Kreis Lörrach Ohne Schneekanonen geht es nicht

Regio - Mittlerweile kann Adrian Probst, geschäftsführender Vorsitzender des Liftverbundes Feldberg, von guten Schneeverhältnissen sprechen. Das sah zu Beginn der Saison, die spät startete, noch ganz anders aus. Laut Probst mache sich der Klimawandel nämlich immer deutlicher bemerkbar.

17 von 38 Liften sind in Betrieb, die Schneehöhe beträgt bis zu 60 Zentimeter und die Loipen sind zum Teil gespurt. So sieht das aktuelle Lagebild im Gebiet des Liftverbunds Feldberg aus, berichtet Probst im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Wetter spielt mit, sodass Einheimische wie Touristen aus nah und fern im Liftverbund Wintersport betreiben können.

Gerade in tieferen Lagen sei das immer seltener der Fall. Und: So mancher Liftbetreiber wird angesichts des heißen und trockenen Sommers Sorgenfalten auf der Stirn gehabt haben, denn beim Blick auf die Wasserreservoirs für Schneekanonen und Beschneiungsanlagen wird deutlich, dass die Klimaveränderung mit langer Trockenheit Skigebiete zunehmend vor Herausforderungen stellt.

Dass Kunstschnee vonnöten ist, will Probst nicht verneinen. „Die Beschneiung macht Sinn, und zwar in wirtschaftlicher, sozialer wie auch ökologischer Perspektive“, verweist St. Blasiens Bürgermeister auf die hohe Bedeutung des Wintersports für die Gemeinden des Schwarzwalds. So hängen etwa 2000 Arbeitsplätze im Gebiet des Liftverbunds indirekt vom Wirtschaftsfaktor Wintersport ab, außerdem wird eine jährliche Wertschöpfung von 80 Millionen Euro verbucht, sagt Probst.

Verlässlichkeit bieten

Ziel ist deshalb, den Gästen eine hohe Qualität und Verlässlichkeit zu bieten, weshalb die Gesellschafter –­ das Herz des Verbunds bilden St. Blasien, Todtnau und die Gemeinde Feldberg – in der Vergangenheit in Beschneiungsanlagen investiert haben. Mittlerweile gehören 80 Schneilanzen und 30 Propellermaschinen zur Ausrüstung. Dringenden Handlungsbedarf sieht Probst bei den Zisternen, deren Wasserspeicherkapazitäten nicht ausreichend sind. Denn bei einer zu geringen Menge, kann nur eine kurze Zeit beschneit werden, oder es ist unter Umständen gar nicht erst möglich, legt der Geschäftsführer dar.

Unabhängiger werden

Deshalb müssten vorhandene Speicher vergrößert und neue angelegt werden, so könne man unabhängiger vom Niederschlag werden. Beim Liftverbund kommt das Wasser laut Probst aus Wiese, Alb und Seebuckbach. Dabei gebe es strenge Vorgaben für die Entnahme, sagt er auf Nachfrage. Eine verbleibende Mindestflussmenge müsse stets gewährleistet sein.

Dass Probst bei den Ausbauplänen von Naturschützern bisweilen Gegenwind erfährt, macht die ohnehin kostspielige Investition in den Ausbau der Wasserspeicher nicht einfacher. Er wünscht sich deutlich weniger ideologisch geprägte Diskussionen und stellt klar: „Ein museales Naturverständnis darf es nicht geben.“ Behörden, Naturschutz und Liftbetriebe seien aber derzeit auf einem guten Weg, verweist er auf eine mögliche Realisierungszeit von zwei bis drei Jahren.

Alternativen wichtig

Was der Klimawandel für das Skigebiet bedeutet, weiß auch Valentin Weislämle, Studiengangsleiter BWL-Tourismus an der Lörracher Dualen Hochschule. „Die Notwendigkeit für Alternativangebote ist klar gegeben. Viele arbeiten schon lange daran, und Leistungsträger mit einem entsprechendem Angebot sind nachweislich auch erfolgreicher –­ insbesondere in Zeiten von wenig Schnee. Das betrifft unter anderem Indoor-Aktivitäten wie Kletterhallen oder Ausflugsangebote, die gerade bei der Zielgruppe Familie nachgefragt werden. Bei der größer werdenden Gruppe ab 50 Jahren ist die Nutzung von Wellness-Angeboten ein immer wichtiger werdender Buchungsfaktor“, kommentiert Weislämle die Lage. Und im Bereich der Outdoor-Angebote sei der Trendsport Skischuhwandern ein florierendes Segment, das gegenüber dem klassischen Skilaufen deutlich flexibler hinsichtlich der Schneeverhältnisse ist. Aber auch ohne Schnee sind geführte Themen-Wanderungen sehr beliebt, weiß der Tourismus-Experte.

Probst sieht bei der Schaffung von Alternativangeboten außerhalb der Wintersportzeit noch Luft nach oben und verweist auf den Radsport. Zwar gebe es schon eine Downhillstrecke bei Todtnau, sogenannte Bikeparks stellten eine weitere Option bei der Erweiterung des Angebots für Touristen dar.

Insgesamt gut aufgestellt

Insgesamt ist die Region gut aufgestellt und für viele als Wintersportdestination noch attraktiv, bilanziert Weislämle: „Dazu gehören insbesondere der Liftverbund Feldberg als Aushängeschild im Bereich des Alpin-Ski-Sports. Aber auch in Sachen Langlauf und insbesondere beim neuen Trendsport des Skischuhwanderns überzeugt der Schwarzwald durch ein gut ausgebautes Wegenetz und kann hinsichtlich der hohen Natur- und Landschaftsattraktivität punkten.“

Pensionen weniger beliebt

Noch sehr viel Entwicklungspotenzial sieht Weislämle bei den Übernachtungsmöglichkeiten. Bei den potenziellen Gästen beliebt seien vor allem neue Hotels oder zumindest auf dem neuesten Stand der Technik sanierte Hotels. Das Modell der Pensionen sei indes rückläufig, wohingegen die Ferienwohnungen für eine breite Zielgruppe ein stark wachsendes Segment darstellen würden. Und: „Das wichtigste bei allen Übernachtungsmöglichkeiten ist die hohe Qualität der Unterkünfte, die transparent und jederzeit buchbar im Internet und in den sozialen Medien dargeboten wird.“ Darüber hinaus sei für die Gäste bei der Buchung wichtig, welche Wintersportmöglichkeiten oder sonstigen Freizeitaktivitäten vor Ort geboten werden und wie diese genutzt werden können.

Den Tourismusanbietern sind natürlich Grenzen gesetzt. Nicht jeder Betrieb könne einen Wellness-Tempel oder jede Sportanlage selbst betreiben und auslasten. Daher sei eine Zusammenarbeit und die Bündelung der Angebote wichtig, meint Weislämle und stellt fest: „Die Zusammenarbeit im Tourismus und der Blick über den eigenen Kirchturm hinaus ist der entscheidende Erfolgsfaktor.“ Die Zusammenarbeit gelte natürlich auch für Gemeinden, denn nicht jede könne eine touristische Destinationsmarke oder große Pistengebiete aufbauen und betreiben, ergänzt der Experte.

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