Kreis Lörrach Nachahmenswert für biologische Vielfalt eingesetzt

Die Oberbadische, 15.06.2014 23:00 Uhr

Von Marco Fraune

Kreis Lörrach. Ein Naturraum hält sich nicht an nationale Grenzen. Weil das besonders Umweltschützer wissen, setzen sie auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Ein vorbildliches trinationales Umwelt-Projekt ist am Freitagabend nahe Binzen mit der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden – die „Grenzüberschreitende Förderung der Streuobstwiesen und ihrer Artenvielfalt“.

In nachahmenswerter Weise haben sich die Naturschutzverbände Nabu Südbaden, LPO Alsace (Verein für den Schutz der Vögel im Elsass) und der SVS/BirdLife Schweiz aus der Nordwestschweiz für die biologische Vielfalt eingesetzt, heißt es in der Begründung der Auszeichnung. Konkret werden die landschaftsprägenden Streuobstwiesen im Dreiländereck Basel und im Raum Kaiserstuhl/Breisach erhalten und außerdem der Lebensraum des Steinkauzes gesichert. „Ohne das ehrenamtliche Engagement wäre das Projekt so nicht möglich“, lobte Felix Bergmann, Geschäftsführer beim Nabu Südbaden, im Rahmen der kleinen Auszeichnungsfeier auf einer Streuobstwiese oberhalb von Binzen. Lobende Worte fand auch Binzens Bürgermeister Andreas Schneucker, der die Auszeichnung überreichte. „Ich freue mich, dass diese in Binzen stattfindet.“ Das Lob für die Aktiven verband er mit der Zusage seiner Gemeinde, die Umweltschützer bei Bedarf zu unterstützen.

Speziell um die kleine, nachtaktive Eule macht sich schon seit langem auf südbadischer Seite des Projektgebietes Steinkauzbetreuer Franz Preiss verdient, der auch die Auszeichnung für den Nabu Südbaden entgegennahm. Dank des großen Einsatzes der Freiwilligen und der Aufstellung von mardersicheren Röhren konnte im Raum Lörrach in den vergangenen Jahren das Aufkommen des Steinkauzes gesichert werden. Noch nicht wieder heimisch geworden ist hier hingegen der Wiedehopf. Aus der Rheinebene praktisch verschwunden ist auch der Wendehals.

Anders sieht es mit einer anderen Naturschutzprojekt-Art aus: Der Gartenrotschwanz fliegt am Tüllinger Berg. Der größte Teil der Zaunammer-Population findet sich entlang der Vorbergzone zwischen Freiburg und Lörrach. Eine kleinere Population existiert laut NABU auch noch bei Grenzach-Wyhlen.

Für die Zukunft soll bei der trinationalen Projekt-Zusammenarbeit weiter auf die Förderung der Hochstamm-Obstgärten und ihrer Biodiversität gesetzt werden. Verstärkt geraten den Bestrebungen der Naturschützer zufolge auch Wiedehopf, Wendehals und Gartenrotschwanz in den Fokus. Botanische Zielarten seien der Acker-Wachtelweizen und die Wilde Tulpe. Noch stärker will man sich zudem in der Biotoppflege engagieren.

Für den Geschäftsführer des NABU Baden-Württemberg, Uwe Prietzel, steht fest, dass es mehr solcher grenzüberschreitender Vorhaben geben müsse. „Nicht nur den Schutz der Natur, die sich ohnehin nicht an Landesgrenzen hält, sondern auch für ein interkulturelles Lernen und Arbeiten. Durch derartige Projekt wird Europa erleb- und fassbar.“ Die Kooperation mit Landwirten sei dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor. ≠