlick auch Anregungen mit, die als Vorzeigeprojekt Nachahmer in anderen Regionen des Kreises und im Land finden könnten, wie aus einer Mitteilung der Fraktion hervorgeht.

Antworten finden

Beim Treffen im Gemeindehaus Tegernau schilderte Melanie Mühlhäuser das Projekt „Im Tal leben – im Tal bleiben“, das Senioren einen Lebensabend im vertrauten Umfeld ermöglichen soll.

Mit zahlreichen Angeboten zur Selbsthilfe, Mobilität, Begegnungsmöglichkeiten und einer ehrenamtlich gesteuerten Betreuung wie beim Pflegebauernhof statt der Alternative Altersheim könnte die Gesellschaft selber Antworten auf drängende demografische und gesellschaftliche Entwicklungen geben. „Um Ehrenamtliche zu überzeugen, bedarf es guter Angebote, die hinreichende Flexibilität garantieren“, wusste Mühlhäuser aus Erfahrung.

Bislang konnten schon rund 50 Ehrenamtliche für das Konzept gewonnen werden. Eine hohe Zahl bei 3000 Einwohnern, von denen die meisten auf einer Fläche von 78 Quadratkilometern auf viele kleine Weiler und Einzelgehöfte verteilt sind, wie Bürgermeister Gerd Schönbett zur Begrüßung erwähnte.

Anspruchsvolle Aufgaben

Ohne nennenswerte Industrie und mit einem schmalen Budget muss die Gemeinde anspruchsvolle Aufgaben bewältigen. Dabei spart er auch nicht mit Lob für beispielhafte Kreis-Projekte wie den Zweckverband Breitbandversorgung. Er kenne viele Schwarzwaldgemeinden, die diese Herausforderung nicht bewältigen könnten.

Eduard Behringer ergänzte dies mit der Beschreibung der unkomplizierten Genehmigung des Wasserkraftwerks Tegernau vor neun Jahren, das Strom für 480 Haushalte produziert.

Beim Gang durch den offenen Kuhstall von Junglandwirt Jörg Kuttler erfuhren die Kreisräte von den Sorgen einer radikal dezimierten Berufsgruppe. Die Milchpreise brechen ein und werden diktiert, sagte der 37-Jährige. Sein Vater Werner erinnerte sich, dass 1977 noch 1400 Betriebe im regionalen Berufsverband vertreten waren – heute seien es nur noch 40. Argwohn empfinden sie bei den Kartierungen zur Ausweisung von FFH-Gebieten. Und Unverständnis bei der Akzeptanz des Wolfes – keine Zuständigkeit des Kreises, aber ein politisches Thema.

Generationenwechsel

Ein Generationenwechsel steht auch in der Sennhütte in Schwand an. Maximilian Grether hat die Küche des Restaurants übernommen. Vater Jürgen Grether schilderte in einer Runde mit den Kreisräten und Vertretern von Kultur und Gemeinde die vielen Investitionen in die Modernisierung des Hauses. „Bei der Pandemie sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte er. „Aber wir könnten unterstützt werden durch einen dichteren ÖPNV-Takt, also mehr als zwei Busse am Tag.“ Und vor allem mit der Erhaltung des Wanderbusses, so Grether.

Strategie vermisst

Vermisst werden einheitliche Strategien der Tourismus-Verbände. „Wir sind bei allen das fünfte Rad am Wagen.“

Das löste eine intensive Diskussion aus. Die Freien Wähler unterstützen eine flächendeckende Kooperation der Marketing-Verbände, für die Martin Bühler in einer von Tonio Paßlick moderierten Diskussion gute Ansätze sah, Christine Trautwein-Domschat gemeinsame Ziele einforderte und Philipp Schmid die Entwicklung von eingängigen „Marken“ für die Region vorschlug.

Brauchtum

Auch für einzelne überregional ausstrahlende Kulturveranstaltungen wäre das hilfreich. Das Brauchtumsfest in Raich gibt es seit 1976, die Vereinsvorsitzende Sonja Eiche fürchtet aber, dass das 50-jährige Jubiläum in vier Jahren nicht mehr angeboten werden könne.

In einem Dorf mit 300 Einwohnern organisieren 150 Ehrenamtliche ein Fest für 3000 Besucher. Das werde ohne Unterstützung immer schieriger. Immerhin wird es in diesem Jahr noch einmal am 18. September von 11 bis 16 Uhr veranstaltet, erfuhren die Kreisräte im Gespräch.

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