Kreis Lörrach Neue Lehrer sehnlichst erwartet

Joachim Schweizer, Junglehrervertreter der GEW, fordert eine Bezahlung der Sommerferien für neueingestellte Lehrkräfte. Foto: zVg

Kreis Lörrach - Rund 160 neue Lehrer sind am Freitag im Meret-Oppenheim-Schulzentrum vereidigt worden. Sie werden an den Grund-, Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie an den sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren im Gebiet des Schulamtes Lörrach tätig sein.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war vor Ort und hat die neuen Kollegen mit einer Fotoaktion zum Thema „Sommerferien bezahlen“ begrüßt. Trotz des anhaltenden Lehrkräftemangels erlaube es sich die Landesregierung, junge Lehrkräfte nach ihrer Ausbildung in den Sommerferien sechs Wochen lang in die Arbeitslosigkeit zu schicken, obwohl diese schon ihren Vertrag für das neue Schuljahr in der Tasche hätten, teilt die GEW mit.

Kritik an Landesregierung

„Ich kenne außer der Landesregierung keinen Betrieb, der seine Azubis trotz Übernahmevertrag im Urlaub arbeitslos vor die Türe setzt“, moniert Anja Hanke, Vorsitzende der GEW im Kreis Lörrach.

Joachim Schweizer, Vorstandsmitglied der GEW Kreis Lörrach und Sprecher der jungen GEW Südbaden, kritisiert ebenfalls die Personalarbeit der Landesregierung: „Mit dieser Handhabung werden gerade junge Lehrer ganz sensibel getroffen. Wer kann schon zu Beginn seines Berufslebens mal eben sechs Wochen finanziell überbrücken? Zumal bei vielen neu eingestellten Lehrkräften noch ein kostspieliger Umzug für die neue Stelle ansteht.“

Dabei müsste man gerade zurzeit alles tun, um den Lehrerberuf wieder attraktiver zu machen, betont Schweizer.

Zwar sei in diesem Jahr die Versorgung an den Schulen im Kreis Lörrach relativ gut. Man dürfe aber nicht außer Acht lassen, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Lehrkräfte gar keine abgeschlossene Lehramtsausbildung oder teilweise noch nicht mal eine irgendwie geartete fachliche oder pädagogische Qualifizierung besitze.

Zusätzlicher Bedarf

Die GEW findet es skandalös, dass diese Personen keinerlei fachliche Begleitung oder gar die Möglichkeit zur beruflichen Weiterqualifizierung erhalten. „Ganz abgesehen davon, dass das eine schiere Notwendigkeit wäre, um unseren Kindern einen gewissen Qualitätsstandard zukommen zu lassen, würde dies arbeitsrechtlich den Kollegen dann die Möglichkeit geben, ihre befristeten Verträge in unbefristete Arbeitsverhältnisse umwandeln zu können und zum Beispiel als pädagogische Assistenten fest an den Schulen zu arbeiten“, erläutert Hanke.

Zusätzlicher Bedarf besteht laut GEW durch den Anspruch auf Ganztagesschulbetreuung: Der unlängst beschlossene Anspruch auf eine Ganztagesschulbetreuung ab 2026 werde neben dem jetzt schon grassierenden Lehrkräftemangel einen enormen Bedarf an Pädagogen erzeugen.

„Wir müssen jetzt damit anfangen, diese zu qualifizieren und einzustellen – in fünf Jahren wird niemand vom Himmel fallen“, so Hanke.

Neben der Bezahlung der Sommerferien und Weiterqualifizierungsmaßnahmen für berufsfremde Kollegen sieht die GEW die gleichwertige Bezahlung für die unterschiedlichen Lehrämter als einen entscheidenden Baustein zur Bekämpfung des Lehrkräftemangels an. Nicht ohne Grund kenne der am besten bezahlte gymnasiale Bereich das Wort Lehrermangel eigentlich nicht und könne abgesehen von einzelnen Fächern aus dem Vollen schöpfen. „Diese Situation wünscht sich die GEW für alle Schularten.“

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