Kreis Lörrach - Die Gemeinden haben bei der Unterbringung von Asylsuchenden in den vergangenen Jahren viel geleistet. „Die Wohnraumsituation bleibt aber eine riesige Herausforderung.“ Mit diesen Worten kommentierte SPD-Kreisrat Jörg Lutz den Bericht zur Unterbringung von Flüchtlingen im Kreis Lörrach. Dieser wurde am Mittwoch im Sozialausschuss des Kreistags vorgestellt.

39 Asylsuchende pro Monat

472 Asylsuchende hat der Landkreis im vergangenen Jahr in der vorläufigen Unterbringung (VU) verzeichnet, 39 pro Monat. In diesem Jahr waren es bis September 282 Personen, erläuterte Thomas Vollbrecht, Fachbereichsleiter Aufnahme & Integration. Bei den Zuweisungen seit Februar vergangenen Jahres würden Flüchtlinge aus Afrika die Hälfte ausmachen, und seit Juli 2017 sei dies sogar die Hauptgruppe. Er merkte an, dass es seit Monaten Zuweisungen von Personen gebe, deren Asylverfahren bereits abgelehnt worden sei und die im Rahmen ihrer Klage eine Duldung erhielten.

Mit Stand Ende September lebten in den sechs Gemeinschaftunterkünften im heimischen Kreis 410 Menschen –­ein Großteil von ihnen sind alleinstehende junge Männer, wie weiter zu erfahren war. Aus dem Zahlenwerk ging auch hervor, dass immer weniger abgelehnte Asylbewerber eine freiwillige Rückkehr antreten. Waren es 2016 noch 282 Personen, so zählte die Verwaltung dieses Jahr nur acht freiwillige Rückkehrer.

Deutlich weniger Abschiebungen

„Deutlich gesunken sind auch die Abschiebungen“, nannte Vollbrecht 27 Fälle seit Januar. Bei den Flüchtlingen der Gruppe I mit sehr guter Bleibeperspektive handelt es sich insgesamt um 102 Betroffene (25 Prozent). Mit einer Chance von weniger als 50 Prozent leben 305 Personen im Kreis, wobei die Hauptherkunftsländer Gambia, Nigeria und Kamerun sind.

Auch einen Ausblick wagte Vollbrecht, der im kommenden Jahr mit etwa 25 Personen pro Monat rechnet. Die Angabe sei aber ohne Gewähr, wie der Leiter Aufnahme & Integration betonte. Thema sei immer noch die Ausgabenerstattung seitens des Landes (wir berichteten).

Mit den sinkenden Flüchtlingszahlen baut der Kreis auch seine Unterbringungskapazitäten in der VU ab: Laut Verwaltung soll es ab Januar nur noch drei Gemeinschaftsunterkünfte geben: Rheinfelden-Schildgasse, Rheinfelden-Römerstraße und Efringen-Kirchen. Mit Bürchau und Schwörstadt liegen allerdings längere Mietverträge vor. Das Landratsamt steht in Verhandlungen, diese vorzeitig zu kündigen.

Familiennachzug überrascht Gemeinden

Den Gemeinden wurden seit 2016 insgesamt 2240 Flüchtlinge zugewiesen. Dabei spiele auch der Familiennachzug eine Rolle. Waren es vergangenes Jahr 91 Personen, so folgten seit Januar 43 Asylsuchende ihren Familienmitgliedern in den Landkreis.

„Die Gemeinden waren über den Familiennachzug überrascht“, merkte Vollbrecht an. Er machte zugleich deutlich, dass es zukünftig auch vermehrte Zuweisungen von Einzelpersonen geben werde. Insgesamt überwiege die Gruppe jener Flüchtlinge mit einer schlechten Bleibeperspektive. Vollbrecht prognostiziert für das kommende Jahr eine Zuweisung an die Gemeinden von 260 Flüchtlingen. „Das oberste Ziel dabei ist die gleichmäßige und gerechte Verteilung über alle Städte und Gemeinden im Landkreis“, sagte Vollbrecht, der hierbei auf die geplanten Transitzentren und die Überarbeitung des Flüchtlingsaufnahmegesetzes hinwies. „Was die Zukunft bringt, ist ungewiss.“

Flüchtlinge zieht es in die Städte

CDU-Kreisrätin Diana Stöcker warnte, dass sich Kommunen darauf einstellen müssten, dass es Flüchtlinge nach dem Auszug aus der Anschlussunterbringung in die Städte ziehen werde. Dass man es Vermietern schmackhaft machen müsse, an Flüchtlinge zu vermieten, meinte Jörg Lutz (SPD). Er sprach in Sachen Unterbringung von einem Kraftakt.

Laut Landrätin Marion Dammann müsse darauf geachtet werden, dass der Zug in die Stadt nicht zu stark werden dürfe. Sie wies auf mögliche Steuerungsinstrumente hin. „Die kommunale Gesetzgebung wird hier von Bedeutung werden.“ Die Wohnraumfrage werde sich jedenfalls nicht über Nacht entspannen.