Kreis Lörrach „Niemand wurde eingesperrt“

Die Heimleiter der Senioreneinrichtungen im Landkreis Lörrach mussten zwischen der Landesverordnung des Sozialministeriums und dem Bedürfnis der Bewohner nach Sozialkontakten einzelfallbezogen abwägen (Archivfoto). Foto: Die Oberbadische

Kreis Lörrach - Die Corona-Krise und ihre Folgen werden die Bewohner und Mitarbeiter der Senioren- und Pflegeheime im Landkreis Lörrach noch lange beschäftigen. Vertreter der Altenpflege haben am Dienstagnachmittag anlässlich der Mitgliederversammlung des Kreisseniorenrats im Haus der Volksbildung in Weil am Rhein nun eine erste Zwischenbilanz über ihre Arbeit zu Pandemie-Zeiten gezogen.

Zeit großer Anspannung und Unsicherheit

„Corona wird uns noch weit bis ins kommende Jahr begleiten“, berichtete Wolfram Uhl, Geschäftsführer des Seniorenzentrums Mühlehof in Steinen. Die Zeit während der Hochphase der Pandemie im April sei von großer Anspannung und Unsicherheit unter den Bewohnern und Mitarbeitern geprägt gewesen.

„Im März gab es noch eine letzte Versammlung der Heimleiter im Kreis vor dem Lockdown“, sagte Uhl. Damals waren bei der konkreten Umsetzung der Corona-Maßnahmen des Landes in den jeweiligen Pflegeeinrichtungen noch viele Fragen offen.

Heime zunächst im Unklaren

Auch habe das Sozialministerium die Heimleiter zunächst im Unklaren darüber gelassen, wie streng das Besuchsverbot für die Bewohner auszulegen sei. „Wir befanden uns in einem Spannungsfeld zwischen bürokratischen Anordnungen mit juristischen Konsequenzen, sollte das Virus in die Heime eingeschleppt werden, und dem berechtigten Bedürfnis der Bewohner und deren Angehörigen, den Kontakt zu ihren Liebsten aufrechtzuerhalten“, schilderte Uhl das Dilemma. Besuche wurden einzelfallbezogen unter bestimmten Umständen wie bei einem Todesfall oder bei Verschlechterung des seelischen Wohlbefindens eines Bewohners zugelassen.

Diesen Spielraum habe auch das Landessozialministerium nach sechs Wochen Lockdown in einer Mitteilung an die Heimleiter eingeräumt, „nachdem wir uns bereits selber einen Plan erarbeitet hatten, wie wir erfolgreich den Spagat zwischen Sicherheit und Kontaktbedürfnis der Heimbewohner machen können“.

Martin Strittmatter, der das Margaretenheim und Martinshaus des Evangelischen Altenwerks Lörrach leitet, wehrte sich in diesem Zusammenhang auch gegen Behauptungen der Medien, „wir hätten die Bewohner während des Lockdowns in irgendeiner Form eingesperrt.“ Dies sei zu keiner Zeit der Fall gewesen. Das Qualitätsmanagement übernehme jedes Heim selbst.

Er könne behaupten, dass in der akuten Phase der Pandemie im Frühjahr sogar mehr Personal für die beiden Lörracher Einrichtungen eingesetzt wurde. Auch Tillmann Steinmann, Hausleiter der Gevita Seniorenresidenz in Lörrach, berichtete von ähnlichen Erfahrungen während des Lockdowns und ging auf das Thema Corona-Testungen von Mitarbeitern und Bewohnern ein.

Bis zu 100 000 Testkits pro Monat für die Heime

Gesundheitsminister Jens Spahn plant 50 Tests pro Bewohner in den Pflegeheimen. Eine Einrichtung mit 80 Bewohnern könne demnach bis zu 4000 Tests im Monat nutzen, um Besucher, Personal und Bewohner wiederholt testen zu lassen.

Diese Tests sollten von einer sachverständigen Person vorgenommen werden. „Leider befürchten wir, dass diese aufwendige Aufgabe nur durch das Bereitstellen von Heimmitarbeitern zu bewerkstelligen sein wird“, gab Steinmann zu bedenken. Dieses Personal würde an anderer Stellen dann ausfallen. Genaue Vorgaben, wie die Tests in den Einrichtungen durchgeführt werden sollten, gebe es noch nicht.

„Ich bezweifle zudem, dass das Landratsamt in den nächsten Wochen die rund 100 000 Testkits pro Monat für die Einrichtungen im Kreis bereitstellen kann“, sagte Uhl.

Zudem sei das Durchführen von Abstrichen bei den Bewohnern nicht immer einfach. Gerade für Personen mit Demenz, für die sich der Sinn solch einer Prozedur nicht so leicht erschließe, sei das tiefe Einführen der Stäbchen in Mund und Nase eine Tortur.

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