Von Marco Fraune

Regio. Die „Zollfreie“ ist eröffnet – wenn auch offiziell nur provisorisch. Obwohl in Lörrach noch ein Kreisverkehr und weitere Lärmschutzmaßnahmen ausstehen, strahlten die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer, Landrätin Marion Dammann und Lörrachs Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm mit Weils Oberbürgermeister Wolfgang Dietz, Riehens Gemeindepräsident Willi Fischer und Basels Regierungsrat Baschi Dürr gestern Morgen um die Wette.

Schließlich hat die „schwere Geburt“ (O-Ton: Dammann) sich seit dem Jahr 1852 erstreckt, als das Herzogtum Baden und die Schweizer Eidgenossenschaft den formellen Startschuss gegeben haben. Kein Wunder also, dass zwar die künftige Verkehrsentlastung am Tüllinger zwar Thema der sechs offiziellen Reden war, doch der Fokus sich auf die Historie richtete.

Obwohl die „große Politik“ bei der provisorischen Eröffnung noch nicht teilnehme, seien doch diejenigen dabei, „die tatkräftig mit angepackt haben“, so Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. „Viele von Ihnen sind so zusammengewachsen, dass der Vergleich mit einer Familie gar nicht so falsch ist.“ Zugleich richtete sie ihren Dank an „Alle, die diese Geduld hatten“.

Ein zentraler Punkt, warum der zweite Bauabschnitt mit dem Trog so lange gedauert hat, blieb nicht ausgespart. „Wir haben kräftig in die Natur eingegriffen“, ist sich Schäfer bewusst. Man habe aber versucht, einen Ausgleich zu schaffen – und verwies dabei auf entsprechende Maßnahmen, wie die Schaffung neuer Biotropstrukturen. Der Eingriff sei mehr als ausgeglichen worden. Die Straßenbaumaßnahme bezeichnete sie als „wichtig und richtig“.

Insgesamt hat dieser Bauabschnitt 28 Millionen Euro gekostet. Werden die Südumgehung in Weil am Rhein und die Zollfreie-Maßnahmen in Lörrach hinzu gerechnet, seien es 59 Millionen Euro, rechnete Schäfer vor. Obwohl die Regierungspräsidentin erklärte „Jetzt gehört der Tunnel Ihnen, Frau Heute-Bluhm“, wird die Baulast doch auf den Landkreis Lörrach übergehen, wie auch Schäfer sich korrigierte.

Als Geschenk für beide Städte sieht Lörrachs Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm die Straße an. „Ein bedeutenderes Geburtstagsgeschenk hast du noch nie bekommen“, erklärte sie in Richtung des Weiler Oberbürgermeisters, der gestern in historischem Gewand gekleidet nicht nur die Eröffnung, sondern auch seinen Geburtstag feiern konnte. Dietz bedauerte, dass die „hohen Herren aus Stuttgart“ nicht am Tag zuvor beim Bürgerfest anwesend waren, um sich einen Eindruck vom Rückhalt aus der Bevölkerung zur „Zollfreien“ zu verschaffen. „Nicht jede veröffentlichte Meinung gibt die Meinung der Allgemeinheit wieder.“. Damit es künftig keine Probleme auf dem Streckenabschnitt gibt, appellierte er noch an die Vernunft der Verkehrsteilnehmer.

Landrätin Marion Dammann sieht besonders, dass Lörrach und Weil am Rhein nun näher zusammenrücken. Für den Verkehr sei die Zollfreie „mit Sicherheit eine Bereicherung“. Sie freue sich aber auch für die Bürger am Tüllinger, die das Projekt mit großer Geduld und großen Einsatz begleitet hätten.

Profitieren sollen auch die Bewohner von Riehen, setzt der dortige Gemeindepräsident auf weniger Durchgangsverkehr durch Riehen. „Ich hoffe, dass die Straße hält, was sie verspricht.“ Auch Basel habe angesichts der Eingriffe in die Natur Ausgleichsmaßnahmen ergriffen. Zugleich erinnerte Fischer in seiner Rede auch daran, dass es auch andere Formen der Mobilität gibt, um nach Basel zu gelangen – mit dem Öffentlichen Verkehr.

Als „einziger Landesminister, wenn auch eines kleinen Landes“ nahm Regierungsrat Baschi Dürr, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements von Basel-Stadt, teil. Wohlwissend um den Bewusstseinswandel in der Bevölkerung, dass die Eröffnung von neuen Straßen im Vergleich zu früheren Zeiten nicht direkt Jubel auslöst, sieht er die„Zollfreie“ als sinnvoll an. Auch in der Zukunft seien neue Straßen erforderlich.

Für Heute-Bluhm bildete die gestrige Eröffnung aber erst „eine Etappe“. Den nun wohl aufkommenden Verkehrslärm bezeichnete das Stadtoberhaupt für die Anwohner als „Zwischenlärm“. So kann neben dem Kreisverkehr an der Einmündung Dammstraße in Lörrach nicht nur der zuvor heiß diskutierte Kreisverkehr kommen, für den dieses Jahr Baurecht geschaffen werden soll, sondern auch die Lärmschutzwand an den Sternhäusern. Im Frühjahr 2014 soll es losgehen mit diesem dritten Bauabschnitt. Die Gesamtmaßnahme wird laut Plan im Frühjahr 2015 fertig gestellt sein. Schon jetzt steht für Heute-Bluhm aber fest: „So nah waren sich Lörrach und Weil noch nie.“