Kreis Lörrach Noch fehlen Personal und Plätze

Landkreis und Gemeinden sind intensiv bemüht, den Bedarf an Kindertagesbetreuung sowohl in personeller als auch räumlicher Hinsicht zu befriedigen. Foto: Peter Ade

Kreis Lörrach - Trotz intensiver Bemühungen fehlen in Städten und Gemeinden des Landkreises noch immer zahlreiche Plätze und auch qualifiziertes Personal zur Kindertagesbetreuung. Eingehend befasste sich am Mittwoch unter Leitung von Landrätin Marion Dammann der Jugendhilfeausschuss des Kreistags mit der Situation und beauftragte das Sozialdezernat, gemeinsam mit den Kommunen weitere Schritte in die Wege zu leiten.

Die gesetzlichen Grundlagen zur Bedarfsplanung der Kindertagesbetreuung ergeben sich aus dem Sozialgesetzbuch und dem Kindertagesbetreuungsgesetz des Landes Baden-Württemberg. Darin findet sich unter anderem der Rechtsanspruch eines Kindes auf eine bedarfsgerechte Förderung.

Basis aller Aktivitäten bildet ein enger Schulterschluss von Kommunen und Landkreis. Diesem Prozess, so hieß es, werde künftig aufgrund der aktuellen Lage eine noch höhere Aufmerksamkeit gewidmet werden müssen. Der Landkreis wirke unter anderem durch die jährliche Abfrage des Ausbaustandes zur Fortschreibung der Bedarfsplanungen der Städte und Gemeinden hin.

Dazu heißt es: „Eine quantitativ und qualitativ gut ausgebaute Kindertagesbetreuung trägt auf verschiedenen Ebenen zu einem gesellschaftlichen Mehrwert bei.“ Eine verlässliche und qualitativ hochwertige Infrastruktur sei Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und könne für Kommunen zu einem wichtigen Standortfaktor werden.

Gemeinden reagieren

Überdies mache der demografische Wandel deutlich, dass es sich die Gesellschaft nicht leisten könne, Kinder aufgrund ihrer Umgebungsbedingungen hinter ihren Potenzialen zurückzulassen.

Rückmeldungen zur fortgeschriebenen Bedarfsplanung gab es bis jetzt aus den 27 Gemeinden im Landkreis, die Kindertagesbetreuung anbieten. Ein Gemeindeverwaltungsverband erstellt eine gemeinsame Bedarfsplanung, so dass bei 27 Gemeinden von einer Vollerhebung gesprochen werden kann.

Insgesamt melden die Städte und Gemeinden 14 084 Betreuungsplätze zum Stichtag 1. März 2021. Dabei sind die Betreuungsplätze der Kinder unter drei Jahren (U3), die von Kindern über drei Jahren bis zum Schuleintritt (Ü3) und die Schulkindbetreuung zusammengefasst.

Bezogen auf die einzelnen Altersbereiche zeigt sich die folgende Verteilung: 1933 im U3-Bereich, 8068 im Ü3-Bereich und 4083 im Schulkindbereich. Fazit: Städte und Gemeinden haben enorme Anstrengungen und Investitionen in den Ausbau der U3- sowie der Ü3-Betreuung und des Ganztagesangebots gesteckt, vielerorts unterstützt durch das Investitionsprogramm des Bundes zur Kinderbetreuungsfinanzierung.

Mehrere Bauvorhaben

Das aktuelle Investitionsprogramm des Bundes zur Kinderbetreuung wird von sieben Gemeinden für zwölf Bauvorhaben genutzt. Dennoch reichen die Betreuungsplätze nicht aus, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden. So geben acht Gemeinden an, den Rechtsanspruch im U3-Bereich nicht decken zu können. Neun Gemeinden können mit ihrem Angebot im Ü3-Bereich nicht nachkommen.

Über alle Rückmeldungen summiert sich ein Defizit von 311 Betreuungsplätzen im U3- und von 418 Betreuungsplätzen im Ü3-Bereich. Besonders betroffenen sind die Planungsräume Hochrhein und Weil-Markgräflerland-Kandertal, die in den Bereichen U3- sowie Ü3-Betreuung mehr als 100 fehlende Plätze angeben.

Bis 2024 werden gemäß der prognostischen Planung der Städte und Gemeinden 8829 Betreuungsplätze im Ü3-Bereich benötigt. Die bisherige Planung sieht aktuell einen erneuten Ausbau von 183 Plätzen vor. Damit wird es nach heutiger Prognose im Jahr 2024 rund 8710 Plätze im Ü3-Bereich geben – mithin bleibt ein Defizit von 120 Plätzen.

Weiter mit Defizit

Der Platzbedarf im U3-Bereich wird für das Jahr 2022 mit 2244 beziffert. Dies sind 319 Plätze mehr, als zum Stichtag 1. März 2021 zur Verfügung standen. Da gemäß den Angaben heute ein Defizit von 311 Plätzen besteht, ist dieser Bedarf nachvollziehbar. Das aktuell bezifferte Ausbauvorhaben sieht bisher lediglich 165 zusätzliche Plätze für das Jahr 2022 vor. Somit würde 2022 im U3-Bereich ein Defizit von rund 150 Plätzen bestehen bleiben.

Problematisch ist auch die Personalsituation. 19 Städte und Gemeinden melden, den Fachkräftebedarf zumindest zeitweise nicht vollständig decken zu können. In 13 Städten und Gemeinden kam es zu Stellenvakanzen, die drei Monate und länger dauerten. Sieben Gemeinden gaben zudem an, dadurch die Öffnungszeiten reduzieren zu müssen. In fünf Gemeinden kam es zur Schließung von Gruppen aufgrund des Personalmangels.

20 Städte und Gemeinden geben an, Fachkräfte auszubilden. Aufgrund des aktuellen Altersspektrums der vorhandenen Fachkräfte wird es aus Sicht des Sozialdezernats dringend notwendig sein, gezielt Personal aus dem erweiterten Fachkräftekatalog anzusprechen und sich mit Modellen auseinanderzusetzen, die Fachkräfte aus dem Ausland anwerben.

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