Kreis Lörrach Nichterfüller springen in die Bresche

Gerd Lustig
Die GEW schlägt wegen des Themas „Nichterfüller“ Alarm. Daher hat GEW-Kreis-Vorsitzende Anja Hanke (hinten Mitte) zusammen mit GEW-Kollegen und Betroffenen die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller (vorne Mitte) zum Gespräch eingeladen. Foto: Gerd Lustig

Kreis Lörrach - Das Wort „Nichterfüller“ macht im Schul- und Bildungsbereich immer mehr die Runde. Dabei sind es gerade jene Lehrkräfte, die als Seiteneinsteiger oder Lehrer ohne das offizielle baden-württembergische Examen vielfach Unterricht in den hiesigen Schulen sicherstellen.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) schlägt daher Alarm. „Gerade hier in den beiden Landkreisen Lörrach und Waldshut liegt Vieles im Argen, gibt es zahlreiche Schieflagen“, machte Anja Hanke, Vorsitzende GEW Kreis Lörrach, beim Pressegespräch deutlich. Allein der Begriff „Nichterfüller“ sei schon ein schlimmes Unwort und suggeriere Abqualifizierung.

Viel schlimmer sei indes, dass vielfach diese Kollegen von der Landesregierung ungleich und unfair behandelt werden, obwohl sie die gleiche schulische Arbeit leisteten wie examinierte und unbefristet angestellte Pädagogen und Lehrer. Gleichwohl gehe es keineswegs um die Untergrabung des etablierten Qualifizierungssystems für Pädagogen, sagte Hanke.

Dem Pressegespräch vorangegangen war ein Gespräch mit der CDU-Landtagsabgeordneten Sabine Hartmann-Müller, dem neben der GEW-Kreisvorsitzenden noch weitere GEW-Vorstandsmitglieder und einige betroffene Lehrer beigewohnt hatten. Hartmann-Müller sagte zu, sich in Stuttgart dafür einzusetzen, das Thema „Nichterfüller“ auf den Tisch zu bringen. Dass künftig Arbeitsverträge zumindest für zwei bis drei Jahre gelten sowie auch Nachqualifizierung erfolgen soll, kann sie sich durchaus vorstellen.

In den Kreisen Lörrach und Waldshut sind mit derzeit rund 170 Personen so viele befristet Beschäftigte im Schuldienst tätig wie sonst nirgendwo in Baden-Württemberg, monierte Hanke. Dies liege zum einen daran, dass hier der Lehrermangel besonders groß ist, verwies sie auf den ländlichen Raum, die Nähe zur Schweiz und zum „Lehrermagnet“ Freiburg. Zum anderen liege es daran, dass das Schulamt Lörrach außergewöhnlich große Anstrengungen unternimmt, den Lehrermangel zu lindern und viele Personen außerhalb der Schulen rekrutiert.

„Dies bewerten wir grundsätzlich sehr positiv“, betonte die GEW-Kreischefin. Gleichzeitig wird aber auch mehr Gerechtigkeit in Sachen Festanstellung, Gehalt und Bezahlung der Sommerferienzeit gefordert. „Teils ist der Umgang unmoralisch und bisweilen beschämend“, übte auch GEW-Vertreterin Annette Eckstein harsche Kritik. Und es sind nicht nur Befristung und Bezahlung, womit die GEW hadert, wie weiter zu erfahren war.

Schmerzlich vermisst werden auch die pädagogische Begleitung durch Fortbildung oder ein Mentorensystem an den Schulen. „Völlig fehlt ein Konzept zur Weiterqualifizierung, um einen Quereinstieg zu ermöglichen“, bringt es die Kreis-Vorsitzende auf den Punkt.

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