Kreis Lörrach Mit Herz und Leidenschaft

Die Oberbadische
Diana Stöcker wird ihr Kreistagsmandat nicht aufgeben, wie sie im Interview sagt. Foto: zVg

Diana Stöcker hat 25,3 Prozent der Erststimmen bei der Bundestagswahl 2021 erhalten und das Direktmandat der CDU im Wahlkreis Lörrach-Müllheim verteidigt. Im Gespräch mit Michael Werndorff zieht die neue Bundestagsabgeordnete nach gewonnener Wahl Bilanz.

Frage: Frau Stöcker, was überwiegt? Die Freude über das Direktmandat oder der Schock über das erneut schlechtere Wahlergebnis der CDU in Bund und Wahlkreis?

Natürlich überwiegt die Freude über das gewonnene Direktmandat und das klare Ergebnis mit deutlichem Abstand zum Mitbewerber. Das freut mich, da ich einen intensiven und hochengagierten Wahlkampf geführt habe.

Fünf Monate im Dauereinsatz habe ich versucht, überall bei den Menschen vor Ort meine Themen anzubringen und mich persönlich vorzustellen. Ein Direktmandat ist ein Auftrag der Bürger, und es freut mich, diesen erhalten zu haben. Jetzt kann ich mit Herz und Leidenschaft nach Berlin fahren, um die Interessen der Region zu vertreten.

Frage: Der Auftrag wurde aber nicht mit einer Bestnote vergeben. Der Abwärtstrend hält auch im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 bei den Stimmenanteilen weiter an.

Das kann man nicht vergleichen. Die Karten wurden komplett neu gemischt. In den vergangenen elf Jahren im Bundestag war Armin Schuster sehr präsent gewesen, der im Wahlkreis einen richtig guten Job gemacht hat. Die Kontinuität ist gegeben, und ich bin angesichts eines engen Rennens sowie der schwierigen Lage auf Bundesebene mit meinem Ergebnis sehr zufrieden.

Frage: Die CDU wird Lehren aus dem Wahlergebnis ziehen müssen. Was hätte Ihre Partei anders machen müssen?

Vorweg: Ich glaube, dass es eine Persönlichkeitswahl gewesen ist. Die Menschen, denen ich im Wahlkampf begegnet bin, haben weniger nach Inhalten, sondern vielmehr nach Spitzenvertretern gefragt und deren Schwächen thematisiert. Es wurde immer an Armin Laschet festgemacht.

Uns ist es nicht gelungen, Inhalte und die Stärken unseres Kanzlerkandidaten genug herauszuarbeiten. Für mich ist er ein Teamplayer und ein starker Kopf mit ausgezeichneten Führungsqualitäten.

Olaf Scholz hat indes von der Merkel-Ära und dem Wunsch nach Kontinuität profitiert sowie weniger durch Inhalte als durch Zurückhaltung geglänzt.

Frage: Stichwort Inhalte: Kritiker sagen, dass Ihre Partei auch inhaltlich nicht punkten konnte.

Im Wahlkampf haben wir sehr wohl klargemacht, an welchen zukunftsrelevanten Themen in Deutschland gearbeitet werden muss. Das zeigt schon der Blick in die Sofortprogramme – ­in meinen Augen sind diese sehr konkret, pragmatisch und überzeugend. Der Blick auf die letzten Regierungsjahre zeigt, dass wir vieles erreicht haben. Teilweise wird es von den Bürgern nicht wahrgenommen. Und ja, beim Thema Digitalisierung haben wir zu wenig gemacht. Deswegen haben wir auch gesagt, dass wir in diesem Bereich eine ordentliche Schippe drauflegen werden. In einer neuen Koalition werden wir die richtigen Schritte machen.

Frage: In Krisen können sich Themen, welche die Menschen bewegen, schnell ändern.

Stimmt. Das hat man in den letzten Wochen des Wahlkampfs gemerkt. Nicht nur die Corona-Krise hat aus Sicht der Bürger die Prioritäten verändert, hinzu kamen Umweltkatastrophen, die neue Aspekte auf die Agenda setzen.

Frage: SPD-Co-Chef Walter Borjans hat Laschet das moralische Recht auf eine Regierungsbildung abgesprochen. Was sagen Sie dazu, und wie geht es für Ihre Partei weiter?

Zunächst wird es Gespräche auf Bundesebene geben, und ich bin gespannt, mit welchem Ergebnis sie enden werden. Grundsätzlich kann ich mir sehr gut eine schwarz-grün-gelbe Koalition vorstellen.

Frage: Wie wird es persönlich für Sie weitergehen, auch mit Blick auf Ihre Ämter als Bürgermeisterin und Kreisrätin?

Heute und morgen bin ich erst einmal in Berlin, wo erste Gespräche stattfinden werden. Fest steht: Der Bundeswahlausschuss wird am 15. Oktober das Wahlergebnis offiziell feststellen. Solange bin ich noch Bürgermeisterin von Rheinfelden.

Mein Kreistagsmandat werde ich behalten. Auch hier haben mir die Bürgerinnen und Bürger im Kreis einen Auftrag gegeben, den ich gerne weiter für sie wahrnehmen möchte. Außerdem erdet es einen, wenn ich mich auch als Bundestagsabgeordnete kreispolitisch mit den Themen und Inhalten beschäftigen darf.

Frage: Haben Sie Ausschüsse und Funktionen im Blick, für die Sie Ihre Expertise einbringen wollen?

Das mache ich an den Themen fest, die ich mir auch für den Wahlkampf auf die Fahne geschrieben habe: inhabergeführte Unternehmen, Innovation und Technologietransfer sowie Soziales, Jugendbeteiligung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Ich sehe mich als Generalist, habe aber auch meine Schwerpunkte und bringe mich mit meinen Qualifikationen in die neue Fraktion ein.

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